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Recknitztal : Eine wahre Naturschönheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Recknitztal hat bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Fluss befand sich lange Zeit im Zwangskorsett

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2017 | 00:00 Uhr

Die Urstromtäler der kleinen Flüsse in Mecklenburg-Vorpommern gehören mit ihren vielen vermoorten Flächen und relativ naturnahen Wäldern zu den wertvollsten Refugien der Natur im nordöstlichen Bundesland. Neben dem Peenetal, den Tälern der Trebel, der Tollense, der Nebel und der Warnow ist es besonders auch das Recknitztal, das sich durch landschaftliche Schönheit, durch eine hohe Biodiversität und als Rückzugsgebiet für einige seltene Pflanzen- und Tierarten, wie Trollblume und Wasserschlauch, Schreiadler und Wachtelkönig, auszeichnet.

Dabei hat das Recknitztal bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Auch wenn das vermoorte Flusstal schwer zugänglich war, zeugen heute noch gut erhaltene steinzeitliche Großsteingräber und slawische Burgwälle an den Talrändern von einer frühen Besiedlung.

Schon circa 1760 wurde begonnen, die vermoorten Senken zu nutzbarem Grünland umzuwandeln. Der Höhepunkt der naturzerstörenden Melioration begann nach dem 2. Weltkrieg mit Flussbegradigungen und Abtorfungen. Bereits Ende der 1960er-Jahre hatte man große Teile des Flusslaufes begradigt und weite Wiesenflächen in Saatgrasland umgewandelt.

Emsiger Biber
Emsiger Biber Foto: Erich Hoyer

Durch Begradigungen wurde der Flusslauf von etwa 122 Kilometer auf 69 verkürzt. Dazu kam der Bau von Wehren und Schöpfwerken zur Ermöglichung einer intensiven Grünlandnutzung. Mit diesen intensiven Meliorationsmaßnahmen verschwand freilich auch der ehemals vorhandene Reichtum an Pflanzen- und Tierarten.

Erst seit dem Jahr 2000 wurde es durch ein „Life-Projekt“ möglich, Teile des Flusslaufes zu renaturieren, was sehr schnell zur Folge hatte, dass sich ein neuer Artenreichtum einstellte. Dominiert wird die Niederung von Wiesenflächen und Röhrichten, die an den Talhängen von strukturreichen Wäldern gesäumt werden. Zahlreiche Mäander, Altarme und Torfstiche beleben die Landschaft und sind wichtige Lebensräume. Der Zusammenklang von Wiesen, Wäldern und Wasserflächen macht das Gebiet so wertvoll, so dass es eines der letzten Rückzugsgebiete des Schreiadlers darstellt.

Zwischen Bad Sülze und Marlow gibt es einen im Binnenland besonderen Lebensraum, nämlich Salzwiesen. Es kommt zu einem Aufstieg salzhaltigen Grundwassers, der „Sole“, so dass sich Salz im Oberboden anreichert. Hier kommen Queller, Salz-Binse und die hübsche Strandaster vor. Die nährstoffarmen Wiesen, auf denen nun nicht mehr gedüngt werden darf, entwickeln sich zu Blumenwiesen, die im Mai bis in den Juli hinein ein buntes Bild ergeben. An feuchten Standorten blüht das Fleischfarbene Knabenkraut, eine Orchideenart. Fieberklee, Kuckucks-Lichtnelke, Schlangenknöterich und Bachnelkenwurz kommen häufig vor. Auf trockenen Standorten siedelt die Golddistel.

Der Wendehals
Der Wendehals Foto: Erich Hoyer
 

Besonders prächtige Farbtupfer im Sommer sind die Pflanzen der Gewässerränder. Blut- und Gilbweiderich, der Wasserdost, das Mädesüß und das Weidenröschen gehören dazu. Hier im Recknitztal gibt es einen der wenigen Standorte der Waldengelwurz im deutschen Nordosten. Die Echte Engelwurz und leider auch der ähnliche, eingeschleppte Riesen-Bärenklau aus dem Kaukasus kommen dagegen häufig vor. Vorsicht ist bei der Begegnung mit dem Riesen-Bärenklau geboten, denn der Saft der Pflanze ist giftig und kann bei Hautkontakt zu starken Schwellungen und Rötungen führen.

An den Röhrichtbeständen sind Begegnungen mit den hübschen Bartmeisen nicht selten und die verschiedenen Rohrsängerarten sind im Juni und Juli nicht zu überhören. An den Gewässerufern, direkt im Wasser, blühen Pfeilkraut, Igelkolben, Teichrose und Seerose. An den Gewässern tummeln sich fast 40 Libellenarten, darunter die Gebänderte Prachtlibelle und die Glänzende Smaragdlibelle. Neben den häufigeren Schmetterlingsarten sind Kaisermantel und Großer Schillerfalter hervorzuheben. Wer Glück hat, kann im Tribohmer Bach das seltene Bachneunauge im Mai am Laichplatz entdecken. Die ganze Artenpalette an heimischen Lurchen und Reptilien ist im Recknitztal anzutreffen. Bemerkenswert ist ein Vorkommen der Kreuzotter im Grenztalmoor bei Bad Sülze. Über 100 Vogelarten sind als Brutvögel im Recknitztal nachgewiesen. Auf den Schreiadler (auch Pommernadler genannt) wurde schon hingewiesen. Weitere attraktive Arten sind Schwarz- und Rotmilan, der Wespenbussard, Eisvogel und Kranich, Beutelmeise und Rohrdommel, der Wachtelkönig und der Mittelspecht. Auch der Seeadler zeigt sich hin und wieder.

Eisvogel mit Fisch
Eisvogel mit Fisch Foto: Erich Hoyer

Von den Säugetierarten sollen hier Fischotter, Elbebiber, Siebenschläfer und Abendsegler genannt werden. Der Elbebiber hat sich erst in den letzten beiden Jahrzehnten von der Peene her hier angesiedelt. Um die Naturschutz-Zukunft des Recknitztales steht es nicht schlecht. Der Naturschutzbund Deutschland hat wertvolle Flächen erwerben können, wie Tribohmer Bachtal, Feuchtwiesen und bewaldete Talränder.

Über 100 Hektar Waldfläche bleiben nun ohne forstliche Nutzung und können sich ungestört entwickeln. Eine reiche Strukturvielfalt mit hohem Totholzanteil werden sich entwickeln. Von dieser Nutzungsfreiheit profitiert natürlich besonders der Schreiadler. Das Recknitztal ist für Wanderer, Radfahrer und Paddler gut erschlossen. Einen schönen Aussichtspunkt gibt es beispielsweise am Grainberg bei Tressentin. Wasserwanderrastplätze sind in Ribnitz-Damgarten, bei Daskow, an der Brücke bei Marlow und in Bad Sülze vorhanden. Durch die geringe Strömung des Flusses ist eine gemütliche Fahrt mit schönen Naturbegegnungen sicher.

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