Schweriner Dom : Eine nie endende Pflicht

Im Schweriner Dom: die Sarkophage in der nördlichen Chorkapelle (um 1925)
Im Schweriner Dom: die Sarkophage in der nördlichen Chorkapelle (um 1925)

Die Messing-Sarkophage im Schweriner Dom sind ein Zeugnis fürstlicher Repräsentation auch noch im Tode

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23. Juni 2018, 13:44 Uhr

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einer Monarchie und einer Republik ist die nie versiegende Pflicht des Fürsten zur Repräsentation. Von der Wiege bis zur Bahre galt es den Untertanen ein Schauspiel zu bieten, ein Bild von Würde und Glanz zu vermitteln. Das endete nicht einmal mit dem Tod. Fürsten wurden nicht auf einem Friedhof beerdigt, wo der Grabstein nach 20 oder 30 Jahren niedergerissen und das Grab wieder neu belegt wird. Für sie gab es eine besondere Familiengruft.

1842 äußerte der mecklenburgische Großherzog Paul Friedrich auf dem Sterbebett den Wunsch, „so wie er unter seinen Schwerinern gelebt habe, so wolle er auch in der Mitte seiner Schweriner ruhen, sein Sarg solle daher frei in der heiligen Blutskapelle im hiesigen Dom beigesetzt werden“. Während Fürstengrüfte sonst oft unterirdisch und nicht öffentlich zugänglich waren, wurde hier von Anfang an Wert auf größtmögliche Sichtbarkeit gelegt.

Auch ein toter Herrscher hatte die Menschen an die Treue zu ihrem angestammten Fürstenhaus zu mahnen. Zwischen 1842 und 1922 wurden insgesamt 13 Angehörige des mecklenburgischen Fürstenhauses in der Heilig-Blut-Kapelle beigesetzt. Vor der Beerdigung wurde die Leiche in einen Zinksarg gelegt, der dann luftdicht geschlossen und verlötet wurde. Dieser sogenannte „Leibsarg“ kam dann in einen hölzernen Sarg, den sogenannten „Parade-Sarg“.

Ursprünglich blieben diese Holzsärge nach der Beerdigung einfach in der Heilig-Blut-Kapelle stehen. 1867 aber ordnete Friedrich Franz II. an, dass im Zuge der Neugestaltung des Domes nun auch seine beiden verstorbenen Ehefrauen und Kinder einen Messing-Sarkophag erhalten sollten, wie er bisher nur für Großherzog Paul Friedrich angefertigt worden war.

Hofbaurat Hermann Willebrand beauftragte den Schweriner Gelbgießermeister Günther mit der Anfertigung. Die Kosten beliefen sich auf 3030 Rtl. Vor Einweihung des restaurierten Doms am 7. November 1869 wurden die vier bisher mit rotem Samt bekleideten Holzsärge geöffnet, die unversehrten Innensärge herausgenommen und in die Messing-Sarkophage gelegt.

1870 besichtigte Theodor Fontane den Schweriner Dom und zeigte sich von der neu gestalteten Grablege außerordentlich beeindruckt: „In dieser Vertiefung, in die man durch das Gitter hineinblickt, stehen die vergoldeten, kranzbedeckten Särge der jüngstverstorbenen Mitglieder der großherzoglichen Familie. ... Das ganze macht einen eigentümlichen, schönen Eindruck. Es drückt eine Zusammengehörigkeit mit Gemeinde und Volk aus, nichts ängstlich abgeschlossenes, nichts Exklusives, die Teilnahme, die Liebe, der Respekt jedes Einzelnen ist vorausgesetzt“.

Seit 1869 galt, dass „nach allerhöchster Bestimmung die in der heiligen Bluts-Capelle beigesetzten Mitglieder des Großherzoglichen Hauses nach Verlauf eines Jahres seit dem Hinscheiden aus dem hölzernen Sarcophag in einen messingnen umgebettet werden sollen“. Bis 1893 wurden insgesamt neun dieser Messing-Sarkophage sämtlich durch die Werkstatt des Schweriner Gürtlermeisters Günther angefertigt. Alle folgten einem einheitlichen Gestaltungsrahmen.

Den Deckel schmückte ein erhabenes Kreuz. Name, Geburts- und Sterbetag standen auf dem Rand des Deckels. Die Vorderseite zeigte das mecklenburgische Wappen, bei den verheirateten Frauen Auguste, Anna und Alexandrine das Allianzwappen. Am Fußende stand ein Bibelspruch.

Nicht allen gefiel freilich diese Form der Bestattung. Schon 1890 schrieb Großherzog Friedrich Franz III. an Baurat Daniel: „Ich will nicht im Dom zu Schwerin beigesetzt werden, da das offene Dastehen in einer öffentlichen Kirche, das Besehenwerden als Curiosum, das gelegentliche und öftere Beiseitegeschobenwerden bei Bauten und anderen Beisetzungen nicht das ist, was ich mir unter friedlicher, ungestörter Grabesruhe vorstelle“. Er entschied sich stattdessen für das Helenen-Mausoleum in Ludwigslust als Ort seiner Beisetzung.

1908 entschloss sich der junge Großherzog Friedrich Franz IV., die Zinksärge aus den Sarkophagen herausnehmen und in der direkt darunter liegenden unteren Gruft beisetzen zu lassen. In der Familie stieß dieser Plan auf viel Zustimmung. Großfürstin Marie Paulowna schrieb an ihren Bruder Johann Albrecht: „Die Versänkung der Särge im Dom ist eine gute Sache, auch kommt so unser Mamas Wunsch, in der Erde zu liegen nun endlich in Erfüllung“.

Am 10. Juli 1908 erfolgte in Anwesenheit der großherzoglichen Familie und des Hofstaats die feierliche „Versenkung der bisher oberirdisch stehenden Leichen der Mitglieder unseres hohen Fürstenhauses in der heiligen Blutskapelle“. Die leeren Messing-Sarkophage blieben stehen, wo sie waren. Sie fungierten nun als eine Art Grabstein.

Im November 1974 wurden dann sieben Sarkophage in die untere Gruft hinuntergebracht. In der Heilig-Blut-Kapelle verblieben nur die Sarkophage der beiden regierenden Großherzöge Paul Friedrich und Friedrich Franz II., sowie die drei Steinsarkophage von Großherzogin Marie, Herzogin Alexandrine und Herzog Friedrich Wilhelm. Im Juni 2018 entschloss sich die Domgemeinde, die Messing-Sarkophage aus der unteren Gruft zu holen und diese wieder auf ihren alten Plätzen im Chor des Domes aufzustellen.

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