Salzmuseum in Bad Sülze : Ein Museum mit Geschmack

Wannen für Moorbäder Fotos: Grossert
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Wannen für Moorbäder Fotos: Grossert

Das Salzmuseum in Bad Sülze hat im Oktober 60 Jahre auf dem Buckel . Eine Urkunde aus dem Jahr 1243 zeugt erstmals von einer Saline.

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11. Dezember 2013, 19:08 Uhr

„Es ist ein seltsames Gefühl, durch die Museumsräume zu gehen“, sagt Dr. Martin Wulfert, während er nachdenklich durch die Ausstellung schreitet. „Es ist, wie nach Hause kommen.“ Zehn Jahre lenkte er als Vereinsvorsitzender die Geschicke des Salzmuseums. Mittlerweile ist der 77-Jährige im Ruhestand.

Das ehemalige Salzamt, in dem sich die Sammlung befindet, liegt sehr idyllisch in der Flußniederung der Recknitz, gegenüber dem Kurpark. In der Zeit, als Martin Wulfert hier arbeitete, entstanden auf dem Gelände des Museums Scheune, Siedehaus, Schmiede und Remise. Als Material dienten historische Baustoffe aus Abrissgebäuden.

Im Oktober 2013 wird das Salzmuseum 60 Jahre alt. Wulfert ist einer von vielen engagierten Bürgern, die sich für das Museum einsetzten. Doch der Reihe nach. „Schuld” ist die Sammelleidenschaft des Chefarztes des ehemaligen Rheuma-Sanatoriums von Bad Sülze. Dr. Kurt Fuchs hortete in den Nachkriegsjahren in seinem „Fuchsbau“, wie die Bad Sülzer die Sanatoriumsgebäude scherzhaft nannten, ausrangierte Utensilien der Salzgewinnung und des Kurbetriebes. Dazu trugen der Arzt und seine Mitarbeiter Fotos und Dokumente zusammen. Eine Urkunde vom 12. September 1243 zeugt erstmals von einer Saline am Ort. Salzwasser, Sole genannt, wurde aus einem Brunnen gepumpt und in Pfannen stundenlang gesiedet bis sich Salzkristalle absetzten. Zum Heizen nutzte man den vorhandenen Torf. Ende des 17. Jahrhunderts hielt eine neue Technologie in der Salzgewinnung Einzug. Es entstanden bis zu zwölf Meter hohe Gradierwerke. In einem Gradierwerk tropft salzhaltiges Wasser über aufgeschichtetes Dornenreisig, wobei ein Teil des Wassers verdunstet. Der Salzgehalt des Wassers kann so von fünf auf bis zu zwanzig Prozent erhöht werden. Das Modell eines Gradierwerkes ist auf dem Gelände des Salzmuseums zu besichtigen. Das letzte Gradierwerk, der Friedrichsbau, das von Kurenden zur Inhalation salziger Luft genutzt wurde, zerstörte 1944 ein Blitzeinschlag. Übrig blieben einige Pfahlstümpfe im Kurpark.

In Bad Sülze vergingen 39 Jahre, ehe die mit dem Beitritt Mecklenburgs zum Zollverein 1868 unrentabel gewordene Saline geschlossen wurde. Rückständigkeit oder Sicherung von Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Gegend? Ein neuer Wirtschaftszweig entwickelte sich parallel zur Saline bereits im 19. Jahrhundert. Der findige Rostocker Professor Samuel Gottlieb Vogel, Leibarzt von Großherzog Friedrich Franz I., unterbreitete dem Großherzog den Vorschlag, ein Rheumaheilbad in Bad Sülze zu gründen. 1824 zogen die ersten Patienten in das damals neu gebaute, heute leider leerstehende Kurhaus ein. Die Sole zeigte bei den Kurgästen eine hervorragende Heilwirkung. Der Kurbetrieb florierte und wurde ständig erweitert. Seit 1901 saßen Patienten in Holzbadewannen mit heilender Moor-Erde. Zwei hölzerne Wannen stehen noch heute im Museum und fallen dem Besucher sofort ins Auge.

Im Laufe der Zeit war die Sammlung von Dr. Fuchs so gewachsen, dass sie eigene Räume benötigte. 1953 eröffnete er in drei Zimmern des Klinkergebäudes der Kinderheilstätte „Bethesda“ das Salzmuseum. Später zog das Museum in das frühere Amtshaus der Großherzoglichen Saline, dem „Alten Salzamt“, um. In der Wendezeit schloss das Museum. Die niederschmetternde Diagnose lautete: Der Fachwerkbau aus dem Jahre 1759 ist baufällig. Rettung brachte die Altstadtsanierung. Ab 1993 wurde das Gebäude fünf Jahre lang aufwendig restauriert und das Inventar in einer Turnhalle ausgestellt. 1998 brachten fleißige Helfer die historische Sammlung zurück in das „Alte Salzamt“. Die Zukunft des einzigartigen Salzmuseums schien gesichert. Doch schon 1998 reichte der kommunale Haushalt nicht mehr für freiwillige Leistungen wie die Finanzierung des Museums. Engagierte Bürger gründeten einen Verein zur Rettung des Kleinods, der die Trägerschaft übernahm.

Das Museum erzählt nicht nur sehr anschaulich die Geschichte der Salzgewinnung und des Kurwesens, sondern zeigt auch Exponate zum Handwerk sowie Küchen- und Waschgeräte. Zur Erinnerung an die Tradition der Salzgewinnung veranstaltet der Kultur- und Heimatverein Bad Sülze alljährlich ein Salzfest.

Vor zwei Jahren legte der Vereinsvorsitzende Dr. Wulfert die Geschicke des Museums in jüngere Hände. Die Leitung des Museums übernahmen Sigrid Külper und Karola Lück. Sigrid Külper kommt übrigens aus dem nahen Dorf Langenhagen, das seine Entstehung der Sülzer Sole zu verdanken hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Salzmuseum zu Bad Sülze
Saline 9, 18334 Bad Sülze
Telefon: 038 229 806 80
E-Mail:salzmuseum@t-online.de
http://www.salzmuseum-badsuelze.de

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