Bienenfresser : Der bunteste Vogel von allen

Imker brauchen sich keine Sorgen zu machen. Der Bienenfresser findet auch Wespen sehr lecker.
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Imker brauchen sich keine Sorgen zu machen. Der Bienenfresser findet auch Wespen sehr lecker.

Der Bienenfresser schaut immer häufiger bei uns im Norden vorbei

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19. Mai 2017, 12:59 Uhr

Im vorigen Jahr gab es wieder einmal einen Einflug von Bienenfressern in Mecklenburg-Vorpommern und etliche Paare brüteten sogar im Osten des Landes. Die Vogelkundler des Ornithologischen Arbeitskreises MV berichteten während ihrer Jahrestagung im Februar dieses Jahres darüber.

Es könnte schon sein, dass die eigentlich in Südeuropa heimischen Vögel im Zuge der Klimaveränderungen häufiger in unserem Bundesland erscheinen können, denn immer mehr südliche und östliche Floren- und Faunenelemente erweitern ihr Verbreitungsgebiet in Richtung Norden. Sogar in Südschweden und Dänemark gab es schon sporadische Brutansiedlungen. Bienenfresser mögen warme und trockene Sommer. Schon deswegen, weil bei warmem und sonnigem Wetter ihre Beute – größere Insekten aller Art – fliegt und dann leicht zu erjagen ist.

Besonders gern mögen die schlanken und bunten Vögel Libellen, aber auch Wespen, Hornissen, Käfer, größere Fliegenarten und freilich auch, wenn es sich anbietet, Bienen. Doch nun braucht kein Imker in Mecklenburg aufzustöhnen: Der Anteil der Honigbiene am Beutespektrum der Bienenfresser ist sehr gering, wenn nicht gerade ein Imker auf die Idee kommt, seinen Bienenwagen dicht neben eine Bienenfresser-Brutkolonie zu stellen. Dafür tun die Bienenfresser das Ihre, um die spätsommerliche Wespenplage abzumildern.

Die Gefährdung der Honigbiene in unserem Land hat dagegen andere Gründe, darunter die starke Verringerung der Artenvielfalt durch die Intensiv-Landwirtschaft, was zum Verschwinden vieler Wildpflanzenarten führt. Diese wiederum stellen einen Großteil der Bienen- und Wildbienennahrung dar.

Bienenfresser brauchen zum Nisten Steilhänge ehemaliger Sandgruben, wo sie eine über einen Meter lange Brutröhre in den Lehm oder Sand graben. Bis in den Juli hinein sitzen dann die brütenden Bienenfresser auf ihren fünf oder sechs Eiern in der Dämmerung unter der Erde. Drei Wochen lang müssen sich Männchen und Weibchen beim Brüten abwechseln, bis schließlich die Jungen schlüpfen. Die müssen nun mehr als vier Wochen in ihrem unterirdischen Kinderzimmer aushalten, bis sie die Brutröhre verlassen können. Jungvögel schließen sich gelegentlich zu Trupps zusammen und streifen dann weit umher. Mit anderen Vogelarten zu verwechseln sind Bienenfresser kaum: Besondere Kennzeichen sind der lange, gebogene Schnabel und das prächtig bunt leuchtende Gefieder.

Charakteristisch ist auch der melodische Ruf, der weit zu hören ist. Die am häufigsten angewandte Jagdart der Bienenfresser ist die Ansitzjagd. Dabei verbrauchen die Vögel wenig Energie, denn nur ein kurzer Flug ist nötig, um die Insekten zu erhaschen. Das Insekt wird zum Zweig gebracht und wenn es sich um einen Stachelträger handelt, zunächst einige Male auf den Zweig geschlagen und so „entgiftet“. Dazu reibt der Bienenfresser den Hinterleib des immer noch mit dem Schnabel gehaltenen Insekts einige Male gegen eine feste Unterlage. Mit dem Schnabel wird der Unterleib vom Gift leer gedrückt und anschließend sogar noch abgewischt. Erstaunlicherweise können Bienenfresser sehr genau giftige von ungiftigen Insekten unterscheiden. Fangen die Bienenfresser eine Schwebfliege, die manchmal den Wespen ähnlich sieht, so wird das Entgiften und Abwischen unterlassen.

Wichtig für den Schutz der Bienenfresser und auch für die stark gefährdeten Uferschwalben ist: Steilhänge beispielsweise von alten Sandabbaugebieten, die potenzielle Brutmöglichkeiten darstellen, sollten unbedingt erhalten werden.

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