Adolf Friedrich zu Mecklenburg : Auf Herzogs Spuren in Afrika

Streicheleinheiten für ein Nashorn: Armin Püttger-Conradt bei seinem Besuch in Kenia mit Fajin.
1 von 2
Streicheleinheiten für ein Nashorn: Armin Püttger-Conradt bei seinem Besuch in Kenia mit Fajin.

Der Biologe Armin Püttger-Conradt folgte auf seinen Reisen immer wieder den Expeditionsrouten von Adolf Friedrich zu Mecklenburg

von
22. Januar 2016, 00:00 Uhr

1909 saß Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg, im Schloss Raben Steinfeld an seinem Schreibtisch. Und während er durch das Fenster auf den Schweriner See blickte, war er mit seinen Gedanken bei ganz anderen Gewässern: dem Kongo, dem Nil und dem Niger. In den Jahren 1907 und 1908 sowie 1910 und 1911 hatte der Sohn von Großherzog Friedrich Franz II. und dessen dritter Frau Marie von Schwarzburg-Rudolstadt zwei Expeditionen nach Zentralafrika geleitet.

Die Expeditionsberichte, die er darüber in Raben Steinfeld schrieb, faszinierten Jahrzehnte später einen jungen Wissenschaftler aus Schleswig-Holstein. Das war Armin Püttger-Conradt. Er machte sich im Alter von 23 Jahren selbst auf nach Afrika, das in den Folgejahren zu einem wichtigen Teil seiner Biographie wurde. Insgesamt verbrachte er dort mehr als neun Jahre – die meiste Zeit im Kongo. Als Biologe und Naturschützer kämpfte Püttger-Conradt für das Überleben des Nördlichen Weißen Nashorns, einer 1900 entdeckten Unterart des Breitmaulnashorns, das von Wilderern auf der Jagd nach dem begehrten Horn und in den Wirren des Dauerbürgerkriegs um den Rohstoff Coltan regelrecht abgeschlachtet wurde. Vor wenigen Wochen ist der Biologe aus Kenia zurückgekehrt, wohin vor einigen Jahren die letzten drei Vertreter ihrer Art – ein Bulle und zwei Kühe – aus einem Zoo in Tschechien in einem geschützten Naturpark freigelassen wurden. „Ihr Schicksal ist trotzdem besiegelt“, sagt Püttger-Conradt. Drei Tiere können – selbst wenn sie Nachwuchs bekämen – nicht eine Art vor dem Erlöschen bewahren.

Dabei ist es gerade 115 Jahre her, dass der Engländer Percy Powell-Cotton das Nördliche Weiße Nashorn als eigenständige Art beschrieb. Als Herzog Adolf Friedrich kurze Zeit darauf durch den Kongo reiste, stieß er auf zahlreiche Spuren der Nashörner und sah auch die Tiere. „Er hat das in seinen Expeditionsberichten geschildert und die Nashörner als scheu und defensiv beschrieben“, sagt Püttger-Conradt. Das ist nur einer der Berührungspunkte, die es zwischen den Lebensläufen beider Männer gibt. Aber es ist der Punkt, der zeigt, wie in nur wenigen Jahrzehnten Natur und Lebensräume zerstört wurden.

Adolf Friedrich zu Mecklenburg begann 1907 seine erste Afrikaexpedition. Er hatte in Dresden Anthropologie studiert und war bereits durch Abenteuerlust und Fernweh aufgefallen: Zu Pferd bewältigte er den Weg entlang der östlichen Flanke des Mittelmeers von Kairo über Damaskus bis nach Kleinasien. Im Alter von 34 Jahren brach er zum ersten Mal nach Zentralafrika auf, 1910 leitete er eine weitere Expedition, die unter anderem zu den nördlichen Kongozuflüssen führte. „Als der Herzog reiste, gab es im Kongo noch viele unbekannte Flecken, an denen zuvor noch nie ein Weißer gewesen war“, sagt Armin Püttger-Conradt. Ihn selbst berührte es später bei seinen Expeditionen, die detailreich beschriebenen Orte mit eigenen Augen zu sehen. „Die Bücher kenne ich natürlich in- und auswendig“, sagt der 57-Jährige. „Und vieles sieht heute noch genauso aus, oft ist in den Siedlungen entlang des Flusses das Transistorradio mit Batterien das einzig Neue, das hinzugekommen ist.“

Seine erste Afrikareise unternahm Püttger-Conradt als junger Biologie-Student: Mit einem Einbaum befuhr er den Kongo-Fluss, um Frösche und Schnecken zu sammeln. Dabei vereinten sich Abenteuerlust und Forschergeist – Eigenschaften, die ihn mit dem Herzog verbinden und das große Interesse erklären, mit dem der Biologe in den Folgejahren dessen Biographie erforschte. Fast alle afrikanischen Expeditionsrouten Adolf Friedrichs hat er bei seinen eigenen Touren bereist und auch in Deutschland mehr als 15 Jahre lang Material zusammengetragen. Immer wieder wachsen die Ordner und Kisten um weitere Stapel. Dabei ist der Herzog von Mecklenburg nur einer in einer illustren Reihe von Forschern und Entdeckern, deren Lebensspuren Püttger-Conradt folgt. Als gebürtiger Elmshorner hat er diese Frauen und Männer ausgewählt, weil sie eine Beziehung zu Schleswig-Holstein haben. Das trifft auch für Adolf Friedrich zu: Der Afrikareisende und letzte Gouverneur der Deutschen Kolonie Togo verließ Mecklenburg nach dem Zweiten Weltkrieg in Richtung Eutin, wo er bis zu seinem Tod 1969 mit seiner Frau zwei Zimmer des Schlosses bewohnte.

Armin Püttger-Conradt lebt inzwischen in der Altmark, nicht weit von Wittenberge entfernt. Das kleine Bömenzien ist jetzt der Ort, in dem er Reisen und Forschungsergebnisse aufarbeitet, Vorträge vorbereitet, publiziert und die nächsten Exkursionen plant. Wie immer dreht sich dabei viel um die drei verbliebenen Nördlichen Weißen Nashörner, die der Biologe gerade in Kenia besucht hat. Der Bulle Sudan ist 43 Jahre alt und damit ein echter Nashorn-Methusalem. „Seine Beine stehen schon ganz schief, lange wird er sein Gewicht von zwei Tonnen nicht mehr tragen können“, befürchtet Püttger-Conradt. Kommt Sudan nicht mehr auf die Beine, muss er eingeschläfert werden. Die beiden Kühe Najin und Fatu blieben dann zurück – mehrere Versuche, der Fortpflanzung mittels künstlicher Befruchtung auf die Sprünge zu helfen, waren in den vergangenen Jahren gescheitert. Und irgendwann, sagt Armin Püttger-Conradt, wird die im Jahr 2000 geborene Fatu eine Art letzter Mohikaner sein – hinter einem von bewaffneten Wildschützern bewachten Sicherheitszaun. Es ist eben ein ganz anderes Afrika, als der Kontinent, den Adolf Friedrich in seinen Büchern beschrieb.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen