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Otto Marcus : Der berühmte Unbekannte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Otto Marcus steht in Deutschland in einer Reihe mit den großen Malern seiner Zeit

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erstellt am 14.Jan.2017 | 00:00 Uhr

Der im mecklenburgischen Malchin geborene Otto Marcus, später als Historienmaler, Grafiker und Karikaturist international von hohem Range, ist in seiner einstigen Heimat fast ein Namenloser. Auf Bilder und Grafiken mit dem Signet Otto Marcus, die dem Kunst- und Bücherfreund begegnen, soll im Folgenden aufmerksam gemacht werden. Eine Grafik mit Schwerin-Motiv aus den 1890er- Jahren mit dem Titel „Ruderregatta Schwerin“ zeigt zugleich des Künstlers Verbundenheit mit Mecklenburg und seine Liebe zu Schwerin.

Wer war Otto Marcus? Wie der Erfinder, Ingenieur und Mechaniker Siegfried Marcus, der insbesondere in Wien als vermeintlicher Erfinder des Automobils noch einen weltweiten Ruf genießt, entstammt er der Malchiner Gemeinde. Otto Marcus wurde am 15. Oktober 1863 als Sohn des Malchiner Kaufmanns Louis (Levy) Marcus und seiner aus Schwerin stammenden Ehefrau Rosa geb. Jaffé geboren. Er hatte sechs Geschwister, erhielt jüdischen Religionsunterricht, besuchte zunächst die städtische Schule in Malchin und ging dann später auf das Schweriner Gymnasium. In Schwerin wohnte auch ein Großteil seiner Verwandtschaft.

Als 16-Jähriger (1879) ging er nach Wien und begann dort seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste. In Wien blieb er bis 1882 und erlernte dann bis 1886 in München an der Kunstakademie das Handwerk eines Historienmalers. Mit diesem speziellen Zweig der Malerei wurde er später vornehmlich bekannt. 1886 leistete er seinen einjährigen Militärdienst und ging 1887 zu neuen Studien nach Paris, hielt sich noch in Italien auf, ließ sich danach im Jahr 1890 in Berlin nieder. In Berlin war er als Illustrator für verschiedene Verlage tätig, darunter der Verlag Dietz, die Berliner Morgenpost und die Berliner Illustrierte.

Die beliebte SchwerinerRuderregatta hielt Otto Marcus in den 1890er-Jahren fest.
Die beliebte SchwerinerRuderregatta hielt Otto Marcus in den 1890er-Jahren fest. Foto: Horst Zänger
 

Marcus engagierte sich sehr für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der bildenden Künstler. Dafür brachte er auch persönliche Opfer, indem er seine Unterrichtstätigkeit aufgab und somit seine Pensionsberechtigung verlor. Marcus war 1899 Mitglied der Jury für die Ausschmückung des Hamburger Rathauses. War 1901 bis 1927 Lehrer für Aktzeichnen an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums, der späteren Vereinigten Staatsschule für freie und angewandte Kunst. Auf der Weltausstellung in St. Louis/USA erhielt sein Bild „Auf der Mole von Concarneau“ 1904 eine Silbermedaille, auf der Großen Berliner Kunstausstellung das Bild der Tänzerin „Maud Allan“ eine Goldmedaille. Zwischen 1896 und 1929 an vielen Ausstellungen vertreten, schuf er zugleich Wandbilder unter anderem in Ratshäusern von Hamburg-Altona und Quedlinburg. 1913 war er Mitbegründer des Wirtschaftlichen Verbandes bildender Künstler, später Reichsverband bildender Künstler Deutschlands, und war deren Generalsekretär bis 1931. Verheiratet war Marcus mit der aus Magdeburg stammenden Malerin Elisabeth Sendler.

Die 1909 geborene Tochter Ruth stand ihrem Vater oft für Bilder Modell. So für das Bild „Pirott“, 1927 in einem „Mecklenburgischen Monatsheft abgebildet. Ruth widmete sich schon früh dem klassischen Tanz. Das Staatliche Museum Schwerin ist im Besitz eines Ölgemäldes „Menuett“ aus dem Jahr 1920. Es zeigt die elfjährige Tochter Ruth „in Vollfigur, sich mit beiden Händen das Spitzenröckchen hebend, im Menuett-Schritt bewegend“.

Auf der großen Berliner Kunstausstellung 1920 ausgestellt, wurde das Bild 1921 vom Schweriner Landesmuseum für 6000 Mark vom Künstler erworben. Als Leihgabe diente es zunächst der Ausstattung des Vorraumes der Intendantenloge des Mecklenburgischen Staatstheaters. Jetzt befindet es sich im Depot des Staatlichen Museums.

Ruth Marcus war als ausgebildete Solotänzerin auf Berliner Bühnen, in Hannover, Basel, London und in der Tschechoslowakei engagiert. In Basel änderte sie 1933, infolge der politischen Situation, ihren Familiennamen in Sendler, den Mädchennamen ihrer Mutter.

1938 ging sie nach London und arbeitete als Choreografin. 1939 emigrierte ihr Vater Otto Marcus ebenfalls nach London, ließ seine christliche Frau in Deutschland zurück. Der Maler lebte während des zweiten Weltkriegs in England unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, konnte aber noch einige Ausstellungen beschicken. 1949 erhielt er vom Internationalen Künstlerverband in London die Ehrenmitgliedschaft. Marcus steht in Deutschland in einer Reihe mit den berühmten Malern seiner Zeit. Am 5. Dezember 1952 starb Otto Marcus in London.

Im Jahr 2002 fanden Bauarbeiter im ehemaligen Geschäftshaus seines Schweriner Bruders Heinrich, der in der Königstraße 51/53, heute Puschkinstraße, ein Wäschegeschäft betrieb, zahlreiche Grafiken, Fotos und Skizzen, die Otto Marcus zugeschrieben werden und die sein Bruder wohl vor seiner Emigration nach Luxemburg im Jahr 1939 hier versteckt hatte.

Leider gelten diese Werke, die sicher eine ebenso angemessene Wertschätzung verdienen, heute als verschollen.

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