Literaten aus MV : Eine Fundgrube aus dem Jahr 1919

Dr. Carl Schröder Repro: Gerds
Dr. Carl Schröder Repro: Gerds

Buch von Dr. Carl Schröder gibt umfassenden Überblick des literarischen Schaffens von 2000 Frauen und Männern in Mecklenburg

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10. Juni 2016, 00:00 Uhr

Einen umfassenden, frühen und allgemeinen Überblick über „Mecklenburg und die Mecklenburger in der schönen Literatur“ vom Mittelalter bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts vermittelt das gleichnamige Werk, das 1919 erschien. Dessen Autor Dr. Carl Schröder starb vor 100 Jahren am 28. Juli 1916.

Das 500 Seiten starke Buch mit rund 2000 Namen von Autoren der unterschiedlichsten Genres bietet ein wirklich einmaliges Gesamtbild des literarischen Schaffens von Frauen und Männern im Lande Mecklenburg. Der erste bedeutende Literat war nach Schröder der fahrende Dichter und Sänger Heinrich von Meißen (um 1250 bis 1318), besser bekannt unter dem Namen Frauenlob, der einen überschwänglichen Lobspruch für Herzog Heinrich I. von Mecklenburg verfasste und weiter durch Sprüche, Lieder und Streitgedichte bekannt wurde. Er weilte 1311 auf dem berühmten Ritterfest in Rostock. Das Buch schlägt den Bogen über Jahrhunderte der Literaturgeschichte und endet mit einem kleinen wehmütigen Ausblick auf die Zukunft des Plattdeutschen. Schröder zitiert Fritz Reuter, der einst sagte: „Aber wenn’s denn, so soll sie (die plattdeutsche Sprache) mit vollem Gesang und unter Glockenklang zur Gruft bestattet werden, und die nachfolgenden Geschlechter mögen dereinst an ihrem Grabhügel beten.“

Carl Gustav Theodor Schröder wurde am 15. September 1840 in Waren geboren, wo sein Vater als Pastor und Lehrer tätig war. Nach dem Abitur am Schweriner Gymnasium studierte Carl Schröder in Jena, München und promovierte 1864 in Rostock über höfische Dorfpoesie des Mittelalters. Ein Jahr darauf berief ihn Großherzog Friedrich Franz II. zum Lehrer und Reisebegleiter seines Sohnes nach Südeuropa – bis 1866. In der Zeit bis 1888 arbeitete Schröder zuerst in der Akademie der Wissenschaften in München, beschäftigte sich u.a. mit der Bearbeitung von Städtechroniken und gab zudem zwei Sammlungen niederdeutscher Sprichwörter heraus, wechselte dann nach Leipzig und wurde 1885 nach Schwerin berufen als Leiter der Großherzoglichen Bibliothek. 1874/75 begleitete Schröder erneut den Erbgroßherzog Friedrich Franz III. auf einer neunmonatigen Reise in das Morgenland und verfasste später eine entsprechende Publikation über seinen Landesherrn.

Mit großem Engagement begann Carl Schröder in Schwerin den Aufbau der Bibliothek, deren Anfänge in das Jahr 1779 zurückreichen, nach wissenschaftlichen Grundsätzen. Die Bücherei wuchs in den nächsten Jahren zu einer vielseitigen Sammlung der Literatur und zu einer Pflegestätte der Wissenschaft heran.

In den Gelehrtenkreisen Mecklenburgs nahm der feinfühlige, überaus vielseitig gelehrte und interessierte Mann eine hervorragende Stellung ein. Die Universität Rostock verlieh 1914 an Carl Schröder die Ehrendoktorwürde anlässlich der 50. Wiederkehr seiner Promotion.

Peter Gerds

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