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Die Schweriner Schauburg : Ein Stück Kinogeschichte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vom Wachsen und Sterben eines ganz besonderen Kulturdenkmals

Vor 20 Jahren, am 15. Oktober, wurde im legendären Schweriner Kino „Schauburg“ der letzte Film abgespult und das langsame Sterben eines Denkmals begann. Denn was in Schwerins Flaniermeile der Mecklenburgstraße zerfällt, ist nicht irgendeine olle Klamotte, sondern einer der ersten Kinozweckbauten Mecklenburgs. Da ist Mecklenburg mal nicht, wie fälschlicher Weise im Allgemeinen angenommen, 50 Jahre zurück, sondern ganz weit vorne.

Historisch betrachtet gibt es öffentliche Kinovorführungen seit 1895 und ab 1909 entstehen allerorten Kinotheater. In Schwerin versuchte der Parchimer Kinematographenbesitzer Theodor Vick sein Glück und eröffnete am 12. Oktober 1912 den „Lichtkunst-Palast“. Unternehmerisch wurde der Palast zum Ballast und nach zwei Zwischenverkäufen krallte sich 1919 der Schweriner Kinokaiser Dürkop das Objekt, um nun endgültig das Monopol zu besitzen.

Die Dürkop-Dynastie beauftragte den unter anderem durch ein architektonisches Kleinod, das Zigarrengeschäft Otto Preußler, bekanntgewordenen Architekten Bentrup mit einem Komplettumbau. Die nunmehrige Schauburg war durch ihre markante, sich am Expressionismus orientierende Fassade jedem Schweriner vor Augen. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches war es auch mit der Dürkopdynastie vorbei. Bis 1948 treuhänderisch verwaltet, werden die Schweriner Kinos nun Volkseigentum und vom Monopol des VEB Kreislichtspielbetriebs übernommen. Nach kleineren Renovierungen und Umbauten zeichnete 1958 der Architekt Hermann Struve für das neue Erscheinungsbild verantwortlich, wobei das gewellte Vordach sicherlich das markanteste Bauelement war. Doch auch das Foyer und der Zuschauerraum waren nun auf modern getrimmt. Architektonisch ausgedrückt wurde mit künstlerischen Mitteln versucht, das Kino als Ort der Unterhaltung und Lebensfreude zu definieren. 1983 dann eine weitere Renovierung mit der typischen Stoffbespannung im Zuschauerraum und einer Holzpaneel im Foyer. Nach der Wende bemühte sich die Berliner „Fuchs Filmtheater Betriebsgesellschaft“, das Kino rentabel zu gestalten.

Doch gegen die gigantischen Mega-Movies hatte das abgehalfterte Kino keine Chance. Nun kam der Verfall. Nur kurzzeitig konnte man hier noch auf Schnäppchenjagd gehen. Die Förderinitiative „Schauburg“ kämpft mit Petitionen an den Landtag gegen den Verfall, doch 2007 musste aus Sicherheitsgründen das gewellte Vordach abgerissen werden.

Die Fassade ist aufgrund von Notsicherungsmaßnahmen nicht mehr zu sehen. Nach neuestem Stand entsteht hier wohl kein drittes Einkaufscenter, wie zeitweise geplant. Seit 2010 steht das Kino auf der Denkmalliste der Stadt und es ist kein denkmalpflegerisches Konzept in Sicht.
 

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