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Adolf Friedrich zu Mecklenburg : Einen Herzog plagt das Fernweh

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Adolf Friedrich zu Mecklenburg reiste 1923 nach Niederländisch-Indien – in wirtschaftlicher Mission

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2017 | 00:00 Uhr

Er war durch Kleinasien geritten und ins Herz Afrikas vorgedrungen: Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg galt Anfang des 20. Jahrhunderts als einer der bekanntesten Forschungsreisenden des Deutschen Kaiserreichs. 1923 war der Herzog 50 Jahre alt – und immer noch nicht reisemüde. In jenem Jahr lockte ihn Asien, diesmal der äußerste Südosten, die malayische Inselwelt Insulinde, die sich zum größten Teil in holländischem Besitz befand und sich Niederländisch-Indien nannte.

Bereits seit längerem war der Herzog mit seinen Erfahrungen in Bezug auf Wirtschafts- und Handelsfragen in fernen Ländern gefragt. In Bremen und Hamburg erhoben sich Speicher mit vielen Stockwerken und warteten täglich auf Waren aus den Tropen. So genannte Kolonialwarenhändler boten Güter wie Kaffee, Tee, Gewürze und Tabak zum Verkauf an. Dies war auch ein Aspekt der Reise des Herzogs nach Indonesien, bei der Treffen mit Wirtschaftsvertretern und Plantagenbesitzern im Vordergrund standen.

Durch die Verwandtschaft Adolf Friedrichs mit dem niederländischen Königshaus – sein jüngerer Bruder Heinrich hatte 1901 die niederländische Königin Wilhelmina geheiratet – begrüßte die holländische Kolonialverwaltung den Besucher sehr freundlich. Dazu kam, dass der Herzog selbst als Vize-Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und einstiger Gouverneur der deutschen Kolonie Togo über viele Erfahrungen verfügte.

Der „Baum der Reisenden“ ist in den Tropen weit verbreitet.
Der „Baum der Reisenden“ ist in den Tropen weit verbreitet. Foto: Armin Püttger-Conradt
 

Die Reise per Schiff im Jahr 1923 dauerte bis zur Hauptstadt Batavia, dem heutigen Jakarta, etliche Wochen. Die Stadt an der Küste erwartete Adolf Friedrich in niederländischem Flair. Die Zeitungen hatten bereits lange vor seinem Eintreffen vom bevorstehenden Besuch des Herzogs berichtet, so dass die Ankunft Adolf Friedrichs zu einem großen Ereignis wurde. Vom Hafen führte eine Gracht vorbei an europäischen Häusern durch kultiviertes Sumpfland bis ins Zentrum. Feuchte Hitze beherrschte die Straßenzüge und erst als die Fahrt später ins Hochland, nach Buitenzorg, ging, wurde das Klima angenehmer. Der Blick schweifte zu den Vulkanen bis hin zum Gunung Padjerango, dessen Hänge noch mit Urwald bewachsen waren, während sich rundum weite Pflanzungen von Siedlern dehnten, die den fruchtbaren Vulkanboden urbar gemacht hatten. Die Insel war bereits bei der Ankunft der ersten Europäer hochkultiviert gewesen.

Die Schwerpunkte, die der Herzog zu Mecklenburg bei seinem Besuch setzte, lagen bei den Plantagen und den Forschungsstationen, wobei letztere der Erforschung der Tropenpflanzen dienten.

Die Tage des hohen Gastes waren lang und anstrengend und abends musste er gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen. Trotzdem blieb er tatendurstig und eroberte schnell die Herzen der Einheimischen. Zu seiner Zeit gab es bereits etwa 63 Millionen Kokospalmen, deren Ölerzeugnisse sehr gefragt waren. Schon damals wurden Ölpalmen in großen Mengen angebaut, allerdings lange nicht vergleichbar mit den heutigen Mengen, welche die weite ursprüngliche Landschaft Indonesiens zerstören. Zuckerrohr, Tabak und Fieberrinde, Kautschuk, Kakao, Coca und Sisal waren Erzeugnisse, die für den Handel nach Deutschland von hoher Wichtigkeit waren. Natürlich waren auch die niederländischen Kolonisatoren daran interessiert, ihre Handels- und Absatzmöglichkeiten mit Deutschland zu vertiefen.

Auf Bali fand der Herzog eine völlig andere Kultur vor. Längere Zeit hielt er sich auch auf Sumatra auf und durchquerte die große Insel von Deli bis Padang. Hier ging er auch auf Jagd nach Wildrindern, den Bantengs, und sogar auf Tigerjagd. Damals lebten noch zahlreiche Sumatra-Tiger, die heute beinahe ausgestorben sind.

Zehn Monate dauerte Adolf Friedrichs Reise durch Niederländisch-Indien, Erfahrungen, die ihn danach noch stark beschäftigen sollten.

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