Osterbräuche MV : Der Hasenvater

„... wer‘s nicht kann, der darf auf Erden nie ein Osterhase werden“: An die Häschenschule und den Schöpfer der Langohren erinnert eine Skulptur in Rostock.
„... wer‘s nicht kann, der darf auf Erden nie ein Osterhase werden“: An die Häschenschule und den Schöpfer der Langohren erinnert eine Skulptur in Rostock.

In Rostock erinnert eine kleine Skulptur an Fritz Koch-Gotha, den Illustrator der berühmten „Häschenschule“

svz.de von
08. April 2017, 00:00 Uhr

Vor dem 10. Haus in der Rostocker Koch-Gotha-Straße, drei Querstraßen vom Hauptbahnhof entfernt, steht im ersten Grün des Frühlings eine kleine Skulptur: Ein Hasenlehrer bespricht von der Tafel aus mit einer Hasenklasse die Natur. Die Plastik ist ein halbes Jahr alt. Der Rostocker Bildhauer Joachim Friedrich schuf sie nach Motiven der „Häschenschule“. Die Kinderbuchreihe mit den Texten von Albert Sixtus (1892-1960) und den schulkritischen Illustrationen von Fritz Koch-Gotha (1877-1956) ist seit Jahrzehnten erfolgreich. Sogleich nach ihrem Erscheinen hatte die Bilderbuchgeschichte eine so hohe Auflage, dass Generationen noch heute Erstausgaben besitzen und an ihre Urenkel vererben, die schmunzelnd die Szenen der Hasenschüler mit ihrem hochaufgerichteten Hasenlehrer Jahr für Jahr zur Osterzeit betrachten.

Für die geistigen Väter Sixtus und Koch-Gotha waren die Hasenbändchen ein nicht erwarteter Erfolg mit nachhaltigem Ruhm, der bis zum heutigen Tag andauert: Schokoladen-, Spielzeug und Filmindustrie bemächtigten sich der Häschen und gestalteten nach den Bilderbuchseiten alle Erlebnisse so lebendig nach, dass auch das letzte, sehr abseits und einsam lebende Kind „Die Häschenschule“ kannte.

Fritz Koch-Gotha muss eine wunderschöne Kindheit auf dem Gutshof bei Gotha in Thüringen erlebt haben. Eine militärische Ausbildung nach dem Vorbild seines Vaters verschmähte er. Er zog den Besuch der Kunstschulen in Leipzig und Karlsruhe vor. Ein Studienjahr in Paris absolvierte er und Reisen durch Italien gaben ihm Kraft und Inspiration. Danach jedoch ließ er sich in Berlin nieder und arbeitete freischaffend als Pressezeichner für Zeitschriften. Sein Markenzeichen war die humorvolle Skizzierung von Menschen und Tätigkeiten mit markantem Strich. Einfach, einprägsam und treffend. Um sich von den zahlreichen Namensträgern Koch zu unterscheiden, wählte er den Zusatz Gotha, den Namen des Ortes in der Nähe seines Kindheitsparadieses, und erklärte lachend, dass es ja wohl viele Köche gäbe, aber nur einen Koch-Gotha.

In den Bombennächten des 2. Weltkrieges verloren Fritz Koch-Gotha und seine Ehefrau, die Malerin Dora Koch-Stetter (1881-1968), nicht nur Wohnung und Hausstand, es verbrannte auch das gesamte bis dahin geschaffene Werk an Skizzen, Zeich-nungen, Karikaturen und Gemälden. Völlig mittellos erreichte das Ehepaar Althagen auf dem Fischland, einen Ort, den es von Sommerferienaufenthalten seit 1922 kannte. Dort wagten beide einen Neuanfang. Fritz Koch-Gotha, inzwischen 60 Jahre alt, illustrierte die Bücher über das Fischland von Käthe Miethe – der Hinstorff Verlag Rostock verlegte sie. Er zeichnete außerdem für den Eulenspiegel, die Ostsee-Zeitung und NNN. Unvergessen blieben die Nachdrucke der geliebten „Häschenschule“.

Zu seinem 70. Geburtstag erhielt Fritz Koch-Gotha die Ehrenbürgerschaft der Hansestadt Rostock und die kleine Straße in der Bahnhofsvorstadt seinen Namen.

In der Osterzeit eines jeden Jahres stehen Hasenschwester und Hasenbruder mit ihren Hasenmitschülern zwischen der ganzen Hasenverwandtschaft aus Plüsch, Plastik und Schokolade in den Buchhandlungen. Auffällig dabei ist, dass fast jeder Besucher, und hat er es noch so eilig, danach greift. Sofort entspannen sich die Gesichtszüge und ein sonniges Lächeln zieht über Stirn und Wangen, wenn er liest: „Jedes Häschen nimmt gewandt einen Pinsel in die Hand, färbt die Eier weiß und rund, mit den schönsten Farben bunt – wer‘s nicht kann, der darf auf Erden nie ein Osterhase werden.“ Die putzige Zeichnung unterstreicht das fröhliche Treiben mit Einzelheiten voller Spaß.

Ostern ist eine amüsante Zeit. Sie weckt Kindheitserinnerungen an niemals gefundene Osterüberraschungen, an Nester auf dem Hof mit bunten Osterfrühstückseiern und Pfeffer - und Salzstreuer als Hasenmutter und Hasenvater, geformt nach den Skizzen von Fritz Koch-Gotha, an das Körbchen mit den Minibüchern der heiteren Hasenabenteuer im Weidenbaum, an den Lehrerhasen in der Hecke...

Ostern ist auch ein heiteres Fest – ein Fest für Kinder. Die Erwachsenen dürfen zuschauen und sich erinnern, an die Zeit, als sie zum ersten Mal „Die Häschenschule“ kennenlernten. Ein Büchlein, das die meisten niemals wieder vergaßen.

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