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Hermann Friedrich Becker : Der Schatzmeister des Waldes

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hermann Friedrich Becker sorgte für eine Blütezeit der Rostocker Heide – sein Geburtstag jährt sich jetzt zum 250. Mal

„Der Wald ist ein besonderes Wesen, von unbeschreiblicher Güte und Zuneigung, das keine Forderung stellt und großzügig die Erzeugnisse seines Lebenswerkes weitergibt, allen Geschöpfen bietet er Schutz und spendet Schatten selbst dem Holzfäller, der ihn zerstört.“

Diese Worte Buddhas, die etwa 2500 Jahre alt sind, könnten das Lebenswerk eines mecklenburgischen Forstmannes beschreiben, dessen Geburtstag sich am 21. April zum 250. Mal jährt. Sein Name: Hermann Friedrich Becker. Er stammte aus einer bekannten Rostocker Gelehrtenfamilie und erblickte 1766 am Ufer der Warnow das Licht der Welt. Der vielseitig gebildete Enkel eines Rostocker Bürgermeisters und Sohn des Pastors an St. Jacobi studierte in seiner Heimatstadt Kameralwissenschaften (Wirtschafts- und Finanzwesen) und Reichsgeschichte, beschäftigte sich mit Modellieren, Zeichnen und bedauerte, dass er an der hiesigen Alma Mater nicht auch Landwirtschaft belegen konnte. So erwarb er in diesem Bereich viele Grundkenntnisse auf dem Klostergut Mestlin bei Dobbertin, kehrte dann in die Hansestadt zum weiteren Studium zurück. „Nebst den öffentlichen Vorlesungen beschäftigte ich mich … mit Feldmeßen, Charten copiren, Drechseln, Fechten, Musik (Klavier, Flöte), Handzeichnen und der französischen und italienischen Sprache“, schrieb Becker später und verbrachte noch einige Semester in Heidelberg, wo er Vorlesungen über Botanik, Landwirtschaft, Naturgeschichte, Mineralogie und Finanzwesen hörte. 1790 legte Becker erfolgreich seine Examen ab und veröffentlichte ein Jahr darauf die ihn dann ein Leben lang prägende Arbeit mit dem Titel „Beschreibung der Bäume und Sträucher, welche in Mecklenburg wild wachsen, zum Gebrauch der Landleute und Förster“.

Er überraschte mit diesem Werk, dem ersten gehölzkundlichen Regelwerk in Mecklenburg, selbst die Fachleute im Lande, und dem jungen Forsteleven wurde dann die Stellung eines Forstinspektors in der Rostocker Heide angeboten. Die Rostocker Heide ging nach dem Borwinschen Vertrag von 1252 in den Besitz der Hansestadt über. Seit dieser Zeit ist die Stadt mit dem etwa 6000 Hektar umfassenden Wald einer der größten städtischen Waldbesitzer in Deutschland. Die Heide ist der größte zusammenhängende Küstenwald Deutschlands mit 53 Prozent Nadelhölzern und 43 Prozent Laubhölzern.

Mit dem Eintritt von Becker in die Waldwirtschaft begann für die Heide die erste Blütezeit, denn der junge Forstmann führte eine Reihe neuer Methoden ein: Nachhaltige Aufforstung, Schaffung von Forstkarten und Baumzählungen, der Aufbau des Schneisennetzes und der Reviere, die Erstellung von Wirtschaftsplänen und die jährliche Holzernte nach dem Bedarf sowie das Anlegen von Baumschulen und Schonungen gehörten dazu.

Ludwig Dolberg, Pastor in Rövershagen und bedeutender Heimatkundler, berichtete in seiner „Küstenwanderung von der Warnow bis Wustrow“ ausführlich über die Rostocker Heide und das Wirken Beckers, der auch durch den Aufbau gemeinnütziger Anstalten den Bewohnern der Heidedörfer größere Annehmlichkeiten bescherte. Zu diesen Neuerungen gehörten die Industrieschule für Knaben und Mädchen, die Armenanstalt in Hinrichshagen und die Armen-Kasse sowie eine Dorfbibliothek, die erste überhaupt in Mecklenburg – alle in Rövershagen, wo sich auch das Forst-Departements befand. Von großer Bedeutung für den Erfolg der Waldwirtschaft sorgten auch das Holzmagazin in Wiethagen und die Teerschwelerei in Rövershagen.

Nachdem der hochverdiente Forstmann am 1. Juli 1841 sein 50-jähriges Amts-Jubiläum gefeiert hatte, war er zu demselben vom Großherzog mit dem Titel eines Forstmeisters geehrt worden. Die Landesuniversität Rostock verlieh ihrem einstigen Absolventen die Ehrendoktorwürde, die ihm auch von der Universität Kopenhagen überreicht worden war. Becker zog sich nun in das Privatleben zurück. Er starb 1852.

Zeit seines Lebens hat sich Becker mit naturwissenschaftlichen, ökonomischen und philosophischen Schriften und Büchern einen Namen gemacht. Erinnert sei an seine „Topographische Beschreibung des Heiligen Dammes zu Doberan“, „Über Waldungen und Forsten Mecklenburgs“ und die „Chronik von den Waldungen der Stadt Rostock“. Friedrich Hermann Becker war zudem Mitbegründer der „Versammlung deutscher Land- und Forstwirte.“

Beckers Sohn Eduard (1792-1880) trat in die Fußstapfen seines Vaters, wurde ein bekannter Forstwissenschaftler und Ökonom in Deutschland und lehrte als ordentlicher Professor an der Universität Rostock.

 


 

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