Stubbendorf : Auf der Suche nach dem Piraten-Gold

Von Bäumen und Unterholz verdeckt, so erscheint der Turmhügel heute.
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Von Bäumen und Unterholz verdeckt, so erscheint der Turmhügel heute.

Etwa zwei Kilometer außerhalb des Dorfes Stubbendorf im Osten Mecklenburgs liegt der Schlossberg. Ein stattliches Herrschaftshaus sucht man auf ihm vergebens. Die beiden Seeräuber Klaus Störtebeker und Gödeke Michel sollen aber eins erbaut haben.

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11. Dezember 2013, 18:56 Uhr

Etwa zwei Kilometer außerhalb des Dorfes Stubbendorf im Osten Mecklenburgs, am Weg nach Finkenthal, liegt der Schlossberg: von der Höhe her ein Hügel. Auch ein stattliches Herrschaftshaus sucht man auf ihm vergebens. Doch soll dort eines gestanden haben. Die beiden Seeräuber Klaus Störtebeker und Gödeke Michel sollen es erbaut haben.

So berichtet Karl Bartsch 1880 in seiner Sammlung mecklenburgischer Sagen und Märchen. Johannes Gosselck greift 1938 in seinem Buch „Geschichten ut Ostmäckelborg“ die Überlieferung als „Störtebäker un Gödemicheel up´n Schloßbarch“ auf und weiß: „Un dor hemm sei denn ümmer rümräubert un sihr väl Gold un Silber scheffelt. In denn´ Schloßbarch licht hüt noch wat...“ Laut Bartsch sollen einige Reichtümer aufgetaucht sein: Ein Förster fand einen silbernen Löffel und ein Fuchs grub einen Zinnteller aus. Schätze, die von den Seeräubern stammen sollen. Denn einst war der Hügel vom Wasser umgeben und hatte über Trebel und Peene eine Verbindung zur Ostsee.
Wohl der erste, der über den sagenhaften Schlossberg schrieb, war Johann Günther, Pastor von Methling. In seinen Aufzeichnungen von 1850 liest sich die Sage noch anders: Ein wendischer Räuber hauste auf dem Berg. Bei seiner Gefangennahme versprach er Gutes zu tun, wenn man ihm am Leben ließ. Er stach einer Taube die Augen aus, ließ sie fliegen und erbaute dort, wo sie sich niederließ eine Kirche – in Kirch Baggendorf jenseits der Trebel, im Pommerschen. In die Kirchenmauern ließ er seine Schätze einmauern. Die Wahrheit ist weniger märchenhaft: Der Schlossberg wurde vor knapp 800 Jahren als kreisrunder Turmhügel aufgeschüttet, mit Graben und Wall ringsherum. Mitten auf dem „Berg“ stand ein in Fachwerk- bzw. Holzbauweise errichteter Turm. Zu seinen Füßen außerhalb des Walls lagen weitere, einfach errichtete Gebäude. Ein Adliger leitete von hier aus die Erschließung des slawischen Landes mit deutschen Siedlern. Der Turmhügel lag am Tal der Röcknitz. Der Bach verband damals über die Warbel die Trebel und die Peene miteinander.

Viele Turmhügel, so auch der von Stubbendorf, wurden bald aufgegeben. Die Adligen fanden bessere Standorte für ihre Burgen – und dann auch Schlösser. Der legendäre Störtebeker, der 150 Jahre später lebte, war nie auf Stubben-dorfs Schlossberg. Sein Schatz ebenso wenig. Der Phantasie und dem Grabeifer so manches Dorfjungen tat das keinen Abbruch...

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