Hallenhäuser : Die Schmuckstücke der Dörfer

Im Dorf Bennin steht dieses Hallenhaus aus dem 17. Jahrhundert.
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Im Dorf Bennin steht dieses Hallenhaus aus dem 17. Jahrhundert.

Der Autor Dieter Greve hat sich auf die Suche nach niederdeutschen Hallenhäusern begeben

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14. April 2018, 10:30 Uhr

In der Region um Boizenburg gibt es einige Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert zu entdecken, die niederdeutsche Hallenhäuser genannt werden. Dabei handelt es sich um Häuser, in denen die Bauern sowohl wohnten als auch arbeiteten. Außerdem war es möglich, in diesen Gebäuden gleichzeitig das Vieh unterzubringen sowie das Getreide und Futter zu lagern. Dieser Typ von Häusern war über den gesamten Norden Deutschlands vom Emsland bis nach Pommern verbreitet.

Einige der aus Eichenfachwerk, Lehm und Ziegeln errichteten Gebäude lassen sich noch in den bei Boizenburg gelegenen Dörfern Bennin, Groß Bengerstorf und Klein Bengerstorf entdecken.

Früher waren Hallenhäuser nicht nur auf den Gehöften der Hufenbesitzer, sondern auch auf denen der Büdner und speziell in Bennin auf denen der Kätner/Kossaten vorhanden. Letztere waren Dorfbewohner, die eine Kate besaßen und meist am Dorfrand angesiedelt waren.

In einer Amtsbeschreibung des Domanialamtes Boizenburg aus dem Jahre 1653 sind die Inventarien der Hufen nach dem Dreißigjährigen Krieg in beiden Bengerstorf erfasst worden. Darin waren 1653 bei den Bauern, die zum Domanium gehörten, in Groß Bengerstorf elf Hallenhäuser und zehn Scheunen vorhanden. In Klein Bengerstorf wurden 13 Hallenhäuser und zehn Scheunen aufgezählt. Im Kirchenhebungs-register aus dem Jahre 1590 ist auch Bennin genannt, das zur Pfarre Granzin gehörte. Aus diesem ergeben sich insgesamt 22 bäuerliche Stellen – und daraus die Zahl der Hallenhäuser. Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand der Haustyp langsam von der Bildfläche. Der braunschweigische Volkskundler Richard Andree spricht bereits 1896 vom Untergang des (nieder)sächsischen Bauernhauses. Er führt insbesondere die unhygienischen Bedingungen auf Grund des nahen Zusammenlebens von Mensch und Vieh als Ursache ins Feld.

 Hallenhaus in Klein Bengerstorf  Repro: Greve
Hallenhaus in Klein Bengerstorf Repro: Greve
 

Mitte des 20. Jahrhunderts kamen weitere Gründe dazu. Einer davon ist sicherlich das Bestreben der bäuerlichen Familien, sich der städtischen Lebensweise anzunähern. Außerdem war die Instandhaltung der Fachwerkhäuser mit Stroh- und Rohrdach sehr aufwändig. Viele Gebäude gingen durch Brände verloren. Häufig wurden die Häuser daraufhin als Massivbauten mit Hallenhausgrundriss erneuert, teils aber mit getrennten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. In Klein Bengerstorf wurden mehrere Hallenhäuser durch Feuer vollständig zerstört. Nach einem Brand 1882 wurde der Hof des Schulzen mit einem rückwärtig gelegenen Wohnhaus ausgestattet. In Groß Bengerstorf wurde auf einer Hufe unmittelbar neben dem Hallenhaus ein Wohnhaus mit Krug gebaut.

Die über lange Zeit vernachlässigte Instandhaltung der Hallenhäuser hat in einigen Fällen zum Neubau reiner Wohnhäuser auf den Gehöften geführt, in Bennin auf vier Hufen geschehen. Die Vergrößerung des Viehbestandes erforderte mehr Stallraum. Das führte zu verunstaltenden Anbauten an den Häusern oder gar zur Errichtung getrennter Bauten.

Ein Übriges bewirkte die Mangelwirtschaft der DDR mit dem Übergang zur sozialistischen Großraumwirtschaft. Die Häuser, Scheunen und Ställe der historisch bäuerlichen Wirtschaft wurden nicht mehr benötigt und nicht gesichert. Sonderfälle sind die Abbrüche von Gehöften mit Hallenhäusern aus „Sicherheitsgründen“ im Grenzraum der DDR zur Bundesrepublik.

Nach der Wende mussten etliche der verfallenen Gebäude moderneren Wohnhäusern Platz machen. Dabei spielte häufig der unverhältnismäßig große Aufwand insbesondere für die Instandhaltung, oft sogar die notwendige Wiederherstellung der großen Dachflächen, eine wesentliche Rolle. Das betraf in Bennin zwei Häuser und in beiden Bengerstorf je ein Hallenhaus. Ein weiteres in Klein Bengerstorf ist gegenwärtig abbruchreif.

Im Ergebnis der Entwicklung sind in Bennin von 25 Hallenhäusern des Jahres 1844 gegenwärtig noch fünf vorhanden, dazu noch drei Häuser mit dem Hallenhausgrundriss.
 

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