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Geschichte : Der Teufel als schwanzlose Katze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dreißigjähriger Krieg, Pest und Aberglaube – in den dunklen Jahren wurden in Grabow von 82 Bauernhöfen nur noch zwölf bewirtschaftet

Rechtslose Urteile sowie Morde, Seuchen und Hexenprozesse während des Dreißigjährigen Krieges und auch die Zeit danach dezimierten die Bevölkerung Mecklenburgs. Heute erinnert nichts mehr daran, dass es auch in Grabow und Umgebung eine dunkle für Menschen unwürdige Zeit gegeben hat.

Wie berichtet wurde, stellte sich das Wohnen für die Grabower Bürger nach dem Mittelalter mehr als unheimlich dar. Die Gegend vor dem Mühlentor (1860 abgerissen) mit dem Galgen auf dem Galgenberg, dem Seuchenkrankenhaus, dem St. Nikolaushospital und die Stätte, wo die Hexen vor ihrer Verbrennung den Scheiterhaufen besteigen mussten, wird als abschreckend beschrieben. Dem Heiligen-Geist-Hospital schloss sich eine Heiligen-Geist-Kapelle an. Die Stiftung erfolgte im Jahre 1339. Dieses Hospital brannte 1725 beim großen Brand von Grabow ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Das St. Nikolaus-Hospital diente als Armenhaus und Krankenhaus. Wahrscheinlich wurden hier Aussätzige behandelt. Es lag weit vor den Toren der Stadt am Anfang der Lenzener Chaussee also in Nähe der jetzigen Tankstelle. Es ist anzunehmen, dass es sich um ein Seuchenkrankenhaus gehandelt hat. Wie berichtet wird, haben die Grabower Bürger wahrscheinlich aus Angst vor Ansteckung diese Gegend ungern betreten. Dem Seuchenkrankenhaus gegenüber wurden die unglücklichen Hexen verbrannt. Gleich daneben ragte auf dem Galgenberg der Galgen zum Himmel. Hier ließ man die Gehängten oftmals noch tagelang baumeln. Im späten 17. Jahrhundert griffen die Bürgermeister Klaus Rodatz (500 Jahre altes Kaufmanngeschlecht in Grabow) und Johann Mann sen. (Vorfahre von Schriftsteller Thomas Mann) schlichtend aber auch strafend in die Hexenprozesse ein. Es wird berichtet, dass die Verdächtigen „an die Leiter gebunden“, einige Tage im Tor (Gefängniszelle des Rehberger Tors) eingesperrt oder als Verschärfung in die „düstere Kammer“ auf dem Tor geschickt und in den Block geschlossen wurden. Ein 12-14 Jahre altes Mädchen, deren Vater Soldat in Dömitz war und deren Mutter schon als Hexe verbrannt wurde, sagte 1687 vor dem Stadtgericht aus, dass ihr eine Frau Tiede verhextes Brot gegeben und ihr Teufel in Gestalt einer schwanzlosen Katze, zuletzt in Gestalt eines Hundes geschickt hätte. Obwohl der Prediger von Kleinow (heute Ludwigslust) ihr ins Gewissen geredet hatte, ging sie nicht von ihrer Aussage ab. Im Verhör sagte ein Dorfbewohner von dieser Frau, sie wäre wert, dass sie „mit glühenden Zangen von Glied zu Glied gezogen würde, sie wäre eine Würgehexe“. Der Teufel hatte bei den Karstädtern die Angewohnheit sich als schwarzer Hund, als Sau oder als kopfloses Gespenst zu nähern. Über die ersten Hexenverfolgungen wird aus dem Jahre 1602 berichtet. Im Dorf Karstädt wurde eine Frau verdächtigt, die Pferde eines Dorfbewohners verhext zu haben, indem sie vor der Stalltür eine Flüssigkeit ausgegossen habe, woran die Tiere eingegangen seien. Trotz Tortur gestand sie nicht. Bei der Wasserprobe ist sie, wie berichtet wurde, „obengeflossen“, ein Zeichen ihrer Schuld. Sie verweigerte in der Haft jede Nahrungsaufnahme und entging durch den Hungertod dem Scheiterhaufen.

1604 brach die Pest aus und 1618 litt Grabow erneut unter dieser Epidemie. Elf Jahre später belagerten Truppen verschiedener Nationalitäten die Stadt. In dieser Zeit wurde die Stadt ausgeplündert. Die Belagerer schleppten 1634 die Pocken (Blattern) und 1638 erneut die Pest in Grabow ein. Es wird berichtet, dass nur wenige Einwohner am Leben blieben, die nicht mal die Toten beerdigen konnten. Einige wurden von Hunden gefressen. In diesem Jahr wurde Grabow zum dritten Mal ausgeplündert. Weihnachten 1836 marschierten die Schweden in Grabow ein und raubten sämtliches Vieh. Vor Hunger starben viele Einwohner, besonders Kinder. Als der Dreißgjährige Krieg zu Ende ging, war die Stadt völlig verarmt, entvölkert und größtenteils vernichtet. Ein Drittel aller Einwohner war umgekommen, viele Menschen von der Pest und anderen Krankheiten hinweggerafft. Ein großer Teil war ausgewandert. Die Stadtmauern wiesen große Lücken auf. Hungernde Wölfe kamen bis an den Stadtrand. Von 82 Bauernhöfen des Amtsbereiches wurden nur noch 12 bewirtschaftet.

Noch oftmals wurde Grabow zu späterer Zeit von Epidemien heimgesucht. 1849 war es die Cholera, bei der sich der Tod meistens nach kurzer Zeit einstellte. Es gab 56 Todesopfer. 1850 starben 21 und 1853 zehn Menschen an dieser Krankheit. Im Jahre 1859 forderte die Cholera 61 Todesopfer in Grabow.

Die Akten über Grabows Vergangenheit wurden größtenteils durch Großbrände, welche die Stadt heimsuchten, vernichtet. Doch Tagebuchaufzeichnungen, die der Grabower Bürger Jürgen Schultz während des Dreißigjährigen Krieges geführt hat, lassen einige Ereignisse aus dieser Zeit lebendig werden.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 11:59 Uhr

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