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Bahnhaltepunkt : Ein Weihnachtsgeschenk an die Techentiner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Dezember 1913 ging am Bahnhaltepunkt von Techentin endlich ein Licht auf

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 00:00 Uhr

Am 20. Mai 1890 wurde die Bahnstrecke von Ludwigslust nach Dömitz in Betrieb genommen. Wenige Tage später verkehrten täglich drei Züge von Ludwigslust nach Dömitz und zurück. Erst 1892 erhielt auch der Ort Techentin (bei Ludwigslust gelegen) einen Haltepunkt der Bahn.

In der Presse wurden Hinweise zum Verhalten der Mitreisenden ausführlich erläutert und die Benutzer der Fahrstrecke atmeten auf, als die Zeitung berichtete: „Die auf der Strecke Ludwigslust-Dömitz verkehrenden fahrplanmäßigen Züge werden an dem Haltepunkt Techentin nach Bedarf anhalten.

Gepäck wird von Techentin nicht abgefertigt. Der Haltepunkt Techentin ist durch eine aufgestellte Tafel mit entsprechender Anschrift bezeichnet. Die Fahrkartenausgabe in Techentin ist dem Ortsvorsteher, Schulzen (Bürgermeister) Schepler, übertragen worden. Da die Züge an dem Haltepunkt Techentin nur halten, wenn dort Personen aussteigen oder mitfahren wollen, so hat das Zugpersonal bei Abfahrt der Züge von Alt-Karstädt bzw. Ludwigslust darauf zu achten, ob sich Reisende mit Fahrkarten nach Techentin im Zuge befinden.

Die Schaffner haben in solchem Falle dem Zugführer bei Abgabe der Fahrkarten entsprechende Meldung zu machen und dieser gibt dem Lokomotivführer die Weisung zum Anhalten des Zuges in Techentin. Wird durch das Aussteigen von Reisenden ein Anhalten in Techentin nicht bedingt, dann hat der Lokomotivführer darauf zu achten, ob sich Reisende zur Mitfahrt in der Nähe der Stationstafel befinden und wenn dies der Fall ist, den Zug zum Halten zu bringen.“

Einundzwanzig Jahre mussten die Benutzer der Bahn am Haltepunkt Techentin auch bei völliger Dunkelheit und schlechter Witterung auf die Züge warten, denn Unterstellmöglichkeiten waren dort nicht vorhanden. Vor Weihnachten 1913 war dann zur Freude aller Reisenden im Ludwigsluster Tageblatt zu lesen: „Techentin: Auf dem Haltepunkt Hierselbst war bis zum Herbst dieses Jahres keine Laterne. Die Reisenden, welche mit den Zügen während der Dunkelheit fahren wollten, mussten sich durch eine Laterne oder durch lautes Rufen bemerkbar machen. Dabei ist es öfter vorgekommen, dass der Wind die Handlaterne ausgeblasen hat und der Zug trotz lautem Rufen vorbeigefahren ist. Die Reisenden mussten dann ihren Weg zu Fuß antreten. Die vor einiger Zeit seitens der Bahnverwaltung angebrachte Laterne hat dem besagten Übelstand abgeholfen.“ Da ein Stromnetz in Ludwigslust und Techentin erst im Jahre 1924 errichtet wurde, erhellte zunächst eine Gaslaterne den Haltepunkt von Techentin. Die Installation einer Laterne am Haltepunkt war im Dezember 1913 für viele Techentiner Einwohner das größte Weihnachtsgeschenk, das ihnen gemacht werden konnte.

Heute rollen die Züge schon lange nicht mehr über das Gleis in Richtung Dömitz. Der Personenverkehr wurde am 27. Mai 2000 eingestellt. So wie es auch anderen kleinen Bahnnebenstrecken erging und ergeht, wurde am 11. April 2001 die Strecke Ludwigslust-Dömitz stillgelegt. Die elektrische Laterne, welche die alte Gaslaterne in der Zwischenzeit abgelöst hatte, sowie die Tafel, die auf den Techentiner Haltepunkt hinwies, sind verschwunden. Ebenso die Gleise mit Schotteranlage und die Halbschrankenanlage. Zurück bleiben nur die Erinnerungen.

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