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Johann Friedrich Krahnstöver : Das Lustschiff und sein Kapitän

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Rostocker Johann Friedrich Krahnstöver führte die großherzogliche Segeljacht

„Steuermann auf unserem Lustschiffe“ – so lautete der Titel des Engagements, das der Rostocker Johann Friedrich Krahnstöver am 26. März 1823 von Großherzog Friedrich Franz offiziell erhielt. Kurze Zeit später wurde er Schiffskapitän und hatte am Ende seiner Amtszeit 1857 drei Großherzögen gedient, nämlich nach Friedrich Franz I. auch Paul Friedrich und dessen Sohn Friedrich Franz II. Krahnstöver starb am 3. Juli 1870 an einem Herzleiden.

Zu diesem Zeitpunkt war er 75 Jahre alt. Als Sohn des Rostocker Kapitäns Hinrich Christoffer Krahnstöver war Johann Friedrich am 25. Juli 1795 geboren worden. Seine Seemannslaufbahn begann 1813 bei seinem Schwager, dem Schiffer Riege. Mehrere Jahre fuhr Krahnstöver zur See, bevor er 1819 bei Schiffer Groth erstmals als Steuermann anmusterte. Unter Kapitän Eichmann heuerte er 1822 als Steuermann auf dem großherzoglichen Schiff Alexandrine an und übernahm, als Eichmann ein Jahr später in den Ruhestand ging, dessen Funktion. In einem 1823 aufgesetzten Schreiben des Großherzogs an Johann Friedrich Krahnstöver, das im Landesarchiv in der Personalakte des Kapitäns verwahrt wird, beschreibt der Regent unter anderem Krahnstövers Aufgaben, nämlich „... Unser Schiff und Schaluppe nebst allem Zubehör von Eichmann gegen ein darüber aufzunehmendes und von ihm zu quittierendes Verzeichnis entgegenzunehmen und auf deren Konservation alle mögliche Sorgfalt anzuwenden, damit solches in gutem Zustand erhalten werde, auch übrigens alles das getreulich zu erfüllen, was er als Unser Schiffskapitän zu leisten schuldig und verbunden ist“.

Krahnstövers jährliches Gehalt erhöhte sich von 200 auf 400 Reichstaler. So richtig gereicht hat das Einkommen allerdings wohl nie, wie diesbezügliche, allerdings vergebliche Briefe an den Großherzog mit der Bitte um Gehaltserhöhung belegen. Auch sein Verweis auf stetig steigende Kosten für Lebenshaltung und Kindererziehung fanden kein Gehör beim Landesherrn. Johann Friedrich Krahnstöver hatte fünf Kinder zu versorgen.

Die Lithografie zeigt die Ankunft der großherzoglichen Schaluppe in Warnemünde.
Die Lithografie zeigt die Ankunft der großherzoglichen Schaluppe in Warnemünde.
 

Über den übrigen Inhalt der beiden zitierten Briefe hinaus ist jene Aussage von besonderem Interesse, die von „Unser Schiff und Schaluppe“ berichtet. Damit bestätigt sich, dass Krahnstöver zwei Schiffe führte. Dabei handelt es sich den Archivalien nach um ein Schiff, das auf dem Schweriner See fuhr und ein weiteres, das zu Fahrten zwischen Heiligendamm und Warnemünde eingesetzt wurde. Die großherzogliche Schoneryacht „Alexandrine“ war 1822 gebaut und in Dienst gestellt worden. Sie fuhr als Staats- oder Lustschiff auf dem Schweriner See. Benannt war sie nach Großherzogin Alexandrine, die eine Tochter Friedrich Wilhelms III. von Preußen und seiner Frau Luise, der einstigen Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, war.

Im Juni 1827 wurde Großherzog Friedrich Franz mit seiner Schaluppe in Warnemünde begrüßt. Eine von August Achilles geschaffene Lithografie hält dieses Ereignis fest. Sie zeigt eine Staatsyacht als einmastige Schaluppe. Die Warnemünderin Anna Garve, geb. Michaelsen, erlebte den Besuch als sechzehnjähriges Mädchen in der Warnemünder Vogtei. Hier war ihr die Aufgabe zugefallen, dem Herrn Großherzog ein Gedicht aufzusagen, während ihre Freundinnen Blumen überreichen sollten. „Ann’n Abend kreeg Kaptain Krahnstever, de den Großherzog sein Schipp fiehren deer, Bescheed, he sill uns jungen Dierns mit an Buurd nehmen“, erzählt sie. Dass sie dann doch in einem Boot nebenher fuhren, ist eine Geschichte für sich. Nacherzählt wird sie in den Beiträgen zur Geschichte der Stadt Rostock, 1903, Band III, Heft 4, Seite 89 ff.

Vor seinem Abschied im Jahre 1857 erhielt Krahnstöver angesichts des Zustandes der Schaluppe die großherzogliche Anweisung, ein neues Schiff in Auftrag zu geben. Der Kapitän schrieb daraufhin dem Landesherrn mit allerlei Höflichkeitsfloskeln einen Bittbrief: „ ... da nun durch diesen Neubau die vormalige Schiffsschaluppe überflüssig wird, auch zum ferneren Gebrauch am Heiligen Damm einer großen Reparatur bedürfte, so wage ich die alleruntertänigste Bitte, Euer Königl. Hoheit wollen allergnädigst geruhen und mir dieselbe mit Zubehör zum Andenken an das von mir so lange Jahre geführte Schiff huldreichst zu verleihen...“

Die Antwort fiel knapp und abschlägig aus: „Dem von dem Schiffskapitän Krahnstöver in Rostock unterm 16. d. M. Uns vorgetragenen Gesuche, um Verleihung der am Heiligen Damm gebrauchten nunmehr abgängig werdenden Schiffsschaluppe, kann nicht gewillfahret werden. Gez. FFGM.“ Was Krahnstöver mit dem altersschwachen Schiff vorhatte, ist unbekannt. Der Kapitän galt als schrullig und eigenartig, dennoch aber als gutmütig, wie Geschichten in „Köhlers Flottenkalender“ berichten. In den Ruhestand getreten, verbrachte er seinen Lebensabend in seiner Heimatstadt Rostock.

 

Hans-Heinrich Schimler

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