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825 Jahre Plate : Als Plate dichtmachen musste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

825 Jahre Plate – Geschichten aus der Chronik: Vor 50 Jahren brachten Schwalben die Tierseuche mit

1966. Dieses Jahr haben die Älteren in den Lewitzdörfern noch in lebhafter Erinnerung. Am 29. April wird der Plater Tierarzt Dr. Albert Hilbig ins Nachbardorf Sukow gerufen. In einem Kuhstall haben mehrere Tiere offenbar Schmerzen beim Kauen. Sie speicheln und schäumen, haben Bläschen im Maul, und der Arzt hat sofort einen Verdacht: MKS, Maul- und Klauenseuche.

Mit vermutlich einigen Geschwindigkeitsübertretungen rast er an die Küste, übergibt den Tierseuchenforschern der Insel Riems Speichelproben der Kühe und erhält einen Tag später die Bestätigung: MKS, der Alptraum der Tierhalter.

Die Kühe bekommen nur noch Weichfutter und Sukow wird vollständig gesperrt. Für mehrere Monate abgeriegelt. Das Seuchenschutzprogramm wird in voller Breite exerziert. Nur zwei Tage später erwischt es auch Plate. Hier erkrankt nur ein einziges Schaf, aber das Vorgehen ist dasselbe. Plate wird dichtgemacht. An allen Ortseingängen Schlagbäume und Seuchenmatten.

An diesem Tag geht Tierarzt Dr. Hilbig mit dem ABV im Gefolge zum Bahnhof. Als der Nachmittagszug aus Schwerin einfährt, steigt er auf einen Pfeiler und hält eine Rede an die etwa 70 Fahrgäste. „ Ich habe kurz die Situation erläutert und ihnen kundgetan: Wer die Gemeinde betritt, darf nicht wieder raus. Wer in Schwerin arbeitet und dort übernachten kann, darf wieder einsteigen. Keiner war begeistert, aber das war die Anordnung. Basta.“ Der heute 86-Jährige erinnert sich noch genau.

Die Leute, die in Plate bleiben wollen, werden bei der Molkerei oder in der Gemeinde beschäftigt, Handwerker beim Erweiterungsbau der Schule. Der wird dadurch schon früher fertig. Familienfeiern müssen verschoben werden. Einem Brautpaar gelingt es nur unter Schwierigkeiten, zur Hochzeit zueinander zu kommen.

In Plate ist die Sperrung nach zwei Wochen vorbei. Alle atmen auf. Die Veterinäre suchen nach den Ursachen der Ansteckung. Sie rechnen den Zeitraum von der deutlichen Erkrankung der Tiere zurück, ziehen also die Inkubationszeit ab, kommen so zu dem Tag der Infektion und entdecken: An diesem Tag sind die Schwalben zurückgekehrt und in die Ställe geflogen. Der Weg aus ihrem Winterquartier hat sie über Italien geführt. Und dort war Maul- und Klauenseuch

Cornelia Dührsen


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