Gleviner Straße : Aus der Geschichte eines Güstrower Bürgerhauses

Ein Ritter als Fassadenschmuck  Repro: Scheithauer
Ein Ritter als Fassadenschmuck Repro: Scheithauer

Gebäude in der Gleviner Straße gehörte einst dem Obristen von Monroy

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05. August 2016, 00:00 Uhr

In der Gleviner Straße 10 in Güstrow sind mancherlei historische Begegnungen vor sich gegangen.Die Geschichte der hier ansässigen Familien gibt auch Kunde davon, wie es im Land Mecklenburg zugegangen war – in Kriegs- und Friedenszeiten.

Das Haus – ein Renaissancebau des 17. Jahrhunderts! Zurzeit versehen mit einem Baugerüst, denn auch dieses Haus in der Güstrower Altstadt wird „gerettet“ werden. An einer Gebäudeecke ist die Nummer 10 bekrönt mit einer Sandsteinfigur, einen Rittersmann darstellend. Nur ein zuzeiten üblicher Schmuck? Oder weist er doch auf die militärische Tradition der Familie de Monroy hin, die im 19. Jahrhundert Eigentümer von Haus, Hof, Stall und Auffahrt gewesen ist?

Die Spur reicht zurück bis in den sogenannten Mecklenburgischen Bauernkrieg 1733. Lange bevor ein von Monroy im Glevinschen Viertel „Feuer und Herd“ unterhalten hat, war einer seiner Vorfahren schon durch diese Gegend gezogen. Der Obrist von Monroy befehligte Soldaten eines hannoverschen Regiments, das im Dienste des Kaisers gegen die Truppen des Herzogs Carl Leopold (1678-1747) an der Reichsexekution teilgenommen hatte und gerade hier in Güstrow in arge Bedrängnis gekommen war.

Der Obrist von Monroy war Mitglied einer aus Frankreich stammenden Hugenotten-Adelsfamilie, die in ihrem Heimatland alle Besitzungen aufgegeben hatte und nach Deutschland geflohen war. In Hannover traten von Monroys in herzogliche Dienste, im mecklenburgischen Güstrow werden sie in die bürgerliche Gesellschaft der Stadt integriert als Verfolgte aus Glaubensgründen nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahre 1685. Dr. Reinhold Carl von Monroy, Justiz-Canzlei-Direktor in Güstrow, wird ein Ehrenbürger der Stadt sein. Integration – ein Vorgang über Generationen hin.

Seit 1806 war das Haus im Besitz des Geheimen Hofrats Friedrich Piper. Nach dem Studium der Jurisprudenz in Jena und Rostock war er Advokat am Hof- und Landgericht. Ein Güstrower! Im öffentlichen Leben ein gefragter Redner, der mit eigenen Versen die Eröffnung des Güstrower Schauspielhauses (1828) feierte. Als Bauherr hat er vermutlich die Fassade im Tudorstil überformen lassen

Es wird ein gastfreundliches Haus sein. Die großzügig breite Treppe führt zu einem großen Raum hin, einstmals mit mehreren Öfen versehen. Der Ballsaal! Hier muss es gewesen sein, wo Reinhold von Monroy mit Julie Piper im November 1827 Hochzeit gefeiert hat: Frau Justiz Canzlei Direktorin von Monroy. Ein gewaltiger Titel für ein 16-jähriges Mädchen aus Güstrows Gleviner Straße.

Die Akten des Güstrower Stadtarchivs verzeichnen aber auch Eigentümer davor liegender Jahre, die ihre Steuern entrichteten für Hinterhäuser, Vorderhäuser und Ställe: eine Nutzung des Gebäudekomplexes, wie es Gewerbe erfordert, zum Beispiel von dem Brauer Luplow im Jahre 1750, dem Weinhändler Giesenhagen 1774, auch von dem Buntfütterer Pipow, der ein Färber war.

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