Geschichte : Bier zum Frühstück geschlürft

Bier wurde früher sogar mit Heilkräutern gemischt, etwa mit Salbei und Rosmarin.
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Bier wurde früher sogar mit Heilkräutern gemischt, etwa mit Salbei und Rosmarin.

Bereits im frühen Mittelalter war Gerstensaft das Hauptgetränk zu allen erdenklichen Gelegenheiten und allen Tageszeiten

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26. November 2015, 10:10 Uhr

Eines der wichtigsten Exportgüter der beiden mecklenburgischen Hansestädte Rostock und Wismar war schon seit dem frühen Mittelalter das Bier, das Hauptgetränk in jener Zeit und über Jahrhunderte. Das lag daran, dass es durch den Brauprozess zu den gesündesten Nahrungsmitteln gehörte, weil dem Wasser bis auf die Quellen die Sauberkeit fehlte. Reines Bier in unterschiedlichen Formen gab es praktisch zu allen Tageszeiten, ob in Klöstern, Patrizierhäusern, Burgen oder den einfachen Katen.

Schon morgens begann es mit der Biersuppe, abends wurde ein Warmbier gereicht, gelegentlich mit Milch und Eigelb vermengt. Wer zu den Begüterten gehörte, mischte es mit Zucker und Gewürzen. Bier wurde vermischt mit Heilkräutern – mit Salbei zum Beispiel, und das half gegen Zahnschmerzen und mit Rosmarin, wenn etwas mit den Nerven nicht stimmte. Regional gab es die unterschiedlichsten Biergerichte, und es wurden Biersuppen mit Fleisch, mit allen Getreidearten wie Dinkel und Hirse, Weizen und Roggen, mit Gemüse und Schwarzbrot verzehrt.

Eine bekannte Suppe war diese: zwei Liter Schwarzbier, 250 g altes Schwarzbrot, je einen Teelöffel Kümmel, Ingwer und Zimt sowie Butter und Zucker. Zumeist wurde zur bekömmlichen Suppe aber Dünnbier genommen und schon Kinder bekamen sie zu essen. Bier gab es zu allen Anlässen, etwa zur Taufe als Kinnebier, zum Richtfest als Schlussbier oder nach dem Begräbnis als Leichenbier.

Das Bier, das seit etwa 8000 Jahren schon bei den Sumerern und Babyloniern bekannt war und geschätzt wurde, das als ältestes alkoholisches Getränk gilt und auch den Göttern geopfert wurde, erfuhr im Mittelalter durch die Klosterbrauereien und die Mönche einen enormen Aufschwung in Nordeuropa und gewann eine neue Qualität durch den Einsatz von Hopfen und das 1516 in Bayern verabschiedete Reinheitsgebot für Bier. Das alles hatte seine Auswirkungen auch auf das mecklenburgische Brauwesen und auf den Anbau von Hopfen im ganzen Land. Hopfengärten gab es schon um 1300 im Umland von Rostock und Wismar, bald darauf in Grabow, Neubrandenburg und Parchim. Aus der letztgenannten Stadt wurde der Hopfen mit gutem Gewinn nach Hamburg und Lübeck ausgeführt.

Gute Erträge wurden zudem im Großraum Neubrandenburg erzielt. In einer Schilderung des ökonomischen Zustandes dieser Region wurde hervorgehoben, dass der Neubrandenburger Hopfen „wegen seiner Kraft, und auch darum, dass er gar rein und blätterlos gepflückt, allen anderen Hopfen vorgezogen und am liebsten gekauft wird.“ Die Hauptausfuhr dieses Hopfens ging nach Rostock. Hier wurde die Pflanze besonders geschätzt und „durfte nicht unter der Hand und außerhalb des Hopfenmarktes aufgekauft werden“. Die Brau-Ordnung der Hansestadt schrieb vor, dass kein Hopfen aus Neubrandenburg, Strelitz oder Penzlin, der in Rostock lagerte, ohne Vorwissen des Rates verschifft werden durfte. Das bedeutete: Zuerst konnten die Rostocker Brauer auf diesen Rohstoff zugreifen, ehe er außer Landes ging.

Welche Bedeutung diese Pflanze besaß, wird sichtbar in der Anzahl der 250 Brauer, die es 1596 in Rostock gab – mit ebenso vielen 250 Brauhäusern, in denen jährlich 250  000 Tonnen Bier gebraut wurden.


1596 gab es in Rostock 250 Brauhäuser


Die Brauer bildeten die erste Klasse der vornehmen Bürger, und ihnen standen viele Privilegien zu, die den anderen Gewerben verweigert wurden. So konnten Brauer zur Hochzeit hundert Gäste einladen und ihre Frauen durften schwere goldene Halsketten und zudem goldene Ringe tragen. Zudem durften sie ihre Röcke und Mäntel mit Fuchs- oder Wolfspelz füttern lassen. Während sonst zu Hansezeiten in den Monaten von Anfang November bis Ende Februar kein Schiff sein Winterlager im Rostocker Hafen verlassen durfte, waren Schiffer, die Bier oder Heringe geladen hatten, von diesem Verbot nicht betroffen.

Diese wichtigen Exportgüter hatten Vorrang, denn von den 250  000 Tonnen Bier wurde gut die Hälfte exportiert. Auf welche Qualität damals schon geachtet wurde, unterstreichen die vielfachen Proben, die von den so- genannten Wrakern (Geschworene) genommen wurden. Sie prüften eine Kanne Bier von einem Brauer, der ihnen nicht bekannt war – also eine Blindverkostung – und entschieden, ob dieses Getränk über See verfrachtet werden durfte oder nicht.

Dabei handelte es sich um das Stark- oder Lagerbier, das sogenannte „Schifferbier“, ein sehr kräftiges braunes Getränk, das durch stärkeren Zusatz von Hopfen längere Haltbarkeit besaß. Die Bedeutung des Rostocker Biers wurde allseits geschätzt. Als die wendischen Hansestädte 1599 dem dänischen König ein Geschenk machten – es ging um den Erhalt von Privilegien, bestand dieses unter anderem aus zwei großen Silbergefäßen, gefüllt mit Gold- und Silbermünzen und zwei Last (1 Last = 2800 Liter) Rostocker Bier.

Eine Besonderheit waren in jener Zeit die Rostocker Bierschiffe, die in einer Art Liniendienst zwischen der Hansestadt und Helsingör verkehrten. 1586 waren es 90 solcher Schiffe. Wenn ein Schiffer aber das Schwachbier oder Covent – außer für den eigenen Gebrauch – mit an Bord führte, waren erhebliche Geldstrafen fällig, weil dieses Bier dem guten Gerstengetränk im Ausland einen Bärendienst erwies.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war im hiesigen Getränkeverbrauch ein Wandel eingetreten. Das Biertrinken kam in den „besseren“ Kreisen aus der Mode oder wurde sogar als rohe und überholte Sitte verachtet. Der Hopfenanbau in Mecklenburg war stark zurückgegangen, daher hatte das Bier nicht mehr die frühere Qualität. Neben dem Wein – gute Jahrgänge lagen bereits im 14. Jahrhundert in den sicheren Kellern der Rathäuser der größeren mecklenburgischen Städte – waren Liköre und Edelbrände gefragt. Bei den weniger Wohlhabenden war es der Branntwein. Zudem begann der Siegeszug von Kaffee, Tee und Schokolade.

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