Durch Zufall Mecklenburger : Ein Helfer der Gebrüder Grimm

Der Neubrandenburger Maler Henry Stoll schuf 1840 diese Ansicht vom Datzeberg auf Neubrandenburg.  Repro: Borth
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Der Neubrandenburger Maler Henry Stoll schuf 1840 diese Ansicht vom Datzeberg auf Neubrandenburg. Repro: Borth

Karl Hartwig Gregor von Meusebach wurde durch einen Zufall zum waschechten Mecklenburger

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19. Mai 2017, 13:00 Uhr

Karl Hartwig Gregor Freiherr von Meusebach zählt zu den wenigen in Mecklenburg-Vorpommern verwurzelten Freunden und Helfern der Brüder Grimm. Während das Internet-Lexikon Wikipedia angibt, er sei am 6. Juni 1781 im thüringischen Voigtstedt geboren, schrieb der Adlige 1830 in einem Brief an Jacob und Wilhelm Grimm: „Geboren bin ich zu Neu-Brandenburg, in der güldenen Aue bin ich ein kleiner und auch ein Schuljunge, in Göttingen und Leipzig ein Student gewesen, in Nassau Auditor und Assessor, im Bergischen verfolgte ich mit Lust und Liebe die Verbrechen.“

Meusebach, der Name klingt eigentlich schon märchenhaft, war ein studierter Jurist. Er stand von 1803 bis 1842 im preußischen Staatsdienst, zuletzt als Präsident des rheinischen Kassationshofs. Darüber hinaus war er literaturwissenschaftlich unterwegs, aber auch selbst literarisch aktiv. Er schrieb unter den Pseudonymen Alban bzw. Marcus Hüpfinsholz.

In die Geschichte eingegangen ist er vor allem als Büchersammler. Seine 36 000 Bände umfassende Bibliothek wurde zwei Jahre nach seinem Tod 1849 von der preußischen Regierung angekauft und Teil der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Die bereits 1812 in der Erstausgabe ihrer Sammlung veröffentlichten Märchen „Der alte Großvater und der Enkel“ sowie „Der gläserne Sarg“ fanden die Brüder Grimm in Büchern der Meusebachschen Bibliothek. 1837 war in einer neuen Auflage der Märchensammlung dann auch die Geschichte „Der kluge Knecht“ zu lesen, auf die Meusebach seine Kasseler Freunde persönlich aufmerksam gemacht hat.

Er lieferte den Grimms dazu auch den Hintergrund, nämlich dass dieser Schwank auf eine Auslegung des Psalms 101 durch Marin Luther zurückgeht, 1535 erstmals bei Hans Lufft, dem Wittenberger Bibeldrucker, veröffentlicht. 2017 ist Luthers Jahr: die Reformation feiert ihren 500. Geburtstag,

Doch zurück zu Meusebach und Neubrandenburg. Im Stadtarchiv gibt es weder in den von 1679 bis 1918 geführten Bürgerbüchern noch in den Kopulationsregistern einen Nachweis über seine Geburt in Neubrandenburg. Doch das lässt sich erklären. Meusebachs Vater, Christian Karl von Meusebach, Kammerrat des Herzogs von Anhalt-Zerbst, hatte als Jurist in den Jahren zwischen 1780 und 1785 Erbschaftsangelegenheiten bezüglich der mecklenburgischen Güter Dahlen, Beseritz, Treppersdorf, das heute Dishley heißt, sowie der Herrschaft Seeburg im Mansfeldischen zu regeln. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren „die Hähne“, Angehörige des Adelsgeschlechtes von Hahn, faktisch wie die Fliegen gestorben. Am 6. September 1779 ereilte dieses Schicksal auch den letzten männlichen Spross der Rempliner Linie, den unter Vormundschaft stehenden geisteskranken Erblandmarschall Claus Ludwig von Hahn. Der berühmte Astronom Friedrich II. von Hahn, aus Neuhaus in Holstein und sein ebenfalls wegen Geistesschwäche unter Vormundschaft stehender Bruder Detlef gehörten wie die Thüringer Adelsfamilien von Meusebach, von Witzleben und von Geusau zu den Erbberechtigten.

Der Prozess der Erbauseinandersetzung war kompliziert und zog sich über mehrere Jahre hin, zumal am 30. April 1780 auch Anna Hedwig von Geusau, geborene von Hahn, verstarb und zwei Monate später, am 3. Juli, deren ebenfalls geistesschwaches Kind. Christian Karl von Meusebach schlug für die Klärung des Erbschaftsproblems, zusammen mit seiner Frau Benigna Friderike, geborene von Nordenflycht, sowie zwei kleinen Kindern in Neubrandenburg seine Zelte auf. Und hier kam als Nesthäkchen Karl Hartwig Gregor zur Welt. Der Zufall wollte es, dass durch den Zufall seiner Geburt in den Mauern der Viertorestadt aus dem Angehörigen eines uralten Thüringer Adelsgeschlechts ein waschechter Mecklenburger wurde.

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