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Zarrentin : Fasching mit Piroschka und Primaballerina

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zarrentiner Kinder feierten 1960 in der HO-Gaststätte „Freundschaft“ großen Kinderfasching

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 00:00 Uhr

Plakate kündigen es an: 1960 findet in Zarrentin ein Kinderfasching im großen Saal der HO-Gaststätte „Freundschaft“ am Markt, statt. Gerne würde ich dahin gehen und finde dafür großes Interesse bei meiner Mutter. Sie liebt es, sich zu verkleiden. Für meine Schwester steht fest, dass sie als Balletttänzerin geht. Mit ihren fünf Jahren ist es ihr erwählter Traumberuf.

Meine Mutter beschließt, mir das Kostüm einer ungarischen „Piroschka“ zu nähen. Davon ist mein Vater besonders begeistert und er schwärmt von seinem Lieblingsfilm: „Ich denke oft an Piroschka“, der in den 50er-Jahren in den DDR-Kinos und auch in Zarrentin lief. Wenige Tage später geht es zum Einkaufen der Stoffe in ein Konsum-Geschäft in die Hauptstraße der kleinen Schaalseestadt.

Während unsere Mutter genaue Vorstellungen vom Aussehen des Ballerina-Kostüms hat – ein aufgebauschter Rock, ein Tutu –, orientiert sie sich bei der ungarischen „Piroschka“ an einem Schnittmuster aus einer westlichen Modenzeitung, die sie bei der Hausschneiderin findet. Allerdings kann sie die roten Lederstiefelchen, die dazu gehören, nicht besorgen.

Zunächst entsteht auf der alten Singer-Nähmaschine ein weit schwingender roter Rock in Tellerform. Sein Besatz sind schmale gelbe und grüne Streifen von der Faschingsseide. Für das Mieder wird ein Stück aus einem alten schwarzen Gehrock meines Großvaters verwendet. Zum Rock gibt es eine dünne weiße Spitzenbluse mit weiten Puffärmeln, die uns eine Bekannte ausborgt. Während die ungarischen Trachtenkostüme ein Stoffdiadem mit bestickten Blumenmotiven haben, wird mein Kopfputz aus gelbem Velourkarton gebastelt. Bunte lange Seidenbänder werden an seine Seiten genäht. Wir sind begeistert von den Kostümen, die unserer Mutter perfekt gelungen sind. Deshalb werden wir noch vor dem Faschingsfest fotografiert.

Als wir am Nachmittag den großen Saal der Gaststätte betreten, ist er mit Girlanden, Papierschlangen, Luftballons und bunten Papierlampions dekoriert. Auf kleinen Tischen werden Limonade, Pfannkuchen und Bonbons angeboten, dazwischen ist das Konfetti gestreut. Von der Bühne erschallt Musik, zu der sich meine Schwester in rhythmischen Schritten dreht. Besonders viel Spaß macht mir die Polonaise, in der sich Sternthaler-Mädchen, Schneemänner, Indianer und Rotkäppchen,Matrosen, Schornsteinfeger und Märchenprinzessinnen, Piraten, Marienkäfer und Fliegenpilze an die Schultern gefasst haben.

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