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825 Jahre Plate : Das blaue Wunder von Plate

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

825 Jahre Plate – Geschichten aus der Chronik: Als noch die Dudelsackpfeifer an der Brücke spielten

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 16:06 Uhr

Die Ampeln schalten in gleichmäßigem Rhythmus. Der Autoverkehr rauscht, hin und her. Halb Plate überquert täglich die Störbrücke. Bahnfahrer eilen zum Zug, Mütter schieben die Kinderwagen darüber, Senioren ihren Rollator. Frauen und Männer tragen ihre Einkäufe nach Hause, Schulkinder ihren Ranzen. Radfahrer sind unterwegs, oft auch auf den Fußwegen an der Brückenseite. Unerlaubterweise, aber „es geht schneller, man muss dann kein Ampelgrün abwarten“.

Die Plater mögen ihre Brücke und hassen sie: Im Sommer jedenfalls, wenn sie ein paar Mal am Tag für den Schiffsverkehr angehoben wird. Zehn Minuten Warten in der Sonne sind manchem zu viel. Gelassen betrachten andere auf der Holzbank nebenan das Spektakel. Und völlig unbewegt sehen „Heini und Bubi“ zu, die beiden großen Holzfiguren des Anglervereins. Die Brücke ist ein besonderer Teil von Plate und hat es immerhin bis ins Ortswappen geschafft. Hubbrücke ist die Plater Brücke erst seit 2006. Vorher war sie Zugbrücke und das wohl schon sehr lange, wenngleich in unterschiedlichsten Ausführungen. Die nur sechsmonatige Umbauzeit 2005/2006 feierten die Plater angemessen. Besonders die Autofahrer waren heilfroh über das Ende der Umleitungen.

Die meiste Zeit ihres Lebens war die Brücke über die Stör wohl mehr oder weniger marode. Diesen Eindruck hinterlassen wenigstens die schriftlichen Überlieferungen in den Archiven. 1789: „Die Plater Brücke ist sehr schadhaft und kann zur Zeit nicht aufgezogen werden“. 1808 wird über den schlechten Zustand der Plater Klappbrücke geklagt. Und 1839 werden 16 Stück eichene Bohlen für die Reparatur angefordert (Quelle: Ortschronik) . Es muss ein geräuschvolles Gerumpel der Fuhrwerke und Handwagen auf der Brücke gewesen sein damals. 1930 siegte die Technik über die Muskelkraft des Brückenwärters. Der hatte zum Öffnen der Brücke noch 10 Minuten gebraucht. Mit einer elektrisch betriebenen Winde war das in 65 Sekunden erledigt.

Gleich nach Kriegsende 1945 war die Stör Grenze in Plate. Das Oberdorf hielten die Amerikaner besetzt, das Unterdorf die Russen. Niemandsland: die Störbrücke. Mit Schlagbaum und Personenkontrolle. Nach wenigen Wochen wechselte die Besatzung im Oberdorf. Die Engländer kamen und mit ihnen ein Ritual, das Plate noch nicht erlebt hatte. Denn dieser schottische Truppenteil errichtete ein Schilderhaus am Schlagbaum und löste seine Wache alle vier Stunden mit Dudelsackbegleitung ab. Viel Wasser ist seitdem die Stör heruntergeflossen. Heute kann man bequem am Geländer stehen, ins Wasser spucken und darüber sinnieren, wie Brücken verbinden und trennen können.

 

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