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Saaler Bodden : Der Zeesenboot-Kapitän

vom
Aus der Onlineredaktion

Peter Eymael hauchte einem alten Fischereifahrzeug neues Leben ein. Die Schiffe mit den braunen Segeln sind typisch für den Bodden

Stolz mit geblähten Segeln schippert das schöne alte Zeesenboot auf dem Saaler Bodden, der hier Permin genannt wird. Zwölf Gäste kann der einstige Fischerkahn auf die Segeltour vom Wustrower Hafen aus mitnehmen. Nach altem Seemannsbrauch wird dem Windgott Rasmus ein Schluck aus der Flasche geopfert – und unterwegs gibt es allerhand Seemannsgeschichten.

„Butt“, ein 11,50 Meter langes Holzboot, gebaut 1936, gehört seit 1971 Peter Eymael. Es lag wie so viele Zeesenboote im Schilf und wartete auf ein neues Leben, nachdem die Stellnetzfischerei auch in Mecklenburg das jahrhundertealte, arbeitsaufwendige Zeesenbootfischen ersetzt hatte. „Es ist ein gutes Segelboot“, sagt Peter Ey- mael. „Es ist geräumig, liegt gut am Wind und man kann gut damit kreuzen“.

Eymaels Beispiel machte Schule, und so wurden viele der alten Fischereifahrzeuge als Freizeitboote gerettet. Heute gibt es wieder etwa 110 Zeesenboote in den Küstengewässern. Sie treffen sich zu Regatten, und einmal im Jahr wird sogar auf traditionelle Art mit dem Schleppnetz gefischt – sehr zur Freude der Gäste.

Das Zeesenboot, niederdeutsch Zeesboot, das quer zum Wind treibt, hat seinen Namen von einem Fanggeschirr, einer sackartigen Zeese, mit der die Fischer schon seit dem späten 15. Jahrhundert vor allem Hecht, Zander und Aal in den Boddengewässern fingen. Zum Spreizen des Treibnetzes befanden sich an den Booten vorne und hinten zwei lange Zeesbäume. Die Fischer konservierten – in der Fachsprache „Lohen“ genannt – das Segeltuch mit Ockerfarbe, Holzteer, Lebertran oder einem Sud aus Eichenrinde und Talg. So entstand die charakteristische braune Farbe der Segel. Der Charme der historischen Boote zieht immer wieder die Menschen in seinen Bann.

Doch nicht nur auf seinen beiden Zeesenbooten „Butt“ und „Bill“ ist Peter Eymael der Kapitän. Bis 2004 fuhr er als Kapitän auf Fährschiffen von Sassnitz nach Trelleborg, nach Bornholm und von Puttgarden nach Rodby. Peter Eymael, Jahrgang 1939, hat holländische Wurzeln, seine Vorfahren waren Leineweber. Sie kamen über das Rheinland nach Deutschland. Er verbrachte seine Schulzeit in Wolgast. Ein denkwürdiges Erlebnis hatte er in der 10. Klasse: Als Aufsicht bei einer Ausstellung von Otto Niemeyer-Holstein lernte er den Maler persönlich kennen. Der hatte kein Eintrittsgeld bei sich, der Schüler führte den ihm Unbekannten trotzdem durch die Schau. Aus dieser Episode ergab sich eine lebenslange Freundschaft und Eymaels große Liebe zur Kunst.

Gelernt hat er den Seemannsberuf von der Pike auf. 1958 war er Segeltrainer auf der Hochseeyachtenstation Greifswald-Wieck, lernte bei der DSR, fuhr bis nach China und Vietnam. Als Matrose befuhr er das Mittelmeer – Italien, Syrien und Ägypten. Er studierte an der Universität Rostock See-und Hafenwirtschaft und erlangte an der Seefahrtschule in Wustrow den Abschluss „Kapitän auf großer Fahrt“, mit dem er dann viele Jahre zur See fuhr.

Der Vollblutseemann hat seinen sicheren Hafen gefunden. Aus den Fenstern seines alten reetgedeckten Bauerngehöfts der Hufe IV im idyllischen Wustrow-Barnstorf schaut man auf den Bodden.
So bleibt das Wasser sein Element.

Von Mai bis Oktober ist der erfahrene Skipper auf Segeltouren unterwegs.

 

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