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Ahnenforschung Wilfried Krempien : Begegnung mit einem Ahnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seine Familienforschung führte den Schweriner Wilfried Krempien bis in die Rechtsmedizin nach Potsdam

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2017 | 00:00 Uhr

„Der Kahlbutz von Güstrow“? So beschreibt die Güstrower Schriftstellerin Gisela Scheithauer in ihrem Buch „Steine von St. Gertruden“ den Professor Dr. Ferdinand Kämmerer (1784-1841), der als mumifizierter Leichnam erhalten geblieben ist. Kahlbutz – das ist ein Begriff. 1794 war im Gruftanbau der Kirche von Kampehl der Fähnrich Christian Friedrich von Kahlbutz, gestorben am 3. November 1703, als erhaltener Leichnam „mumienhaft eingeschrumpft“ entdeckt worden. Aber was hat es mit Professor Dr. Ferdinand Kämmerer aus Güstrow auf sich? „Die mumifizierte Hülle dieses Gelehrten nannte man schon um 1974 den ,Kahlbutz von Güstrow‘, doch gelangte sie beileibe nicht zu einem solchen Image wie die des Haudegens von Kampehl in der Prignitz“, schreibt Scheithauer in ihrem Buch.

Rückblick ins Jahr 1841: Ferdinand Kämmerer ist unverheiratet und steht in der Blüte seines Lebens. Er ist gerade ein Jahr zuvor zum Geheimen Hofrat der Universität Rostock ernannt worden und nun ereilt ihn mitten in der Arbeit der Schlagfluss, also ein Schlaganfall, der umgehend zum Tode führt. Mit dem Buch in der Hand war er zusammengesunken und es bestätigt sich der Spruch eines seiner berühmten Amtsvorgänger: „Decet Professorem laborantem mori“ – ein Professor arbeitet bis zu seinem Tode. Dass wir wissen, wie es weitergeht, ist vor allem den Recherchen des Bibliothekars Heinrich Roloff zu verdanken, der im Rahmen seiner Arbeit zum Thema „Die Bibliotheca Kaemmeriana in der Universitätsbibliothek Rostock“ um 1941 umfangreiche Recherchen zu Ferdinand Kämmerer durchführte. Wir erfahren also, dass der unerwartet verstorbene Professor im großen Geleit, unter Beteiligung der Professorenschaft, Studenten und der Rostocker Bevölkerung, auf dem Friedhof von St. Jacobi am 25. November beigesetzt wird.

Die Mumie wird in Potsdam aufbewahrt.
Die Mumie wird in Potsdam aufbewahrt. Foto: A. Müller

Ob die Verwandten in Güstrow, dem Geburtsort Kämmerers, nun schmollten – wer weiß. Auf jeden Fall möchten sie ihn in der Sibeth-Grabkapelle auf dem heutigen St. Gertruden-Friedhof nahe seinen Eltern liegen sehen. Nach aufwendigem Schriftverkehr mit dem Oberkirchenrat in Schwerin erfolgt endlich nach einem Vierteljahr der Ruhe in Rostocker Erde am 14. Februar 1842 die Exhumierung des Professors aus seinem Grab zur Überführung nach Güstrow in das Mausoleum „Sibeth“.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 1983. Das Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof in Güstrow wird beräumt – angeblich wegen Baufälligkeit des Gebäudes. Am 12. September1983 werden die Arbeiten durchgeführt. Der Geheime Hofrat und Professor Ferdinand Kämmerer, geboren in Güstrow am 19. Februar 1784 und gestorben in Rostock am 14. November 1841, ist laut Protokoll sehr gut mumifiziert und wird nun dem Güstrower Stadtmuseum zur Verwahrung übergeben. Das Protokoll über die Aufhebung des Mausoleums gibt weitere Auskünfte über den Erhaltungszustand der zum Teil namentlich genannten 26 Verstorbenen mit ihren Grabbeigaben in den Särgen. Außer dem Professor Kämmerer werden alle Überreste der anderen Verstorbenen nach Öffnung ihrer Särge dem Schweriner Krematorium zur Einäscherung zugeführt.

Zu meiner großen Verwunderung waren es Ahnen der Familien Sibeth, Kämmerer und Viereck, die zu den genealogischen Stammbaumlinien meiner Familie gehören. Dank der Unterstützung der Leiterin des Güstrower Museums, Iris Brüdgam, wurde der derzeitige Aufenthalt des Leichnams von Prof. Ferdinand Kämmerer im Landesinstitut für Rechtsmedizin in Potsdam ermittelt.

Wertvolles Erbe: Kämmerer hatte testamentarisch verfügt, seine Privatbibliothek nach seinem Tode als geschlossene Abteilung in die Universitätsbibliothek einzugliedern.
Wertvolles Erbe: Kämmerer hatte testamentarisch verfügt, seine Privatbibliothek nach seinem Tode als geschlossene Abteilung in die Universitätsbibliothek einzugliedern. Foto: Krempien
 

Einer Begegnung mit meinem Ahnen stand also nichts mehr im Wege. Den 15. August 2016 werde ich nicht vergessen: Durch eine im Sargdeckel eingelassene große Glasscheibe schaut man auf den Professor. Der Sarg steht aufrecht im Sektionstrakt im Landesinstitut der Rechtsmedizin und dient den auszubildenden Medizinstudenten zur Anschauung. Die jetzige Verwaltungsleiterin berichtete, dass der Professor von ihr und ihren Kollegen stets mit dem Titel „Geheimer Hofrat“ angesprochen werde.

Das Landesinstitut und ich vereinbarten nun weitere Recherchen und eine Untersuchung des mumifizierten Körpers von Ferdinand Kämmerer. Neben einem möglichen DNA-Nachweis wird für den Spätherbst 2017 im Landesinstitut eine CT-Aufnahme geplant. Da sich aber zwei mütterliche Linien im Stammbaum kreuzen, ist es sehr schwer, die Verwandtschaftsnähe durch einen DNA-Nachweis von Professor Kämmerer zu mir zu ermitteln. Nun bin ich auf Anraten des deutschlandweit bekannten Mumienexperten Prof. Dr. Albert Zink auf der Suche nach männlichen Nachfahren der Kämmerer-Linie, die den Namen „Kämmerer“ besitzen und deren Vorfahren aus der Region Güstrow, Hamburg und Umland stammen. Mögliche Nachfahren mögen sich bitte unter der Adresse gerarus-krempien@web.de an mich wenden.
 

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