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Rechtsverhältnisse : Endlich Ordnung durch Gesetze

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren die Rechtsverhältnisse im Herzogtum Mecklenburg chaotisch.1516 erließ Herzog Heinrich die erste Verwaltungsordnung für Mecklenburg.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 15:48 Uhr

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren die Rechtsverhältnisse im Herzogtum Mecklenburg chaotisch. Damals gab es keine einheitlichen Vorschriften für Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Bauwesen und Handel. In vielen Städten herrschte Unmut über das Brauen von Bier durch die Edelleute und Müller außerhalb der Stadtmauern. Die städtischen Handwerker und Kaufleute sahen sich durch die Konkurrenz bedroht, die sich in den Dörfern regellos entwickelte.

Aber auch innerhalb der Städte gab es Ungemach. So ersuchten insbesondere Güstrow und Neubrandenburg eine Veränderung der restriktiven Bauvorschriften, denn jene erschwerten die Sanierung verfallener Gebäude und die Lückenbebauung innerhalb der Städte. Die Städter begehrten zudem wegen der Brandgefahr ein Verbot von Strohdächern und Scheunen innerhalb der Stadtmauern. Auch regten sie eine rigorose Beschränkung von Hochzeitsfeierlichkeiten an. Großen Unmut löste in der städtischen Bevölkerung das Aufkaufen der Wolle durch die Bewohner der Mark und Landbewohner aus. Die Stadt Parchim ersuchte beim Herzog sogar um die Erlaubnis für die Städter, ländliche Schuldner in Gewahrsam nehmen zu dürfen, sobald sie derer habhaft wurden.

Jede Stadt hatte in jener Zeit eigene Vorschriften. Doch an deren Umsetzung und Einhaltung haperte es, wie F. A. Rudloffin, der erste Geschichtsschreiber, der die Entstehung und den Inhalt der Verwaltungsordnung von 1516 untersucht hat, in seinem „Handbuch der Mecklenburgischen Geschichte“ schrieb. Auch in Bärensprung’s „Sammlung alter und neuer herzoglich-mecklenburgischer Landes-Gesetze“ von 1779 wird die Verwaltungsordnung vorgestellt. Es fehlte damals an fürstlicher Kontrolle, denn Herzog Heinrich war in allerlei kriegerische Auseinandersetzungen außerhalb Mecklenburgs verstrickt. So nahmen die Missstände überhand.

Im Jahre 1512 kam es in Krakow zu einer Tagung mit den Herzögen Heinrich von Schwerin und Albrecht von Güstrow, bei der die Städte ihre Beschwerden vortrugen. Gemeinsam mit den fürstlichen Räten und den Ständen wurde die Bitte überbracht, eine maßgebende Landesverordnung zu schaffen. Der Herzog prüfte das Anliegen mit seinem Kanzler Caspar von Schönaich und dem hochgeschätzten Rechtslehrer und Historiker Dr. Marschalck Thurius.

Ein schwerwiegendes Problem war die große Schuldenlast, unter der viele Einwohner litten. Besonderen Anlass zur Klage gab die Ritterschaft des Klützer Ortes. Jene war bei diversen Lübecker geistlichen Stiftungen hoch verschuldet. Jedoch verhallten Mahnungen, und selbst gerichtliche Klagen fruchteten nicht. So erbaten die Hauptgläubiger vom Herzog Heinrich ein Machtwort. Jener veranlasste im Juni 1511 eine Vorbesprechung in Grevesmühlen, die nach längeren Verhandlungen im Dezember 1512 in Gadebusch in einem für die Klützer Ritterschaft sehr günstigen Vergleich mündete. Herzog Heinrich nahm die Einigung zum Anlass, eine Regelung in die Verwaltungsordnung einzufügen, um der hoch verschuldeten städtischen Einwohnerschaft die gleiche Wohltat zukommen zu lassen. Allerdings mangelte es an umfassenden Schuldenverzeichnissen. Auch nach Aufforderung durch die Obrigkeit wurden sie nicht erstellt. Der Grund war einfach: Den wohlhabenden Bürgern missfiel der Einblick in ihre Vermögensverhältnisse. So verweigerten die städtischen Abgeordneten die Auskunft zum Begehren des Herzogs. Zudem traf den Herzog ein weiterer heftiger Rückschlag in seinen Bestrebungen, die finanzielle Situation im Lande zu regeln. Die Klützer Ritterschaft verweigerte die vereinbarte Zahlung aus dem Vergleich. So gab der Herzog seine Pläne alsbald auf, den Schuldenstand der städtischen Einwohner zu drosseln. Auch wurde des Herzogs Ansinnen der Einführung eines allgemeinen Landesscheffels verworfen. Jedoch konnte er eine Beschränkung der Mitgliederzahl der Handwerksämter in den Städten durchsetzen.

Eine weitere Bürgerbeschwerde war heikel: die Einmischung der geistlichen Gerichte in weltliche Belange. So brachte unter anderem die Stadt Parchim ihr Missfallen darüber zum Ausdruck und begehrte eine maßgebende Regelung. Die Herzöge Heinrich und Albrecht berieten sich mehrere Monate und erließen am 25. Januar 1513 die so genannte „Hof-Gerichtsordnung“. Jedoch verzögerte sich deren Publikation wegen der am 5. Juni 1513 zu Wismar mit großem Pomp gefeierten Hochzeit des Herzogs Heinrich mit Helene, der Tochter des Kurfürsten Philipp von der Pfalz. Zunächst galt ein generelles Verbot der Einmischung der geistlichen Gerichte in weltliche Belange. Jene wurde aber in der Verwaltungsordnung durch einige Ausnahmen nach Beratungen mit den Prälatenständen entkräftet.

Im Zuge der Verhandlungen für die neue Verwaltungsordnung befahlen die Herzöge, die lokalen Begebenheiten in den einzelnen Städten zu untersuchen, um die Ansinnen der Abgeordneten zu überprüfen. Allerdings stieß dieses Unterfangen auf erhebliche Schwierigkeiten. So wurde ein Fragebogen erstellt, die der herzogliche Sekretär Johann Monnick höchstpersönlich vor Ort ausfüllen sollte.

Jener brach im Frühjahr 1514 zu seiner Rundreise durch mecklenburgische Städte auf und legte seine Ergebnisse umfassend in einem 212 Seiten starken Werk nieder. Darin waren Ratsverfassungen der Städte und Gilden sowie die Sitten und allgemeine Vorschriften für den Alltag erfasst. Jene Erkenntnisse flossen mit hinein in die Konzeption der neuen Verwaltungsordnung, die dann einer großen Kommission zu Wismar zur Begutachtung vorgelegt wurde. Dort wurde sie am 10. Februar 1516 auch verabschiedet.

Allerdings besaß sie nicht lange formelle Gültigkeit, 1542 trat eine überarbeitete Fassung in Kraft, die wiederum 1562 einer Revision unterzogen wurde. So ist es auch zu erklären, dass die erste Verwaltungsordnung Mecklenburgs in der historischen Forschung wenig Beachtung fand. Sie wurde erst im 18. Jahrhundert neu entdeckt, als es Streit gab um das überkommene Braurecht der Ritterschaft.

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