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Poesiealben in Gielow : „Efeu und ein zärtlich Gemüt...“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bis Pfingsten beherbergt altes Dorfschulhaus in Gielow bei Malchin eine einmalige Sammlung von Poesiealben

Als Ingeborg Templin von der geplanten Ausstellung mit Poesiealben in „Uns Heimatstuf“ von Gielow hörte, gab es für sie kein Halten mehr. Flugs kramte die pensionierte Lehrerin in den Hinterlassenschaften ihrer Mutter und wurde rasch fündig. Zur Eröffnung der Schau in dem bei Malchin gelegenen Dorf präsentierte die Frau ihre Kostbarkeiten: Seit vier Generationen wird nämlich ein und derselbe Spruch in ihrer Familie vererbt. „Efeu und ein zärtlich Gemüt heftet sich an und grünt und blüht. Kann es nicht Stamm und Mauer finden, es muß verdorren, es muß verschwinden.“

So notierte es 1888 ihr Urgroßvater Johann Runze seiner Tochter Clara in deren Tagebuch. Dazu der Wunsch, seine Tochter möge immer auf treue Menschen stoßen, die sie verstehen und zu denen sie in Achtung und Ehrfurcht aufschauen könne. Clara schrieb diese Zeilen wiederum 1916 ihrer Tochter Mathilde ins Poesiealbum, diese 1951 ihrer Tochter Ingeborg in deren Spruchsammlung. Und jüngst, so verriet die Neubrandenburgerin, bekam ihre Enkelin Laura diese Zeilen mit auf den Weg ins Leben.

Eine anrührende, eine kulturgeschichtliche interessante, heute wohl kaum noch übliche Familientradition. So freute sich Barbara Militzer vom Gielower Museumsverein. An die 80 Poesiealben aus der Zeit um 1880 bis in die Gegenwart, aus ganz Mecklenburg und Pommern stammend, teils auch darüber hinaus, sind noch bis Pfingsten im alten Schulhaus des Dorfes zu sehen. Schade nur, dass die Leihgaben danach wieder an ihre Besitzer gehen und eine so wohl einmalige Ausstellung „zerrissen“ wird.

Doch vielleicht, so hoffen Barbara Militzer und ihre Mitstreiterin Birgit Leupold, werden die Alben vor dem Abbau in ihrer ganzen Breite und Vielfalt noch erfasst. Denn die ausgestellten Büchlein könnten Gegenstand einer Diplom- oder anderen Forschungsarbeit werden. Gerade für die Volkskunde, die Kunstgeschichte und die Germanistik halte die Gielower Sonderausstellung viele Kostbarkeiten bereit. „Darunter sind wahrhafte Schätze“, wirbt Barbara Militzer. „Wir haben uns Mühe gegeben, den Zeitgeist einfließen zu lassen.“

Nippes, Handarbeiten und Wäsche wurden aus den Schränken geholt und mit den zeitlich geordneten Poesiealben „zu einem stimmigen Bild zusammengestellt.“
Die Poesiealben aus 150 Jahren sind sonnabends von 14.30 bis 16.30 Uhr zu sehen. Nach vorheriger telefonischer Vereinbarung über die Telefonnummer 039957-20366 oder -20677 wird die Heimatstube aber auch zu anderen Zeiten geöffnet.

Gerald Gräfe

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