Geschichte : Die Griebower Mühle und die Schmuggler

Reizvolles Gehöft in den Ruhner Bergen.
Reizvolles Gehöft in den Ruhner Bergen.

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26. November 2015, 11:06 Uhr

Abseits von befestigten Straßen liegt im Süden des Landkreises Ludwigslust-Parchim, an der Grenze zur Prignitz, die Griebower Mühle. Zwar dreht sich dort schon lange kein Wasserrad mehr, der Mühlenteich, der vor 100 Jahren noch zum Kahnfahren einlud, ist nicht mehr mit Wasser gefüllt, aber das reizvoll gelegene Gehöft in den Ruhner Bergen ist auch heute noch einen Ausflug wert.

Am 2. März 1863 sollte die Griebower Mühle verkauft werden, weil der Müller verstorben war. In der Zeitungsannonce heißt es: „Die Griebower Erbmühle hat ein Gesamtareal von 11 823 Meckl. Quadratruthen, davon 900 Quadratruthen Wiesen und Erlenbruch und ca. 600 Quadratruthen Tannen- und Birkenschonung. Der Acker ist ungefähr zur Hälfte sehr guter lehmiger Weizenboden, das übrige guter Roggenboden. In der Wiese ist ein ergiebiges Torfmoor. Der stets wasserreiche Mühlenteich ist fischreich und auch mit Karpfen besetzt... Die Mühle hat 2 Mahlgänge und 1 Graupengang, die seit Jahren betriebene Gastwirtschaft gewährt einen erheblichen Nebenertrag.“ Eine Besonderheit, die man sonst nur von Burgen kennt, hat die Griebower Mühle noch heute aufzuweisen: einen Aborterker am Giebel neben dem ehemaligen Mühlrad. Im vergangenen Jahrhundert war die nach dem 30-jährigen Krieg erbaute Griebower Mühle ein Treffpunkt für Schmuggler. Der Grund: Preußen und Mecklenburg hatten unterschiedlich hohe Verbrauchssteuern und Zölle, so dass sich mit dem illegalen Transfer bestimmter Produkte Geld verdienen ließ. Die Schmuggler ließen sich nachts in größeren Gruppen von einem Ortskundigen über die Grenze führen. Die Sammelorte für die Prignitzer Schmuggler waren die mecklenburgischen Dörfer Klüß und Pampin. Dorthin brachten die Kaufleute aus Grabow und Parchim ihre Waren. Bei anbrechender Nacht gingen die Schmuggler los. Auf der Feldmark der Prignitzdörfer Strehlen und Tacken wurden sie von Abnehmern aus Perleberg und Pritzwalk erwartet. In der Nähe der Griebower Mühle wurde am 13. April 1851 ein Perleberger Schmuggler von einem Zollbeamten erschossen, gegen den er tätlichen Widerstand geleistet hatte. Der Weg von Griebow nach Hülsebeck trägt den Flurnamen „Mordweg“ und soll an einen von Schmugglern erschossenen Grenzbeamten erinnern. Geschmuggelt wurde vor allem Rauchtabak, roher Kaffee, Hutzucker, Kandis, Wein, Rum, Löschpapier und Salz.

Das Ende des Schmuggels kam mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867, als Mecklenburg faktisch dem 1834 gegründeten Deutschen Zollverein beitrat.  


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