Adolf Friedrich zu Mecklenburg : Ein Herzog bereist die Welt

Herzog Adolf Friedrich machte sich mit seinen Afrika-Expeditionen einen Namen.
1 von 2
Herzog Adolf Friedrich machte sich mit seinen Afrika-Expeditionen einen Namen.

Adolf Friedrich zu Mecklenburg entdeckte früh seine Berufung zum Abenteurer, später widmete er sich ernsthaften Forschungen

svz.de von
08. März 2016, 09:00 Uhr

Langsam begannen sich die Wälder rund um den Schweriner See mit gelb-roten Herbstblättern zu schmücken, als am 10. Oktober 1873 dem Großherzog Friedrich Franz II. und seiner Frau Großherzogin Marie, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt, ein Sohn geboren wurde, der den Namen Adolf Friedrich erhielt. Der kleine Herzog wuchs am Schloss in Schwerin auf, wo sein Vater residierte. Später wurde er am Vitzthumschen Gymnasium in Dresden eingeschult, einer hoch angesehenen Lehranstalt, die ebenso den Bürgern offenstand.

Der junge Herzog musste wohl schon früh den Hang gehabt haben, fremde Länder zu sehen. Schon als 21-Jähriger machte er sich auf in den Orient. Das Ungewöhnliche an dieser Reise war, dass Herzog Adolf Friedrich den größten Teil davon auf dem Pferderücken zurücklegte – eine sportliche Herausforderung. Die gerittene Strecke von 2500 Kilometern war gewaltig und führte von Jerusalem bis nach Budapest. Ich hatte im letzten Jahr die Gelegenheit, diese Strecke mit dem Flugzeug abzufliegen und somit einen Eindruck von der enormen Leistung zu bekommen.

In Palästina und Syrien traf Adolf Friedrich auf Kulturen, die der damaligen Vorstellung eines romantischen Orients entsprachen. Die täglichen Etappen waren lang, die Dörfer, die besucht wurden, ärmlich und doch von großer Gastfreundschaft geprägt. Den Tauruspass, heute immer noch ein Abenteuer, überquerte der Herzog auf dem Pferderücken, ehe er Ankara, die heutige türkische Hauptstadt, erreichte. Bei Istanbul querte der Abenteurer den Bosporus, dann ging es weiter durch Bulgarien bis nach Budapest, von wo er das letzte Stück nach Schwerin mit der Eisenbahn zurücklegte. Das Ganze war ein Unternehmen, das Adolf Friedrichs Interesse für fremde Länder enorm förderte und seine Willenskraft stärkte, sich in seinem weiteren Leben diesen fernen Zonen zu widmen.

Nach der Rückkehr meldete er sich bei der deutschen Kavallerie, wo er seine Laufbahn auf dem Pferderücken fortsetzen konnte. Auch privat nahm seine Begeisterung für Pferde ihren Fortgang: Der junge Herzog nahm an Pferderennen teil, bis er in Berlin sogar einen der höchsten Preise gewann. Wenig später verunglückte Adolf Friedrich jedoch bei einem Sturz und zog sich einen Schädelbruch zu.

Inzwischen hatte der Herzog aber eine andere Leidenschaft kennen gelernt: Die Autos kamen auf. Mit einigen Gleichgesinnten gründete er den Kaiserlichen Automobilclub, dessen Repräsentant er auch während seiner Afrikajahre hindurch blieb.

Dann, mit 29 Jahren, zog es ihn wieder mit aller Macht in die Ferne. Zunächst führte ihn das neue Abenteuer nach Ägypten. Kairo, die Pyramiden von Gizeh, der Nil, der ihm später noch im Oberlauf begegnen sollte, waren seine ersten Ziele. Hier lernte er die Welt der Araber kennen und konnte sich mit der vergangenen Welt der Pharaonen beschäftigen. Die berühmte Cheops-Pyramide war bereits ihrer Schutzschicht beraubt und das gelbe Gestein darunter den Stürmen ausgesetzt. Den Suez-Kanal gab es bereits, ebenfalls ein gigantisches Bauwerk menschlicher Willenskraft.

Aber Ägypten war erst der Anfang. Mit dem Schiff ging es weiter nach Ceylon, eine Tropeninsel, die die Fantasie des Schweriners anregte. Hier schwelgte er in einer üppigen Natur, reich an fremden Tieren und Pflanzen, die er bisher nur aus Büchern kannte und nun mit eigenen Augen sah.

Auf Ceylon traf er 1902 mit dem Vizekönig von Indien, Lord Curzon, zusammen, der ihn zu mehreren Tigerjagden einlud. Bereits zu Hause war der Herzog zu Mecklenburg als eifriger Jäger bekannt, der Hirsche, Rehwild und Wildschweine schoss. So war ihm diese neue Erfahrung ein besonderes Erlebnis. Doch trotz des großen Interesses, das er Ceylon entgegenbrachte, ließ ihn der Gedanke an Afrika nicht los. Es zog ihn in die zentralen Gebiete entlang des Äquators. Dort hatte Deutschland Schutzgebiete, die er kennen lernen wollte. So begab er sich nach Tanganyika, und wieder eröffnete sich ihm ein anderer Kontinent, der ihn schon bald ganz wesentlich beschäftigen sollte.

1904 langte der Herzog zu Mecklenburg mit dem Schiff in Daressalam an. Eine geschäftige Stadt an der Küste empfing ihn. Zunächst ging er im Landesinneren auf Großwildjagd und lernte die großen Plantagen kennen, ehe er in den Usambara-Bergen mit dem Gouverneur Graf Goetzen bekannt wurde, der ihn für zoologische Forschungen im Land begeisterte. Die Tierwelt sowie die Kultur der deutschen Schutzgebiete waren kaum bekannt, eine groß angelegte Expedition zu deren Erforschung wäre sicherlich von großem Interesse. Dieser Gedanke ließ den jungen Herzog nicht mehr los. Aus seinem bisher noch nicht zielgerichteten Interesse für das zentrale Afrika wurde ein fester Plan.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann er, Kontakte für eine große wissenschaftliche Expedition zu knüpfen. Es brauchte nur wenige Jahre, bis es soweit war. Der Grundstein war gelegt, zu einem Unternehmen, das seinen Ruf als Afrikaherzog festigen sollte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen