Pligern durch MV : Auf der Suche nach Seelenfrieden

Diese Pilger aus Litauen legten die 3400 Kilometer bis zum Wallfahrtsort Lourdes zu Fuß zurück.
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Diese Pilger aus Litauen legten die 3400 Kilometer bis zum Wallfahrtsort Lourdes zu Fuß zurück.

Mittelalterliche Pilgertouren führen mitten durch Mecklenburg / Menschen aus baltischen Staaten wandern auf Jakobsweg nach Spanien

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26. November 2015, 09:28 Uhr

„Ich tue das für mich, für meine Familie und für Europa“, nennt Rita Puidokaite ihre Beweggründe, zu Fuß von ihrer litauischen Heimat aus in den Wallfahrtsort Lourdes zu pilgern. Wohlgemerkt, das sind 3400 Kilometer! Täglich 25 bis 30 Kilometer gehe man, fügt ihr Weggefährte Vytautas Januskevicius hinzu: „Wenn man zusammen schreitet, bekommt man so ein besonderes Gefühl.“

Die Suche nach dem eigenen Ich, der inneren Balance und dem Seelenfrieden ist seit Jahren für viele Grund, zu pilgern. Bereits mit dem Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Pilgern einen ersten Aufschwung. Seitdem, und vor allem seit den 1970er- Jahren, wurden viele der mittelalterlichen Pilgerrouten reaktiviert. Diese Pfade führen auch mitten durch Mecklenburg und Pommern. Sie stellen die Verbindung zwischen den baltischen Staaten mit dem legendären christlichen Pilger-Mekka Santiago de Compostela in Spanien dar.

Allgemein werden diese Pilgerwege quer durch Europa als Jakobswege bezeichnet. Deren Ziel ist das vermeintliche Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela. Jakobus ist Schutzpatron der Krieger, Arbeiter, Apotheker, Hutmacher, Schmiede, der Waisen, der Hospize und Krankenhäuser – und eben der Pilger.

Die Pilgerwege sind darum auch mit einer Jakobsmuschel ausgeschildert. Nach der Heiligen Schrift ist das Leben auf Erden eine ständige Pilgerfahrt, welche zur wahren Heimat Jerusalem führt. Auf seiner irdischen Pilgerfahrt wählt jeder Mensch seinen eigenen Weg, indem er seinen Verstand einsetzt. Für Goethe geht die Identität Europas auf die Pilgerwege nach Compostela zurück.

Seit 2005 werden die „Wege der Jakobs-Pilger in Norddeutschland“ mit den beiden Hauptstrecken Via Baltica von der Insel Usedom nach Osnabrück und der Via Jutlandica von Frederikshavn nach Glückstadt erarbeitet. Die Via Baltica verläuft von Usedom kommend über Greifswald, Rostock und Wismar nach Lübeck und durch Hamburg weiter nach Osnabrück. Von Usedom aus hat die Via Baltica ihre Fortsetzung in Polen: Über 640 Kilometer verläuft der Jakobsweg quer durch das gesamte Hinterpommern und Pommerellen über Danzig bis nach Königsberg in Russland. Von dort aus führt der Weg über das litauische Kretinga bis nach Tallinn in Estland.

Dazu gibt es mehrere lokale und regionale Zubringer. So auch in Mecklenburg-Vorpommern. Der Baltisch-Mitteldeutsche Weg zweigt in Rostock von der Via Baltica ab und führt erst in südwestlicher, dann in südlicher Richtung über Tempzin durch Mecklenburg. Derzeit endet er im brandenburgischen Perleberg, soll aber einmal an den Pilgerweg in Sachsen-Anhalt anbinden. Der Pilgerweg der Heiligen Brigitta verläuft von Saßnitz auf Rügen über Stralsund, Tribsees, Güstrow, Schwerin und Boizenburg und weiter über Zarrentin bis nach Lauenburg in Niedersachsen. Noch recht neu ist der „Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte“: Auf 250 Kilometern führt dieser durch die Schönheit der Seenplatte. „Hier ist es gut möglich, aus vertrauten Alltagsbahnen herauszufinden, Langsamkeit und Achtsamkeit zu lernen. Die einmalige Dichte an altehrwürdigen Kirchen ermöglicht in den meisten Dörfern Einkehr, Besinnung und Gebet. Und die Schönheit der Natur kann helfen, den Kopf frei zu bekommen, die Seele zu stärken, sich selbst und Gott näher zu kommen.“ So wirbt die evangelische Nordkirche für das Wandeln auf den Pilger- bzw. Jakobswegen quer durch Norddeutschland: „Klare Seen, hügelige Landschaften mit Wiesen oder Buchenwäldern, selten gewordene Tiere wie Fischadler und Eisvogel lehren das Staunen über die Schöpfung Gottes.“

Es muss nicht immer Spanien sein. Der nächste Pilgerweg beginnt gleich um die Ecke. „Einfach aufbrechen und losgehen heißt die Devise. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“, weiß Bernd Lohse als Pilgerpastor der Nordkirche.  

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