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Vicke-Schorler-Rolle Rostock : Ein Kaufmann zeichnet seine Stadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rostocker Vicke-Schorler-Rolle aus dem Jahre 1586 zeigt auf mehr als 18 Metern Länge 400 Gebäude

Ein einmaliges kulturhistorisches Zeugnis wurde vor 430 Jahren von dem Rostocker Vicke Schorler für seine hanseatische Heimatstadt geschaffen: die bildliche Darstellung der Stadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einer Rolle von etwa achtzehn Metern Länge. Es ist eine farbliche perspektivische Darstellung zwischen Vedute und Vogelperspektive.

Seit dem vorigen Jahrhundert war diese ungewöhnliche Rolle Gegenstand von Forschungen und Darstellungen im Kontext der Geschichte Norddeutschlands zur Zeit der Hanse. Zum Rostocker Stadtjubiläum im Jahre 2018 kommt diesem Dokument aus dem ausgehenden Mittelalter besondere Bedeutung zu.

Vor und nach Vicke Schorler erschienen bereits Stadtansichten von Rostock von den berühmten Künstlern Wenzel Hollar, Matthäus Merian und Franz Hogenberg. In gedruckter Form wurde die Rolle letztmalig 1989 im Rostocker Hinstorff-Verlag vom damaligen Archivdirektor Dr. Horst Witt und von Ingrid Ehlers herausgegeben. Eine Ausgabe aus den 1940er Jahren enthielt eine Vorbemerkung aus nationalsozialistischer Sicht und wurde nach 1945 nicht mehr propagiert. Im Stadtarchiv fand die berühmte Rolle ihren sicheren Platz; sie befindet sich aber zur Zeit in der Restaurierung. Im Jahre 2008 wurde sie in einer spektakulären Ausstellung im Rathaus-Foyer einem interessierten Publikum gezeigt; zum Stadtjubiläum ist eine ähnliche Präsentation vorgesehen.

Vicke Schorler, um 1560 geboren, war Kaufmann und wurde 1618 Vorsteher der Kramer-Compagnie. Er begann 1578 mit seiner Arbeit, die er dann acht Jahre später, am 24. Juni 1586 dokumentarisch belegt, beenden konnte. Nach alten Quellen soll Vicke Schorler ein Haus am Schilde bewohnt haben. Im Jahre 1625 wird sein Name letztmalig in den Rostocker Akten erwähnt; zu seinem Todesjahr gibt es keine genauen Anhaltspunkte.

Vieles in der Rolle malte er laienhaft als Federzeichnung auf Papier mit einigen perspektivischen Ungenauigkeiten und mit verkürzten Türmen der Kirchen. Auch die Reihenfolge der Häuser mit ihren Fronten entsprach nicht immer der Wirklichkeit. Die Beschreibungen erfolgten in römischer Kapitalschrift in Latein. Die Darstellung der Gebäude am historischen Hopfenmarkt, heute Universitätsplatz, ist z.B. in einem kolorierten Steindruck von Johann Gottlieb Tiedemann nach der Darstellung von Vicke Schorler in einer realistischen Perspektive nachempfunden und in der Publikation von G. Ch. F.Lisch „Mecklenburg in Bildern“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden. Auf der Rolle sind über 400 Gebäude zu sehen, unter anderem Bürgerhäuser, Kirchen, Handelshäuser, Windmühlen, Brücken und Klöster, wie das nicht mehr existierende Kloster in Marienehe. Auch das damalige Rostocker Schifferlager in Warnemünde ist dargestellt. Der Neue Markt als der größte Platz mit seinem städtischen Handel nimmt aber einen besonderen Platz ein. Die Darstellung geht auch über Rostock hinaus, sodass auch Gebäude von Schwaan, Bützow und Güstrow vertreten sind.

Die Schorler-Rolle war lange Familieneigentum und wurde schließlich im Jahre 1792 an den Rat der Stadt verkauft und archiviert. Der Archivar Ernst Dragendorff war der erste, der sich eingehend mit der Vicke-Schorler-Rolle beschäftigte und der das Werk in den „Beiträgen zur Geschichte der Stadt Rostock“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. Bis 1938 wurde die Rolle erstmals eingehend restauriert. Die Rostocker Kaufmannschaft sammelte seit den 1990er Jahren in der Jahresköste Gelder für den Erhalt wichtiger Kulturgüter, so im Jahre 2012 15 000 Euro, die für die Restaurierung dieser bedeutenden Stadt-Ansicht aus dem 16.Jahrhundert bereitgestellt wurden.
 

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