“Ossenkopp“ : Eine Karriere als Wappentier

Der Ochse steht für Kraft, Stärke und die sprichwörtliche Dickköpfigkeit der Mecklenburger.
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Der Ochse steht für Kraft, Stärke und die sprichwörtliche Dickköpfigkeit der Mecklenburger.

Fürst Nikolaus II. machte während seiner Herrschaft den Ossenkopp zum mecklenburgischen Aushängeschild

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03. November 2017, 12:00 Uhr

Der plattdeutsche Begriff „Ossenkopp“ stand einst umgangssprachlich für das mecklenburgische Wappentier. Dieses geht auf Fürst Nikolaus II. zurück, der es erstmalig im Jahr 1219 in seinem Siegel zeigte. Wappen entwickelten sich mit dem Aufkommen der Topfhelme im 12. Jahrhundert, als Ritter nicht nur ihre Körper, sondern auch die Gesichter hinter Eisen zu schützen begannen. Um verborgen dennoch erkennbar zu bleiben, entwickelten sich oftmals unter Bezugnahme auf Namen und Herkunft bildliche Darstellungen auf Schildform – die Geburtsstunde der Wappen.

Die Frage ist nun: Ist das mecklenburgische Wappentier nun ein Ochse, ein Büffel, ein Stier oder der artverwandte regionaltypische Wisent? Darüber streiten Gelehrte und Heraldiker gleichermaßen. „De Oss“ steht jedenfalls für Kraft, Stärke und die sprichwörtliche Dickköpfigkeit der Mecklenburger. Als Begriff taucht der Ossenkopp wohl erstmalig im Zusammenhang mit einer Siegelbeschreibung im Jahr 1410 auf. Im 13. Jahrhundert entwickelten sich die wesentlichen Elemente der Wappenfigur, wie sie heute noch Verwendung finden. Ab dem 15. Jahrhundert teilt sich das Mecklenburger Wappen nach seinen mittlerweile hinzugekommenen Herrschaftsbereichen in fünf, ab dem 17. Jahrhundert in sieben Felder.

Wappen und Hoheitszeichen eines Landes markierten auch immer Herrschaftsbereiche und Grenzen. Anfangs waren die meistens wappengeschmückten „Grenzschilder“ aus Holz, erst später aus Metall. Dass solche Grenzzeichen sinnvoll waren, belegt ein Grenzstreit aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zwischen Mecklenburg und Brandenburg um den Priemer Berg bei Polz. Der Zwist löste sich erst, nachdem Erinnerungen und glaubwürdige Aussagen der ortsansässigen Bauern dokumentiert worden waren. Etwa 150 Jahre später ist dann auf einer Karte aus dem Jahr 1686 ein kurioser Eintrag zu den wohl ersten hölzernen Grenzmarkierungen vermerkt, die den genauen Grenzverlauf an der Elbe zwischen Mecklenburg und Lauenburg darstellten. Dass die mecklenburgischen Fürsten hinsichtlich fremder Hoheitszeichen auf ihrem Territorium fortan empfindlich reagierten, belegt ihre Reaktion auf ein Ansinnen des Königs von Preußen aus dem Jahr 1712, der an seinen an der Berlin-Hamburger Poststrecke in Lübtheen und Boizenburg errichteten königlichen Posthäusern den preußischen Adler anzubringen beabsichtigte. Die jeweilige Antwort des Herzogs an seine Postmeister war unmissverständlich: „… als befehlen wir Dir hiemit gnädigst und vestlich, daß du die affigirung (das Anhängen, R.R.) des Königl.-Preußischen Postwapens an erwehnten örtern keines weges zulaßen sollest.“ Besonders wichtig war die mecklenburgische Grenzmarkierung in dem einzigen jenseits der Elbe und somit fast exterritorial gelegenen Örtchen Kaltenhof. Als sich das dortige Wappen 1788 in seine Einzelteile zu zerlegen begann, wurde angeordnet, das am Pachthaus Kaltenhof angebrachte mecklenburgische Wappenschild zu erneuern. Das oberhalb der Eingangstür abgefallene hölzerne Schild wurde vom Kleinschmied Finzelberg aus Dömitz durch ein entsprechendes Kupferschild ersetzt. Während kriegerischer Handlungen zwischen napoleonischen Truppen und Freischärlern 1809 wurde dieses Wappen von fremden Truppen vernichtet.

Erst nach der Befreiung Mecklenburgs von der napoleonischen Fremdherrschaft wird 1814 verfügt, neu zu stellende Koppel- und Deichpfähle mit dem Mecklenburgischen Wappen bzw. mit „Unserem Namens-Zug“ zu versehen. Man besetzte die Deiche weiterhin mit 92 Pfählen, denen der Großherzoglich-Mecklenburgische Namenszug eingebrannt war.

Der Ossenkopp schmückte gleichwohl nicht nur die Landesgrenzen, sondern auch Gebäude in ganz Mecklenburg. Städte und Regionen übernahmen dieses wehrhafte Rind ebenfalls in ihre Wappen und Siegel. Ab der Gründerzeit mühten sich ebenso Firmen um die Verwendung des mecklenburgischen Stiers. Auch die Papierfabrik Schoeller und Bausch aus Neu Kaliß versuchte unliebsame Konkurrenten innerhalb Mecklenburgs auszuschalten. Mit einem Ende 1879 an den Großherzog persönlich gerichteten Schreiben erbaten sie unter Hinweis auf die minderwertigen Qualitäten ein großherzogliches Privileg zum Führen des mecklenburgischen Wappens als Wasserzeichen und Firmenlogo und erlangten vom Herzog tatsächlich die entsprechende Monopolstellung für Mecklenburg.

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