Rostock im 30-jährigen Krieg : Eine Stadt in unruhigen Jahren

Das Bild zeigt die Ermordung des kaiserlichen Obristen Hatzfeld durch den Rostocker Jakob Varmeier.
Das Bild zeigt die Ermordung des kaiserlichen Obristen Hatzfeld durch den Rostocker Jakob Varmeier.

Naturkatastrophen, Söldner, Wallenstein: Rostock überstand den 30-jährigen Krieg im Vergleich zu anderen trotzdem glimpflich

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01. Dezember 2018, 00:00 Uhr

Als der Dreißigjährige Krieg 1618 begann, befand sich Rostock auf dem Höhepunkt seiner späthansischen Blüte. Es dauerte noch über neun Jahre, bis der Krieg die Stadt erreichte. Indirekt machte sich der Konflikt aber schon früher bemerkbar, was Rostock nicht nur zum Nachteil gereichte. Söldnerheere verlangten Proviant, der dadurch steigende Bierexport verschaffte Brauern und Zulieferern ein gutes Auskommen. Die Universität profitierte durch vermehrte Einschreibungen von Studenten aus Kriegsgebieten.

Obwohl die Forschung nicht nur Negatives zu berichten hat, fühlten die Zeitgenossen oft anders und nahmen den Konflikt, der schnell eine europäische Ebene erreichte, als bedrohlich wahr. Gleichermaßen empfand der Rostocker Krämer Vicke Schorler, der schon 1618 in seiner Chronik Naturphänomene als Vorboten des Grauens interpretierte. Schorler schildert die Mühen der Herzöge und des Stadtrats, sich für den Kriegsfall zu rüsten. Der Rat ließ neue Kanonen gießen und musterte die Bürger, denn die Verteidigung war Bürgerpflicht. Auch den Ausbau der Mauern hatten die Einwohner finanziell und durch aktive Mitarbeit zu tragen. Zudem musste die Stadt 1624 eine Pestseuche bewältigen und hatte 1625 mit den Folgen einer Sturmflut zu kämpfen, sodass sich Schorlers Vorahnungen bestätigten. Die mecklenburgischen Herzöge versuchten zwar Neutralität zu wahren und lavierten zwischen den Konfliktparteien. Nachdem aber die Protestanten 1626 in Niedersachsen geschlagen worden waren, verfolgten die Kaiserlichen den nach Norden ziehenden Gegner und Mecklenburg wurde Arena. Im Sommer 1627 überquerte der kaiserliche General Wallenstein die Elbe und besetzte das Land. Rostock konnte sich allerdings durch die große Summe von 140 000 Reichstalern freikaufen und blieb unbesetzt.

Wallensteins Einzug änderte die Lage grundlegend. Die Neutralitätspolitik der Landesherren war gescheitert. Der Kaiser warf ihnen vor, die Protestanten unterstützt zu haben, weswegen die Herzöge 1628 abgesetzt wurden. Profiteur war Wallenstein, der das Land zur Deckung der Kriegskosten erhielt. Folgen dieser Ereignisse trafen nun auch Rostock. Die Kaiserlichen errichteten im Februar in Warnemünde eine Schanze, um den Hafen zu kontrollieren, und der Handel war beschränkt. Wallenstein, der das mächtige und unbesetzte Rostock für ein Risiko hielt, zog im Oktober vor die Tore und forderte die Aufnahme einer Garnison. Die Bürgerschaft war uneins und erwog Widerstand. Letztlich überzeugte der Rat die Bürger durch das Aufzeigen möglicher Folgen und die Stadt kapitulierte kampflos. Die Besetzung hatte kaum Nachteile, Rostock verzeichnete sogar einen Aufschwung, da Wallenstein, der die Stadt nie betreten hat, diese eher schonte als schröpfte.

Unruhiger wurde es mit der Intervention der Schweden auf Seiten der Protestanten, die 1630 auf Usedom gelandet waren. Die angespannte Situation drohte zu eskalieren, als der kaiserliche Stadtkommandant im Februar 1631 von einem Studenten erschlagen wurde und die Besatzung erwog, sich zu rächen. Nur die erfolgreiche Intervention des Rektors Quistorp verhinderte Schlimmeres.

Im Rücken der Schweden waren die mecklenburgischen Herzöge zurückgekehrt, mit denen sie ein Bündnis geschlossen hatten. Rostock war Mitte 1631 eine der letzten kaiserlichen Bastionen, vor der ab Juli erste Gefechte stattfanden. Die Belagerung, an der auch die Herzöge teilnahmen, begann im August. Um den Widerstand zu brechen, wurde die Stadt beschossen und teils zerstört. Nachdem die Kaiserlichen ihre Lage erkannt hatten, verhandelten sie mit den Schweden. Im Ergebnis wurde der Abzug gewährt und sie verließen Rostock im Oktober, das schwedisch-mecklenburgisch besetzt wurde. Der Preis, den Rostock für die Befreiung zahlte, bestand in der Einführung des Schwedenzolls, der bis ins 18. Jahrhundert erhoben wurde.

Nach der Befreiung von den Kaiserlichen veränderten die schwedische Niederlage bei Nördlingen und der Prager Friede, mit dem der Kaiser und die protestantischen Reichsstände 1635 ihren Konflikt beendeten und dem sich auch Mecklenburg anschloss, die Lage erneut. Das Reich hatte Frieden gemacht, aber die Schweden blieben in Mecklenburg und bekämpften dort den Kaiser, wobei das Land zu Lasten der Bevölkerung verheert wurde. Allein Rostock, das mittlerweile nur mecklenburgische Truppen beherbergte, bot Zuflucht und war nach dem Westfälischen Frieden von 1648, verglichen mit anderen Kommunen wie Neubrandenburg, eine Stadt, die den Krieg glimpflich überstanden hatte.
 

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