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Blick in die Geschichte : Boizenburger auf Mäusejagd

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Hoch auf die Kammerjäger: In der Elbe-Stadt und ihrer Umgebung plagten sich die Menschen mit tierischen Problemen herum

Schwer vorstellbar, aber Realität ist, dass es 1879 in Boizenburg und Umgebung eine große Mäuseplage gab, die den Menschen sehr zu schaffen machte. Als der Magistrat das Legen von vergiftetem Weizen verbot und am 16. Mai 1879 mit einer Anzeige im „Wochenblatt für Boizenburg, Hagenow, Wittenburg und Umgegend“ bekannt gab, gründeten Bürger der Elbe-Stadt den „Mäusevertilgungsverein“.

Und L. Herolds Buchhandlung warb am 27. November 1880 mit einem Inserat für die „Anleitung zur sicheren Beseitigung von Ratten, Mäusen, Schwaben, Wanzen, Flöhen, Mücken, Motten, Ameisen, Fliegen, Grillen, Heimchen, Kornmotten, Kornkrebsen, Raupen, Schnecken, Erdflöhen, Ungeziefer aller Bäume und Pflanzen sowie allerhand Raubzeugs als Marder, Wiesel, Iltis, Maulwurf, Hamster.“ Als „Schwaben“ wurden übrigens Schaben bezeichnet, für die der Volksmund ganz verschiedene Bezeichnungen auf Lager hatte.

Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts boten „Kammerjäger“ ihre Dienste an. Ein Inserat vom 21. August 1920 in der „Elb-Zeitung“ lautet: „ Kammerjäger Gustav Urbach, Wandsbek-Hamburg, Geschäft gegründet 1898, kommt in den nächsten Tagen nach dort zur Vertilgung von Ratten, Mäusen, Kakerlaken, Ameisen, Wanzen, Pferdeläusen usw.“

Auch Kammerjäger Knode & Co. bot seine Dienste in der „Elb-Zeitung“ an. Er versprach „Ratten und Mäuse wirklich radikal unter Garantie zu vertilgen, auch Schwaben, Wanzen und Feldmäuse wollte er vernichten. Der Schlusssatz seiner Anzeige vom 21. Augsut 1920 lautet: „Wir übernehmen auch ganze Ortschaften.“ Kammerjäger wurden damals gebraucht. Im Protokoll der Stadtverordnetensitzung vom 1.November 1919 heißt es: „Die Stadtverordneten sind mit dem Preis von 320 Mark für die Vertilgung der Wanzen im Schwarzen Speicher einverstanden und bewilligen die Summe“.

Der Schwarze Speicher war damals das Boizenburger Armenhaus. In den Akten ist oft zu lesen, dass die Insassen von Ungeziefer, in diesem Falle von Läusen, stark besetzt waren und sich nicht davon reinhalten konnten. Probleme anderer Art gab es jahrzehntelang mit dem Federvieh. Die Tiere verließen den heimischen Hof und liefen kreuz und quer durch die Elbe-Stadt. Ihre Lieblingsziele waren der Kirchplatz und der Wall.

Am 5. Juli 1889 erschien in der „Elb-Zeitung“ eine Anzeige des Magistrats: Infolge vielfacher Klagen von Gartenbesitzern über den Schaden, den ihnen das frei umherlaufende Federvieh verursacht, wird daran erinnert, dass es nach der Baupolizeiordnung überhaupt verboten ist, Federvieh anders als in einem dazu bestimmten abgeschlossenen Raume zu halten. Jeder Besitzer ist berechtigt, auf seinem Grundstücke betroffenes Federvieh zu pfänden und von dem Eigentümer desselben da im §22 sub d des Feldfrevelgesetzes vorgeschriebene Pfandgeld zu erheben.“

Drei Jahrzehnte später gab es noch das gleiche Problem. Das beweist ein Inserat in der „Elb-Zeitung“ vom 5. Mai 1921 mit folgendem Text: „Den Hühner haltenden Anwohnern meines Gartens zur Nachricht, dass ich für das Leben der Tiere nach Betreten des Gartens keine Gewähr leiste.“ In der Vergangenheit gab es auch Probleme mit dem bei der Viehhaltung anfallenden Dung.

Eine Eintragung vom 26. Juni 1717 im Boizenburger Ratsprotokollbuch lautet: „Hinrich Boye beschwerte sich, dass Georg Heinrich Voß Witwe stets hinter Ihrem Stalle eine ganze Partie Mist auf der Gasse liegen hätte, so das kein Mensch den Orts gehen könnte, bath also, weil solches ihr und den Ihrigen zu etlichen Mahlen untersaget, es ihr mit Nachdruck zu verbieten, denn sie gleich andere Bürger den Mist auf ihrem Hofe lassen müsse.“

In der am 12. Februar 1884 in Schwerin mit großherzoglichem Siegel bestätigten „Straßenpolizei-Ordnung für die Stadt Boizenburg“ wurde angeordnet: „ Dünger darf auf der Straße nur dann gelagert werden, wenn die Beschränktheit des Hofplatzes oder Mangel eines Thorweges dieses nötig macht. Vor eingetretener Dunkelheit muss jedoch der Dünger wieder von der Straße entfernt sein, und muss die Straße nach beendeter Abfuhr sofort gereinigt resp. gespült werden.“

1880 hatte Boizenburg 3550 Einwohner, davon 233 Kuhhalter mit 464 Kühen. Zum Weiden kamen die Kühe morgens auf die Elbwiesen und gingen abends zurück in den Stall. Auf ihrem Weg durch die Stadt ließen sie ab und zu etwas fallen. Nach dem 2. Weltkrieg kümmerte sich ein Straßenkehrer mit Besen und Schaufel um die Sauberkeit der Straßen.


 

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