Elisabeth Büchsel : Die Malerin von Hiddensee

Selbstporträt mit Zeitung heißt das Bild aus dem Jahr 1942.
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Selbstporträt mit Zeitung heißt das Bild aus dem Jahr 1942.

Elisabeth Büchsel entwickelte sich von der Insel-Sensation zum Insel-Inventar

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06. Mai 2017, 00:00 Uhr

Elisabeth Büchsel ist als eine namhafte Malerin überliefert, die ihre Motive in Stralsund, auf der Insel Rügen und vor allem auf der Insel Hiddensee einfing. Ihre Bilder sind offenkundig vom Impressionismus sowie Pleinairismus ihrer Zeit geprägt und verraten eine ganz eigenständige Handschrift. Während ihr Frühwerk von dunkler Palette sowie schwerer Pinselführung gezeichnet ist, dominiert ab Mitte der zwanziger Jahre „eine flüssige und lebendige Malweise mit hellen Farben“.

Büchsel, die zunächst von den Einheimischen als „neumodisches Malweib“ misstrauisch beäugt wurde, entwickelte sich zur fleißigsten Malerin ihrer norddeutschen Heimatregion und gilt schon lange als „Die Malerin von Hiddensee“. Ihre Schöpfungen befinden sich außer im Privatbesitz vor allem in den Heimatmuseen von Göhren sowie Kloster, in den Kulturhistorischen Museen von Stralsund sowie Rostock und im Staatlichen Museum von Schwerin.

Elisabeth Büchsel wurde am 29. Januar 1867 in Stralsund geboren. Sie war das zweite von sechs Kindern ihrer Eltern. Ihr Vater genoss als Altermann der Stralsunder Gewandschneider sowie Tuchhändler in der Hansestadt ein hohes Ansehen und galt als überaus wohlhabend.

Tochter Elisabeth überraschte bereits als Kind ihr Umfeld mit beachtlichen Zeichnungen. In der Schulzeit wurde sie von ihrem Zeichenlehrer als Talent erkannt und nach Kräften gefördert. Er lehrte sie das Zeichnen in der freien Natur, das damals in Mode kam, und das perspektivische Zeichnen. Nach Auffassung ihrer vermögenden Eltern schickte sich aber ein weiterführendes Studium für ein Mädchen nicht. Elisabeth Büchsel gab deshalb nach dem Schulabschluss zunächst selbst Zeichen- und Malunterricht und erfüllte Porträtaufträge, ehe sie nach Erlangung der Volljährigkeit nacheinander in Berlin, Dresden sowie München weiterführende Malstudien betrieb. In Berlin waren ihre Lehrer Paul Fickel und Franz Scarbina. Dazu kamen Studienaufenthalte in den Niederlanden, Frankreich, Italien und der Schweiz. Sie besuchte in Paris allein zwei private Akademien. Dazu gehörte die renommierte Academie Colarossi unter Lucien Simon, wo sie sich mit den modernen Maltendenzen vertraut machte.

Die Künstlerin begeisterte sich nun für den Impressionismus und fand zum Pleinairismus. So wurde aus der christlich-konservativ erzogenen Hanseatin eine moderne Malerin, die nach ihrer Heimkehr nach Stralsund 1904 für sich die Insel Hiddensee entdeckte. Fortan verbrachte sie die Wintermonate in Stralsund und die Sommermonate auf Hiddensee. Auf Hiddensee wohnte Elisabeth Büchsel bei der Familie Gau. In Stralsund war ihr Domizil das Schloss am Sund direkt an der Promenade des Strelasundufers. Für die Insulaner war die Frau mit Sonnenschirm sowie Malkasten, mit ihren „neumodischen Anwandlungen“ und dem regelmäßigen Morgenbad im Meer gewöhnungsbedürftig.

Doch Inselbewohner und Malerin arrangierten sich. Die Kinder nannten sie bald liebevoll „Tante Büchsel“. Aus der Insel-Sensation gedieh sie zum Insel-Inventar. Büchsel malte die Landschaft, Strandmotive, die Fischer beim Netzflicken, die Frauen bei der Feldarbeit und die Kinder beim Spiel. Die Menschen ihrer Bilder sind Teil der Natur ohne jede Heimattümelei. Dazu gesellten sich auch Porträts. Auf Hiddensee war die Künstlerin Stammgast bei prominenten Insulanern wie Gerhart Hauptmann sowie Oskar Kruse. Sie gehörte zudem 1922 zu den Gründungsmitgliedern des „Hiddenseer Künstlerinnenbundes“.

Herzbeschwerden im Alter und ein Handgelenkbruch mit 87 zwangen die rührige Künstlerin schließlich zu Einschränkungen. Sie starb am 3. Juli 1957 in Stralsund, wurde 90 Jahre alt und fand ihre letzte Ruhe auf dem St.-Jürgen-Friedhof ihrer Vaterstadt.

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