Todesmarsch überlebt : Eines der vier Leben von Zwi Helmut Steinitz

Aufstellung einer Zusatztafel am Denkmal „Die Mutter“:  Zwi Helmut Steinitz (2.v. r.) hatte dies initiiert.
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Aufstellung einer Zusatztafel am Denkmal „Die Mutter“: Zwi Helmut Steinitz (2.v. r.) hatte dies initiiert.

Neuerscheinung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust: Todesmarsch-Überlebender berichtet aus seiner Kindheit

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22. Januar 2016, 00:00 Uhr

„Zwi Helmut Steinitz hat mindesten vier Leben gelebt.“ Das schreibt Herausgeber Erhard Roy Wiehn in seinem Begleitwort zu dem neu erschienenen Buch „Meine deutsch-jüdische Kindheit im polnischen Posen“. Denn dort wurde Helmut Steinitz zwischen den beiden Weltkriegen geboren. Doch als die deutschen Truppen 1939 in Posen einmarschierten, wurde die deutsche Familie Steinitz wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Als einziger Überlebender fühlt sich der heute in Israel lebende Zwi Helmut Steinitz moralisch verpflichtet, das Schicksal seiner Familie schriftlich festzuhalten. In diesem neuen Buch blickt er zurück auf die Jahre zwischen 1927 und 1939, auf das Leben im Kraukauer Ghetto und die Deportation der Familie in das Vernichtungslager Belzec in Südpolen am 1. Juni 1942. In Massengräbern bei Belzec wurden hunderttausende jüdischer Opfer verscharrt, vermutlich auch die Eltern, der Bruder und die Tante von Zwi Helmut Steinitz.

Eine Odyssee führte Steinitz durch mehrere Konzentrationslager. Er überlebte Auschwitz und Sachsenhausen, überstand zwei Todesmärsche. Sein Leidensweg endete am 3.  Mai 1945 in Schwerin-Mueß. Dort lief er US-Soldaten in die Arme.

Der heute in Tel Aviv lebende Steinitz hat in den vergangenen Jahren mehrfach den Ort seiner Befreiung besucht und hier die Aufstellung einer zusätzlichen Tafel am Raben Steinfelder Denkmal „Die Mutter“ initiiert. Denn dem Überlebenden fehlten auf den Bronzetafeln neben der Mutter Hinweise auf die jüdischen KZ-Opfer. 2012 wurde diese Tafel errichtet.

Mehrfach berichtete Zwi Steinitz Schülern aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg von seinen Erlebnissen während der NS-Zeit. Sein Buch ist ein weiterer Beitrag, diese Zeit nicht ins Vergessen geraten zu lassen.

Zwi Helmut Steinitz. Meine deutsch-jüdische Kindheit im polnischen Posen. Erinnerungen eines Überlebenden und ein Wiedersehen nach 70 Jahren 1927 – 1939 – 2009.

Hartung-Gorre Verlag. Konstanz. 1. Aufl. 2015. 176 S. 19,80 Euro,  ISBN 978-3-86628-548-4

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