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Zur Person: Heinrich Alexander Seidel : Eine moralische Größe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heinrich Alexander Seidel war Pastor der Schweriner Schelfkirche – und nebenbei als Schriftsteller erfolgreich

Er war Pastor und Schriftsteller und ein engagierter Bürger zum Wohle Schwerins: Heinrich Alexander Seidel wurde am 2. Februar 1811 in Goldberg als Sohn eines praktischen Arztes geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Schwerin studierte er ab 1830 Theologie in Rostock und danach in Berlin. Am 17. November 1839 wurde er Pastor in Perlin bei Wittenburg.

Seidel war neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit literarisch erfolgreich. Das zeigt sich unter anderem in der Gedichtsammlung „Kreuz und Harfe“ (1839) und in dem kulturhistorisch bedeutsamen Buch „Balthasar Scharfenberg. Ein mecklenburgisches Dorf vor 200 Jahren“ (1851). Hier schilderte er realistisch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und das Leben in Perlin. Für die Schaffung einer Volksbibliothek setzte er sich vehement und mit Erfolg ein.

Das literarische Talent Heinrich Alexander Seidels übertrug sich auf seinen ältesten Sohn Heinrich, der am 25. Juni 1842 in Perlin geboren wurde und Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender deutscher Schriftsteller war.

Pastor Seidels geradlinige und konservative Art führte dazu, dass ihn Großherzog Friedrich Franz II. am 25. November 1851 zum Ersten Prediger an der Nikolai-Kirche in Schwerin bestimmte. Der Großherzog hatte gute Gründe für diese Entscheidung. In Mecklenburg zeigten sich die Folgen der 48er-Revolution. Bis in Kirchenkreise hinein befasste man sich mit Politik. Da kam ein Konservativer gerade recht. Seidel war als Pastor Primarius gleichzeitig Garnisonsprediger in Schwerin, denn die Kirche Sankt Nikolai war seit 1754 die Garnisonskirche für die in der Stadt stationierten Soldaten.

Seine Antrittspredigt hielt Seidel zu Neujahr 1852. Am 22. Januar ließ er notwendiges Mobiliar nach Schwerin bringen. Die Familie folgte wenige Wochen später. Zu Ostern war der Umzug abgeschlossen, die dem Pastor zustehende Dienstwohnung gegenüber der Kirche in der heutigen Puschkinstraße war bezogen. Am Haus befindet sich noch heute eine Gedenktafel, die seinem Sohn Heinrich gewidmet ist.

Jahre später erinnerte sich Heinrich Seidel an diese Zeit, aber auch an den ständig über den Schreibtisch gebeugten Vater, der sich zu seinen reichlichen Amtsgeschäften noch „alles mögliche auflud“. Die Pflichten als Pastor Primarius in der Schelfgemeinde waren ohnehin nicht gering. Zusätzliche Arbeit leistete er in vielen Funktionen und als Mitglied von Vereinen. Als Pastor war er auch zuständig für die „Irren-Heilanstalt“ auf dem Sachsenberg. 1852 wurde er in eine Kommission zur Überarbeitung des Mecklenburgisch-Schwerinschen Kirchengesangbuchs berufen. Dieses sollte reformiert und gestrafft werden. In seiner „historisch-kritischen Abhandlung“ beklagte er sich darüber, dass die Arbeit der Kommission immer wieder ins Stocken geriet. Für den Katechismusunterricht an der Schule und den Konfirmationsunterricht gab er mit seinem „Spruchbuch zum Mecklenburg-Schwerinschen Landes-Katechismus“ Hilfe für Lehrer und Lernende.

Einige seiner Predigten erschienen gedruckt und sind in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern nachzulesen, darunter die Rede anlässlich der Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Monumentenberg (heute Großer Dreesch) am 4. Juni 1853. Seine Predigten fanden Gehör und sollten auch außerhalb Schwerins in „allerhöchstem Auftrage“ gehalten werden.
Die Initiative zur Schaffung eines Vereins zur Gründung und Verwaltung einer Bibliothek für die evangelisch-lutherischen Gemeinden Schwerins ging von ihm aus, dieser wurde zum Andenken an ihn später Seidelscher Verein genannt. Umfangreiche Arbeit forderte auch das „Mecklenburgische(s) Militair-Gesangbuch, im allerhöchsten Auftrage redigiert und mit einem Gebets-Anhange versehen“.

In seiner Schrift „Der Soldat nach dem Herzen Gottes“ begründete Seidel 1859 den Auftrag des Soldaten und legte die Anforderungen an Treue und Pflichterfüllung dar. Seine Mahnung: „Der Soldat ist nicht um des Krieges, sondern um des Friedens willen da; er soll nicht nur den gestörten Frieden wieder erkämpfen, sondern auch die Störung des Friedens verhindern“ ist heute noch aktuell.

Mit Missständen und Unmoral setzte er sich konsequent auseinander, wie bereits in Perlin 1842 in seiner Predigt über „Das Saufen, im Lichte des Evangeliums betrachtet“. Auch hatte er mit dem mangelnden Besuch seiner Gottesdienste durch die Soldaten zu hadern.

Jahrelang quälte sich Seidel mit seinem Lungenleiden, konnte den Dienst erst kaum, dann oft gar nicht mehr ausführen. Kurz vor Vollendung seines 50. Lebensjahres verstarb er an Schwindsucht, wie es damals hieß, am 30. Januar 1861 in Schwerin. Sein Grab befindet sich auf dem alten Schelffriedhof, heute ein Park an der Werderstraße in Schwerin. Die Grabplatte aus Sandstein ließ die Schweriner Stadtverwaltung zusammen mit der Gedenktafel am Wohnhaus der Seidels in der Puschkinstraße anlässlich des 100. Geburtstages seines Sohnes Heinrich im Jahr 1942 anfertigen.

Hans-Joachim Falk

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