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Fastnachtbräuche MV : „Bier saufen wie die Kuh Wasser“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei mecklenburgischen Fastnachtbräuchen ging es selten zimperlich zu – die Rostocker feierten vier ganze Tage lang

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 00:00 Uhr

Im Jahre 1936 schrieb Otto Vitensee in den Mecklenburgischen Monatsheften einen Bericht über die Altmecklenburgische Fastnacht. Er wies darauf hin, dass der Begriff „Fastnacht“ nichts mit Fasten zu tun hat. Ursprünglich hieß dieser Begriff Fasenacht oder Faßnacht und wurde von „Schwärmen bzw. Possen treiben“ abgeleitet.

Der Fastnacht am nächsten kommen heute der bayrische Fasching und der rheinische Karneval. In Mecklenburg hat es damals aber schon in der Nacht zum Aschermittwoch den Fastenabend gegeben, einen Tag mit ausgelassener Freude und mit reichlich Essen und Trinken.

Mancherorts feierte man sogar drei Tage. In Rostock waren es sogar vier Tage. Hier gingen die Feierlichkeiten schon am Sonnabend los. Das Bier floss dann in Strömen. Von Schwerin hieß es, dass der Rat mit den vermögenden Bürgern rund ein Dutzend Tonnen Bier geleert habe. Hier bezahlte jeder Teilnehmer seine Zeche. Manche gaben dem jeweiligen Gastgeber einen Scheffel Gerste, den dieser zu Malz vermahlen ließ.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Fastnachtdienstag. Am Fastelabend wurden in Stadt und Land riesige Festgelage ausgerichtet. Bei Umzügen gab es Fastelabendwürste, manche bis zu vier Meter lang. Sie wurden wie Girlanden auf Gaffeln getragen. Die Würste wurden vorher bei Hausschlachtungen groß und stark gestopft, aber wenig geräuchert, denn zum Fastnachtessen wurden sie gekocht. Bei anderen Feiern gab es auch Schweinsschinken und geräuchertes Ochsenfleisch. Die Bewohner der Dörfer bereiteten die Fastnacht schon Wochen vorher vor. Die Mädchen holten bunte Tücher, Bänder und Schleifen aus den Truhen hervor. Oftmals zogen auch Hausierer von Tür zu Tür, um solchen Schmuck anzubieten.

Der Dorfschulze versammelte am Sonntag vor Fastnacht auf seinem Hof alle Bauern, um festzulegen, wer diesmal sein ganzes Haus mit Tenne und Räumlichkeiten für den Fastelabend zur Verfügung stellen sollte.

Die Vorräte, ein Fass Branntwein, einige Tonnen Bier, eine Tonne Heringe und einen Sack voll Semmeln holten die Knechte schon am Montag auf einem vierbespannten Leiterwagen ab. Am Dienstmorgen waren dann die Musikanten und Spielleute dran, denen beim Dorfumzug ein Knecht mit einer großen bebänderten Flasche folgte. Dahinter trugen weitere Knechte Holzgabeln, Harken und große Körbe. Es gab einen Halt vor allen Bauernhäusern und nach verschiedenen Sprüchen wurden die Gaben wie Würste und Schinken an die Gabeln und Harken gehängt und Eier und Butter in die Körbe gelegt.

Hieraus bereiteten die Mädchen auf der Diele im Festhaus das Fastnachtsmahl. Um Mitternacht ertönte während des Tanzes der Ruf: „De Schimmel kümmt! De Schimmel kümmt!“. Danach erschien der Schimmelreiter. Zwei Jungen bildeten unter einem weißen Laken in weißen Pumphosen ein gespenstisches Pferd nach. Der darauf sitzende Schimmelreiter verteilte Äpfel und Nüsse aus einem mitgeführten Beutel. In Plau z.B. wurden am Fastelabend die Tuchmachergesellen von ihren Meistern bewirtet. Sie zogen geschlossen zur Feier und der Erste war als Bär verkleidet. Zu allen Fastnachtbräuchen gehörte das Abstäuben der Heetwecken – ein sehr fetthaltiges, gut gewürztes, aus feinem Mehl und Milch hergestelltes Gebäck, welches trocken oder mit Butter als Vorkost verspeist wurde. Auch Fritz Reuter erwähnte das Heetwecken in seinem Werk „Dörchleuting“. Viele Jahre zuvor, es war das Jahr 1742, gab der Rostocker Professor Joh. Peter Schmidt ein kleines Buch heraus, in dem es heißt: „Zu einem richtigen Fastelabend gehört 1. ein Gastmahl, das aus Heetwecken, Schweinsschinken, Mettwürsten und geräuchertem Ochsenfleisch besteht, 2. ein lustiges Saufgelage, 3. der sogenannte grüne Fastelabend, 4. das Abstäuben der Heetwecken und Beschenken mit Fastelabendruten, 5. das Verkleiden in vielerlei Gestalten und Belustigung an Spiel und Tanz.“ Professor Schmidt berichtet in seinem Buch weiter, dass der Prediger Lubbertus zu Böhlendorf beklagte: „Die Fastnachtschwärmer schämen sich nicht für Gott oder Menschen, saufen sich voll und gießen das Bier ein, wie die Kuh das Wasser.“

Noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts lag dem Fastelabend folgende Gewohnheit zu Grunde: Arme Leute, besonders armer Leute Kinder, brachten den Reicheren einen grünen Strauß ins Haus, wobei sie die Worte sprachen: „Ich bring zum Fastelabend einen grünen Busch, habt ihr nicht Eier, so gebet nur Wurst.“

 


 

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