Prinzessinnengruppe : Die „unzüchtige“ Schwester

Prinzessinnengruppe in der Friedrichswerderschen Kirche  in Berlin  Fotos: Hentschel
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Prinzessinnengruppe in der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin Fotos: Hentschel

Vor 175 Jahren starb Luises Schwester Friederike als Königin von Hannover

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06. August 2016, 00:00 Uhr

Sie sind und bleiben ein Verkaufsschlager, gleich ob in Gips oder Porzellan, die Kopien der so genannten Prinzessinnengruppe von Johann Gottfried Schadow. Die Idee zu diesem Doppelstandbild soll vom preußischen Minister Friedrich Anton von Heynitz ausgegangen sein. Als gleichzeitiger Vorsteher der Berliner Porzellanmanufaktur hatte er Schadow in seine Dienste genommen. So konnte man dessen Büsten der mecklenburgischen Prinzessinnen Luise und Friederike produzieren. Die Vorlagen dazu hatte Schadow bald nach deren Einzug in Berlin geschaffen. Sie verkauften sich gewinnbringend und der Erfolg sollte nun mit der so genannten Prinzessinnengruppe vereinten Schwestern wiederholt werden.

Deren lebensgroße Ausführung in Gips zeigte Schadow erstmalig während der Herbstausstellung 1795 in der Berliner Akademie der Künste. 1797 folgte die Ausführung in Marmor. Danach sprach „alle Welt“, wie ein Zeitgenosse vermerkte, „von der neuesten Kunstschöpfung Schadows, der himmlisch schönen Gruppe der beiden Schwestern“ mecklenburgischer Herkunft. Sofort begannen die Vorbereitungen für die Produktion einer Porzellanvariante. Sie fand aber vorerst nicht statt und die Originalvorlagen verschwanden auf Jahrzehnte in einer Holzkiste. Das geschah auf Verlangen von Friedrich Wilhelm III., nachdem dieser König geworden war. Über seine Beweggründe wurde vielfach spekuliert. Fast immer verwies man dabei auf das „unzüchtige Leben“ von Luises Schwester.

Diese jüngste Tochter des Herzogs Karl II. zu Mecklenburg und dessen erster Gemahlin Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt kam am 2. März 1778 in Hannover im Alten Schloss zur Welt. Ihr Vater diente dort als Kommandeur der Infanterie der hannoverschen Armee und später als Gouverneur der Stadt. In diese Funktionen eingesetzt hatte ihn sein Schwager, König George III. von Großbritannien, der zugleich Kurfürst von Hannover war. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter kam Friederike in die Obhut verschiedener Gouvernanten. Wie auch ihre Schwester Luise wurde sie ungefragt zum Gegenstand der Eheverträge, die der preußische König Friedrich Wilhelm II. mit ihrem Vater aushandelte. Sie sorgten 1793 für eine erste Begegnung der 15-jährigen Friederike und ihrer Schwester Luise (17) mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (22) und dessen Bruder Friedrich Ludwig (19). Von den preußischen Königssöhnen hatte zumindest Friedrich Wilhelm die Auswahl, welche der beiden Schwestern er ehelichen wollte. Da er sich nach einigem Zögern für Luise entschied, blieb für seinen Bruder Friedrich Ludwig (1773-1796), genannt Louis, nur der „Rest“, nämlich Friederike übrig. Geheiratet hat er offenbar nur aus Gehorsam und bereits während beider Brautzeit gelangte Friedrich Wilhelm zu der Feststellung: „Mein Bruder war und blieb sehr kalt gegen seine Braut. So zärtlich und zuvorkommend sie auch gegen ihn war.“ Ganz in der Tradition seines Vaters hatte Louis mehr Interesse an Mätressen als an seiner mit ihm seit Dezember 1793 angetrauten Ehefrau. Da sie stets von Verehrern umlagert war, wurde sie zum Gegenstand mancherlei Geschichten. Die Rede war etwa von einem Verhältnis mit Louis Ferdinand von Preußen. Später kursierten immer wieder Gerüchte über die möglichen Väter ihrer ersten drei Kinder: Friedrich Ludwig (1794-1863), Carl Georg (1795-1798) und Friederike Wilhelmine Luise Amalie (1796-1850). Wahrscheinlich sind sie jedoch tatsächlich die leiblichen Nachkommen von Prinz Friedrich Ludwig. Seit 1795 war dieser der Chef des Dragoner-Regiments Nr. 1, dessen Stab sich in Schwedt an der Oder befand. Von dort reiste er zur Adventzeit 1796 zurück nach Berlin zu einem Familientreffen, wobei eine Beobachterin vermerkte: „Wie unglücklich, dass gerade das liebliche, hingebende Wesen mit so einem eiskalten Mann verbunden ist.“ Bald darauf erlag Prinz Louis in Berlin den Folgen einer Diphtherieerkrankung.

Danach wies man Friederike und ihren kleinen Kindern das Schloss Schönhausen als Wohnsitz zu, wo sie mehrere Affären gehabt haben soll. Darunter eine mit ihrem englischen Cousin Herzog Adolph Friedrich von Cambridge, mit dem sie sich 1797 insgeheim verlobte, der jedoch von seinen Eltern keine entsprechende Heiratserlaubnis erhielt. 1799 brachte Friederike eine Tochter zur Welt, die bald nach der Geburt starb und für die der Prinz Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels die Vaterschaft übernommen hatte, der am 10. Dezember 1798 mit ihr eine Ehe eingegangen war. Auf Geheiß von Friedrich Wilhelm III. musste das Paar Berlin verlassen und sich in Ansbach ansiedeln. Dort brachte Friederike sieben weitere Kinder zur Welt. Ihr alkoholabhängiger Mann verlor seine Einkünfte. Nur eine von ihrem Schwager Friedrich Wilhelm III. gewährte Jahresrente ermöglichte ihnen eine halbwegs standesgemäße Existenz.

Im Frühjahr 1813 arrangierte Friederikes Vater eine Begegnung seiner Tochter mit dem Herzog Ernst August von Cumberland. Er war der ältere Bruder ihres einstigen heimlichen Verlobten Adolph Friedrich. Absicht war dabei die Beendigung der Ehe Friederikes mit dem Prinz zu Solms-Braunfels und deren Wiederverheiratung mit dem englischen Prinzen. Diese rückte nach dem Tod des Prinzen zu Solms-Braunfels im April 1814 in Folge eines Schlaganfalls in greifbare Nähe. Am 29. Mai 1815 fand die Hochzeit in Neustrelitz statt.

Nun wurde Friederike, die wechselweise an verschiedenen Ort in Deutschland und Großbritannien lebte, noch dreimal Mutter. Nur einem dieser Kinder war jedoch ein längeres Leben beschieden: Georg (1819 - 1878), späterer König von Hannover. Sein Vater war in Folge eines komplizierten Erbfolgerechts 1837 als Ernst August I. König von Hannover und Herzog von Braunschweig-Lüneburg geworden. Daraus ergab sich, dass seiner Gemahlin, der einstigen mecklenburgischen Prinzessin noch vier Lebensjahre als Königin Friederike beschieden waren. Sie starb nach kurzer Krankheit am 29. Juni 1841 in Hannover. Ihre sterblichen Reste wurden 1851 in ein für den nun verstorbenen König Ernst August I. und sie erbautes Mausoleum im Berggarten des Schlosses Herrenhausen überführt. In den Herrenhauser Anlagen kann man eine von dem Bildhauer Valentino Casal geschaffene Kopie der Prinzessinnengruppe von Schadow bewundern, die 1910 eine kaiserliche Stiftung den Hannoveraner bescherte.

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