Einnahmequelle : Der Elbzoll bei Dömitz

Eingang der Festung Dömitz
Eingang der Festung Dömitz

Die Station war eine sprudelnde Einnahmequelle. Die Särge Otto von Guerickes und Carl Maria von Webers passierten hier den Fluss

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26. Mai 2017, 13:11 Uhr

Was haben Otto von Guericke, Peter der Große, Carl Maria von Weber und Helmuth von Moltke gemeinsam? Alle vier haben einen Bezug zu Dömitz oder besser gesagt zu dem Gebiet zwischen Dömitz und Kaltenhof an der Elbe.

Kaltenhof war ein Vorwerk des Herzogs von Mecklenburg. Als Vor- oder Außenwerke, französisch les dehors, bezeichnete man im Allgemeinen alle außerhalb des Hauptwalls einer Festung befindlichen Werke, welche einen Angriff auf den Hauptwall möglichst lange abzuhalten hatten. In der Landwirtschaft sind Vorwerke ein vom Hauptgut getrennter Teil mit eigenen Wirtschaftsgebäuden. Da das linkselbische Kaltenhof wohl kaum als Vorwerk für die rechtselbische Festung Dömitz gedient haben kann, ist das kleine Dorf als landwirtschaftliches Vorwerk im Domanium des Herzogs bzw. Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin zu verstehen.

Durchfuhren Schiffe die Elbe zwischen Kaltenhof und Dömitz, wurde für die mitgeführten Waren Zoll erhoben. Bereits 1237 wurde in Dömitz eine Zollstätte bezeugt. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges bestätigte der Kaiser im Westfälischen Frieden 1648 dem Herzog von Mecklenburg die Erhebung von Elbzöllen in Dömitz und Boizenburg. Gleichzeitig machte er das Zugeständnis, dass die Zolleinnahmen bis zu einer Summe von 200 000 Talern von der Reichssteuer befreit waren. Die Summe von 200 000 Talern wurde allein in Dömitz im 17. und 18. Jahrhundert jährlich weit überschritten, so dass die Zollerträge zu den wichtigsten Einnahmen des Herzogs von Mecklenburg gehörten. Nicht von ungefähr hatte der mecklenburgische Landesherr in Dömitz eine Festung bauen lassen, die zum einen die Landesgrenze schützen und zum anderen der Erhebung des Elbzolls Nachdruck verleihen sollte.

Anfang des 17. Jahrhunderts gab es entlang der Elbe 47 Zollstellen. Die der Schifffahrt hinderlichen zahlreichen Elbzölle wurden erst durch die Elbschifffahrtskommission am 23. Juni 1821 abgeschafft und statt derselben ein einziger Elbzoll mit festem Tarif nach vier Klassen eingeführt. Der Stader Elbzoll wurde 1861 aufgehoben, der Dömitzer 1863. Noch 1858 ergaben die Zolleinnahmen in Dömitz 2466 Taler. Am 1. Juli 1870 wurde die letzte Zollstätte an der
Elbe bei Wittenberge geschlossen.

Bis dahin wurde in Dömitz fleißig Zoll erhoben, selbst für auf Schiffen mitgeführte Särge. Das betraf auch den berühmten Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke (1602-1686). Die Erfindung der Luftpumpe und die sensationelle Vorführung der sogenannten „Magdeburger Halbkugeln“, die das Vakuum bewiesen, hatten ihn zu einem der bedeutendsten Physiker seiner Zeit werden lassen. Otto von Guericke starb in Hamburg. „Weil bei Guerickes Ableben 1686 in Hamburg Krieg und Pest herrschten, war die Überführung des Toten nur unter Umgehung der Städte auf der Elbe möglich. Tatsächlich fand man jetzt in den Zollakten vom 15. Juni 1686 aus Dömitz an der Elbe den Hinweis, dass ein Schiffer den Leichnam Guerickes in einem fast sieben Zentner schweren und dreifachen Sarg aus Eiche, Zink und eisenbeschlagenem Kiefernholz mit sich führte“, berichtete die Zeitung „Der Morgen“ am 8. Januar 1981.

Auch die sterblichen Überreste des Begründers der Deutschen Nationaloper Carl Maria von Weber (1786-1826) wurden mit Hilfe eines Elbschiffes überführt. Der Künstler starb während eines Gastspiels in London. Erst im Dezember 1844 wurde die Leiche von London nach Hamburg gebracht. Von dort wurde der Sarg auf einem größeren Elbkahn stromaufwärts an Dömitz vorbei bis Wittenberge und von dort per Eisenbahn nach Dresden gefahren.

Im Großen Nordischen Krieg kam Zar Peter der Große (1672-1725) ins Dömitzer Gebiet. Mit einer luxuriös ausgestatteten Jacht, die ihm der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) als neuer Bündnispartner im Krieg gegen Schweden geschenkt hatte, segelte der Zar am 28. November 1716 von Havelberg auf der Havel und dann auf der Elbe über Dömitz und Boizenburg in Richtung Hamburg.

Der spätere Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke (1800-1891) wurde 1845 persönlicher Adjutant beim Prinzen Heinrich von Preußen in Rom. Als der Hohenzollernprinz 1846 in der Ewigen Stadt starb, erhielt Major von Moltke vom König den Auftrag, den Verstorbenen einbalsamieren zu lassen und den Leichnam auf der Kriegskorvette „Amazone“ nach Deutschland zu überführen. Auf dem Mittelmeer wurde Moltke seekrank und ging in Gibraltar von Bord. Er fuhr mit der Eisenbahn durch Spanien und Frankreich nach Hamburg, um die Korvette zu empfangen. Der Sarg mit dem Prinzen wurde auf ein Dampfschiff umgeladen, das Elbe und Havel aufwärts bis Berlin fuhr. Dabei kam der Dampfer mit Moltke an Bord am 4. November 1846 nach Dömitz, wo er am „Zollstangen“ für den mitgeführten Sarg selbstverständlich einen Betrag entrichten musste.

Hartmut Brun

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