Große Stadtbrände in MV : Feuerstürme in engen Straßen

Die ersten „Spritzenverbände“ entstanden im 19. Jahrhundert. Das Bild zeigt Brunshauptener Feuerwehrleute im Jahr 1928.
Die ersten „Spritzenverbände“ entstanden im 19. Jahrhundert. Das Bild zeigt Brunshauptener Feuerwehrleute im Jahr 1928.

Stadtbrände waren jahrhundertelang auch in Mecklenburg ein großer Schrecken . Erst im 19. Jahrhundert entstanden Feuerwehren

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28. Mai 2018, 11:47 Uhr

Neben Seuchen, Krieg und Unwettern gehörten Brände bis ins 19. Jahrhundert zu den größten Katastrophen, die die Menschen heimsuchten. Von kleineren Feuern abgesehen, die nur ein oder wenige Häuser betrafen, fielen immer wieder ganze Straßenzüge oder gar Stadtviertel in Schutt und Asche. Der vom Umfang und den Folgen her größte Brand war der Rostocker von 1677, bei dem ein Drittel aller Gebäude zerstört wurde und die Einwohnerzahl aufgrund der wirtschaftlichen Folgen um mehr als die Hälfte sank.

Zu den frühesten dokumentierten großen Bränden in Mecklenburg zählen die Wismarer von 1267 und 1350. Im Gegensatz zum 17. Jahrhundert blühte die Hanse aber gerade auf, und auch in Wismar florierte seit Jahrzehnten der internationale Handel. Die Stadt erholte sich rasch vom Unglück und wurde in prächtigem Backstein wiederaufgebaut. Von der wirtschaftlichen Potenz kündet auch, dass nach beiden Bränden große und kostspielige Kirchenprojekte fortgesetzt bzw. neu begonnen wurden: Der Bau der um 1260/70 angefangenen St. Georgen-Kirche wurde weiter betrieben, und um 1380 startete man mit St. Nikolai. Im Vergleich dazu brachte der Rostocker Brand die alte Hansestadt 300 bzw. 400 Jahre später an den Rand des wirtschaftlichen Ruins: Es dauerte etliche Jahrzehnte, bis die vom Feuer betroffenen Grundstücke alle wieder bebaut waren – mit einfachen Gebäuden.

Wismar blieb fortan von verheerenden Feuern verschont, wie das erhaltene mittelalterliche Stadtbild beweist. In anderen Städten schlug der Feuerteufel in steter Regelmäßigkeit zu: in Ribnitz in den Jahren 1384, 1455, 1537 und 1759. Der letzte große Brand zerstörte rund 300 Häuser, das waren etwa 90 Prozent aller Gebäude, darunter die Kirche und das Rathaus. Auch Krakow wurde mehrfach Opfer der Flammen: 1358, 1643, 1684, 1698, 1759, als fast die ganze Stadt zerstört wurde und die Schweriner Landesregierung einen Plan für den Neuaufbau veranlasste sowie 1856, als 52 Scheunen abbrannten und Goldberger Bürger 35 Taler für ihre Nachbarn spendeten.

Dass andere Städte durch Feuer in Not geratenen Gemeinden halfen, war nicht außergewöhnlich. Jeden konnte es treffen, und jeder hoffte im Falle eines Falles auf Unterstützung. Für Grabow ist überliefert, dass der Rat 1499 nach Lüneburg schrieb, weil Stadt und Kirche abgebrannt waren. Man bat um Erlaubnis, in Lüneburg eine Haussammlung für den Wiederaufbau der Kirche durchführen zu dürfen. Die Stadt Lübeck half 1725, als wiederum ein Feuer Stadt und Kirche zerstört hatte. In diesem Zusammenhang wechselten ein Altar aus dem Jahr 1379 und eine Kanzel von 1555 von der Trave nach Grabow.

Natürlich blieb auch die Landeshauptstadt nicht verschont. 1531, 1558, 1651 und 1690 zogen die Flammen durch die Stadt, die jedes Mal schweren Schaden nahm. Um das Feuer vom 21. August 1558 rankt sich dabei eine besondere Geschichte: Der Domprediger Kükenbieter soll seine des Ehebruchs beschuldigte Tochter laut Zeugen von der Kanzel herab mit den Worten verteidigt haben, „wo seine Tochter in der That schuldig, daß Donner und Blitz ins Haus schlagen möchte“. Am gleichen Abend traf der Blitz ihr Haus am Markt, und das ausbrechende Feuer zerstörte 44 Gebäude zwischen Markt und Schelfe einschließlich des Rathauses.

Grund für die zahlreichen schweren Stadtbrände überall im Land waren die eng beieinanderstehenden, vielfach aus Fachwerk und Lehm gebauten Häuser mit ihren stroh- oder reetgedeckten Dächern, unter denen vielfach auch Getreide lagerte. Gerade im Sommer sprangen die Funken hier schnell über. Standen erst einmal einige Häuser in Flammen, entwickelte sich in den engen Straßen ein Feuersturm, dem auch Steinmauern erlagen.

Mehrere Bauvorschriften sollten dem Brandschutz dienen – so schrieb das lübische Recht eine besonders dicke Mauer zwischen zwei Häusern vor – doch letztlich bot die mittelalterliche Stadtstruktur im Ernstfall zu viel Angriffsfläche: innerstädtische Scheunen brannten wie Zunder, von Schmieden und Backstuben ging ständig eine Brandgefahr aus; besonders gefürchtet waren die Explosionen sich entzündenden Mehlstaubs. Die zur Brandbekämpfung in jedem Haus vorrätigen Feuerpatschen und ledernen Feuereimer konnten gegen größere Brände nichts ausrichten.

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich schließlich Feuerwehren, zunächst als „Spritzenverbände“, dann in Form freiwilliger Wehren und in einigen wenigen Städten wie Schwerin, Rostock und Wismar auch Berufsfeuerwehren.
 

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