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Tatort Ludwigslust : Der Handwerker-Mord beim „Roten Krug“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wegen sechs Mark wurde ein Schmiedegeselle von seinen Reisekollegen getötet

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 00:00 Uhr

Im November 1895 waren in der „Herberge zur Heimat“ in Ludwigslust 540 Wanderer und Obdachlose einquartiert. Außer einer Schlafstätte erhielt ein Großteil dieser wandernden Handwerksburschen eine Vollverpflegung. Unbestritten gehören zu dieser bunt zusammengewürfelten Menschenmenge Franz Schulz und seine späteren Mörder.

Dem in Lübstorf beheimateten Schmiedegesellen Schulz, der am Sonntag in der Herberge eintrifft, kommt es jedenfalls in der hiesigen Gegend und im Umfeld der Herberge unheimlich vor. Aus diesem Grund will er noch am Abend mit dem Zug nach Hamburg weiterreisen. Er hat aber aus heute nur noch vermutbaren Gründen kurzfristig seinen Plan geändert. Erst am Montag verlässt er gegen 10 Uhr vormittags das Nachtquartier. Auf seinem Fußmarsch nach Hamburg gesellen sich der in Köln wohnende Konditor Heinrich Schmitz und der Schuhmachergeselle Falk aus Auerhammer dazu. Beide haben ebenfalls in der „Herberge zur Heimat“ in Ludwigslust die Nacht verbracht und wahrscheinlich schon dort den Mordplan geschmiedet.

Der Weg der wandernden Handwerker führt über die heutige B 5 durch Kummer bis zum „Roten Krug“, den die beiden Letztgenannten betreten, um Alkohol zu trinken. Auf die Frage der Wirtin, warum der dritte Mann draußen nicht mit eingetreten sei, antworten die Trinker: „Der kann noch keinen vertragen“. Der Schmiedegeselle Schulz hält sich während dieser Zeit in Nähe der Straße auf, die zur damaligen Zeit menschenleer ist. Nach Verlassen des „Roten Krugs“ führt der gemeinsame Weg bis kurz vor die Stelle, an der der Alt-Krenzliner Weg von der Straße abzweigt. Zu dieser Zeit, es ist 1 Uhr mittags, beginnt am Kilometerstein 28 der Kampf, bei dem der Schmiedegeselle Franz Schulz sein Leben lässt. Aus dem mitgeführten Ranzen des Schmiedegesellen entwenden die Mörder einen Hammer, mit dem sie dann auf ihr Opfer einschlagen. Mit 16 Schlägen zertrümmern sie die Schädeldecke des jungen Menschen. Dann schleifen ihn die Täter 26 Meter weit in das Tannendickicht. Bei diesem Raubmord fallen den Tätern sechs Mark in die Hände. Nach Auffinden der Leiche wird diese zum Peterschen Erbpachthof, dem so genannten „Kamerun“ (ehemaliges Forsthaus) gebracht. Hier sind die Wanderer kurze Zeit vor dem Verbrechen durch Betteln aufgefallen. Die Mörder werden kurz darauf festgenommen. Sie erwartet die gerechte Strafe. Einen Monat nach dem Mord gedenken die Wanderer, die Weihnachten 1895 das Weihnachtsfest in der Herberge zur Heimat in Ludwigslust verbringen, des auf so grausame Art ermordeten Wandergesellen mit einer Schweigeminute. Die Presse berichtete Jahre später: „In den Krenzliner Tannen, beim Kilometerstein 28 an der Berlin-Hamburger-Chaussee, an der Stelle, an der am 25. November 1895 der Schmiedegeselle Franz Schulz wegen sechs Mark von zwei Reisekollegen ermordet wurde, ist auf Veranlassung von dessen Angehörigen ein Monument mit Gedenktafel errichtet...“ Wenig erinnert heute noch an den Mord vor 121 Jahren. Nur die vermauerten Felssteine des Monuments, die einst die verschwundene geschliffene Granitplatte des Gedenksteines umrahmten, wurden nach längerer Suche für diesen Bericht wieder aufgefunden.

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