Ivenacker Eichen : Faszinierende steinalte Baumriesen

Winzig fühlen sich Besucher unter den Ivenacker Eichen.
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Winzig fühlen sich Besucher unter den Ivenacker Eichen.

Die Entwicklung der Ivenacker Eichen wurde durch die Waldweidewirtschaft möglich. Bei Aufforstungen in 1920er Jahren starben sechs Eichen ab.

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01. Dezember 2018, 00:00 Uhr

Mecklenburg ist überaus reich an uralten, starken Bäumen. Nicht nur die stärksten Eichen Deutschlands finden sich in Mecklenburg, nämlich im Ivenacker Tiergarten, sondern auch mächtige Buchen, Linden, Kiefern, Kastanien und andere Baumarten prägen so manche Landschaft. Die meisten dieser imposanten Baumgestalten sind als Naturdenkmäler geschützt.

Das bietet freilich die Gewähr gegen direkten menschlichen Zugriff, nicht aber Schutz gegen indirekte Einwirkungen. Hierzu zählen Wasserentzug, Luftverschmutzung, saurer Regen oder einfach das Erreichen biologischer Altersgrenzen. Auf diese Weise gingen bereits einige dieser urigen Denkmäler verloren – genannt sei die „Brandbuche“. Vor der Zerstörung war sie eine der stärksten Buchen Deutschlands.

Am bekanntesten, auch über die mecklenburgischen Grenzen hinaus, sind die „Ivenacker Eichen“. Noch Mitte der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts werden von G.v.Arnswaldt für den unmittelbaren Ivenacker Tiergarten (im Park, im Wald und in der Feldmark von Ivenack stehen noch weitere starke Eichen und Buchen) elf mächtige Eichen beschrieben, darunter die stärkste mit 31 Meter Höhe und 12 Meter Umfang. Zwei dieser starken Eichen waren bereits vor 80 Jahren „Ruinen“ und offenbar eines natürlichen Alterstodes gestorben. Eine der Eichen ist wahrscheinlich 1930 einer Nutzung im Sägewerk Malchin zugeführt worden, wie Davids (1990) in seiner Chronik von Ivenack beschreibt: „Diese Eiche wurde von den Gerern und dem Begleitpersonal in das Sägewerk nach Malchin gebracht, das zur dortigen Zuckerfabrik gehörte.

Das Gewicht dieser Eiche war so groß, daß die Achsen glühten und von den Beifahrern auf der gesamten Strecke von Ivenack nach Malchin ständig mit Wasser gekühlt werden mußten.“ Die alten Bäume sind nicht etwa Übrigbleibsel von Urwäldern, sondern sie konnten sich so imposant entwickeln, weil über Jahrhunderte in dieser Landschaft die Waldweide praktiziert wurde.

Schon im vorigen Jahrtausend wurde durch intensiven Viehtrieb der Wald so stark aufgelichtet und natürliche Waldregeneration so stark verhindert, dass schließlich nur einige lichtliebende Holzarten in Zeiten eines schwächeren Viehauftriebes eine Chance hatten aufzuwachsen.

Von den Bauern der damaligen Zeit wurde offenbar die Eiche besonders geschützt und gefördert, da sie wegen der „Eichelmast“ zusätzlich wertvolles Viehfutter bot und zudem wegen der ausgeprägten Krone als Schattenspender beliebt war.

Auf diese Weise entstanden über die Jahrhunderte parkähnliche „Hudewälder“, in denen sich gedrungene Einzelbäume mit überdimensionalen Kronen und verstärktem Dickenwachstum entwickelten. Diese Exemplare hätten sich unter normalen Umständen in dem vorherrschenden Buchenwald nicht ausbilden können. Alle der gewaltigen Ivenacker Eichen sind also im Freistand zu dieser stattlichen Größe gewachsen. Als in den neunzehnhundertzwanziger Jahren im Bereich der Eichen Aufforstungen durchgeführt wurden, nahmen das die Eichen sehr übel, so dass nach und nach sechs der ältesten Eichen abstarben und heute nur noch fünf der Riesen erhalten sind.

Die Maße der heute noch lebenden stärksten Eiche werden mit 11 Meter Stammumfang (in Brusthöhe gemessen); 3,48 Meter Stammdurchmesser; 25,5 Meter Höhe und 29 Meter Kronendurchmesser angegeben.

Mit diesen Größenangaben ist sie wahrscheinlich die stärkste Eiche Mitteleuropas. Ihr Alter wird mit unglaublichen 1200 bis 1300 Jahren beziffert. Hingegen sind die anderen Eichen mit Stammumfängen von sieben bis acht Metern meist 800 bis 900 Jahre alt.

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