August Lau zum heutigen 150. Geburtstag : Ein Mann macht Furore

Das „Strandschlösschen“, wie es die Schweriner nannten, war ein beliebtes Ausflugsziel.  Repro: Stadtarchiv Schwerin
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Das „Strandschlösschen“, wie es die Schweriner nannten, war ein beliebtes Ausflugsziel. Repro: Stadtarchiv Schwerin

Der Musiker, Bauherr und Schankwirt hinterließ den Schwerinern den Strandpavillon

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27. November 2015, 00:34 Uhr

Heute jährt sich zum 150. Male der Geburtstag eines Mannes, der viel zur Lebensart im Schwerin des beginnenden 20. Jahrhunderts beitrug: August Lau. Er war Musiklehrer und Komponist, Dirigent und Gaststättenbesitzer. Ihm verdanken die Schweriner den Zippendorfer Pavillon und das Waldbad sowie die Idee der Freitreppe am Pfaffenteich.

Mit vollem Namen hieß unser „Wunderkind“ August Karl Christian Lau und wurde am 27. November 1865 in Parchim geboren. Am 2. April 1889 heiratete August Lau in Klütz seine große Liebe Lina, geborene Harms. Sie hielt in guten wie auch in schlechten Tagen zu August, und von letzteren hatte diese Ehe eine Menge.

Als August Lau 1889 nach Schwerin kam, mühte er sich, als privater Musiklehrer über die Runden zu kommen. Er gründete ein Kinderorchester, mehrere Musikquartetts, ein Tanzorchester und spielte nicht nur zum Tanz auf, sondern gab auch eigene Stücke zum Besten. August Lau schrieb und komponierte Lieder, Tänze und Märsche. Das Erscheinungsbild des Künstlers fiel durch seine prächtige lockige Mähne und seinen großen gezwirbelten Bart auf. Doch Lau war auch Geschäftsmann, und als solcher trug er immer eine Melone auf dem Kopf.

1903 lässt August Lau sich als Rentner in das Schweriner Adressbuch eintragen. 1904 übernimmt er am Marienplatz die Marienhalle, welche er sofort in Konzerthaus Flora umtauft. Später entstehen hier die Stadthallen. Nach 1945 wird das Haus von der sowjetischen Armee in „Haus der Offiziere“ umbenannt und 1997 dann zum Bau des Schlossparkcenters abgerissen. Bis auf die Fassade und eine Treppe ist nicht viel vom Glanz dieser ersten Schweriner Adresse erhalten.

August Lau ist in aller Munde. Er schafft es die Leute zu verblüffen und zu überraschen. Doch irgend etwas geht schief. 1906 kauft Vorbesitzer Johannes Dürkop sein Haus zurück, und Lau ist verschwunden. Ende 1907 taucht er wieder auf. Er betreibt jetzt das Restaurant Paulshöhe. Doch es sollte nur für nicht mal zwei Jahre sein. August verschwindet wieder aus den Adressbüchern und aus den Akten. 1911 finden wir ihn als Musiklehrer in der Landreiterstraße 30. Er macht wieder das, was er am besten versteht, und sammelt neue Kräfte für den nächsten Schlag.

Im aufstrebenden „Bade- und Kurort Zippendorf“ lenkt August seine Augen auf Strand und See. Ein Pavillon soll her. Lau spricht mit güldenen Zungen, so lange, bis nicht nur die Zippendorfer, sondern auch seine Geldgeber von seiner Pavillonidee überzeugt sind. Mit geliehenem Geld kauft er sich 1920 das Grundstück „Am Strand 15“ in Zippendorf. 1921/1922 wird dann aus der Idee Wirklichkeit.

Der Pavillon ist für Kaffee und Kuchen mit Musikumrahmung gedacht. Für Letzteres kommt nur der Maestro selbst in Frage, doch auch viele Künstlerfreunde sind dabei. Zu Anfang klappt alles prima. Die Leute kommen in Scharen und das Geld stimmt. Neidvoll blickt die Konkurrenz auf das Treiben des August Lau. Doch dann scheint es sich wieder einmal nicht zu rechnen. Inflation, zwei schlechte Sommer, und fehlende Einnahmen führen zu Verlusten. Die Geldgeber des Pavillonbaus werden unruhig. Sie wollen endlich ihr Geld sehen. August Lau gibt auf. 1925 übernimmt Friedrich Schwarz die Einrichtung.

Zurück zu unserem Tausendsassa Lau. Trotz Schulden und anderer Probleme nimmt er 1924/1925 seine Idee von einem Pavillon am Pfaffenteich auf. Hamburgs Alsterpavillon ist das große Vorbild. Wieder borgt sich August Lau Geld. Man muss dazu sagen, dass er reden konnte wie ein Buch und Gott und die Welt kannte. Die Idee findet auch bei den Stadtoberen viel Unterstützung. Man macht mit Lau Verträge, und tritt ihm einen kleinen Teil des Pfaffenteichs am Südufer gegenüber von Stern’s Hotel ab. Doch es geht wieder schief. Zu wenig Geld und eine immer teurer werdende Aufschüttung des Pfaffenteichs mit einer völligen Fehleinschätzung der Kosten lassen auch dieses Projekt scheitern. 100 000 Mark hat den wackeren Pavillonerbauer die jetzt entstandene Modderinsel im Pfaffenteich gekostet.

Die Stadt löst den Vertrag mit Lau und übernimmt die Restarbeiten zur Befestigung des Ufers und das Ausbaggern der neu entstandenen Insel. Als der gewesene Bauherr Lau der Stadt auch noch ein paar Befestigungspfähle, „die er übrig hatte“, verkaufen will, wird der Magistrat ernsthaft böse. Fast hätte sich Lau mit allen überworfen.

Im Dezember 1925 schließt August Lau mit der Stadt einen neuen Vertrag. Er pachtet Land in Zippendorf für 20 Jahre und errichtet 1926 eine Badeanstalt mit dem Namen „Waldfrieden“. Später heißt diese Badeanstalt „Waldbad“. Die Schweriner spotten: „Wat he in’n Papendiek rinsmäten hett, hett he ut’n Schweriner See wedder ruter halt.“

Auch mit diesem Projekt sollte August kein Glück haben. Er lässt ein Restaurant, Umkleidekabinen und Stege errichten – wieder von geborgtem Geld. Auch hier gibt es Konzerte und Tanz, und es hätte alles so schön sein können, wenn auch ein kleiner Überschuss geblieben wäre. Um über Wasser zu bleiben, unterstützt die Frau unseres „Genies“ die Projekte ihres Mannes so gut sie es kann mit dem Erbe ihrer Eltern. Doch August kann alles, nur nicht mit Geld umgehen.

1932, nach sieben Jahren und einigen Prozessen, muss August Lau aufgeben. Wieder ist es die Stadt, die seine Schulden bezahlt und ihm obendrein eine kleine Rente bewilligt. 1932 tritt August Lau in die NSDAP ein und hofft, mit dieser „Neuen Bewegung“ noch einmal etwas bewegen zu können. Doch die neuen Herren wollen von Augusts Ideen nichts wissen, als sie am Pfaffenteich eine Erweiterung der Arsenalstraße planen und der nun wieder als Musiklehrer arbeitende Lau seine Erfahrungen zur Verfügung stellen will.

Am 16. März 1939 stirbt August Lau im Alter von fast 75 Jahren im Gartenhaus in der Schelfstraße 29 an einem Schlaganfall. Er hinterlässt nicht viel Materielles auf dieser Welt. Geblieben aber ist einer seiner schönsten Bauten, der Strandpavillon. Und wo sein Pavillon am Pfaffenteich stehen sollte, ist heute eine „Freitreppe“.

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