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Forstwirtschaft : Als die Schlosswächter Brennholz klauten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Holzknappheit allerorten: In Mecklenburg entstand erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine geregelte Forstwirtschaft

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2017 | 00:00 Uhr

Die Forstwirtschaft entwickelte sich in Mecklenburg später als beispielsweise im benachbarten Brandenburg. Ob es daran lag, dass noch im 16. Jahrhundert Waldbestände im Überfluss vorhanden waren und das Holz auch in andere Gebiete ausgeführt werden konnte? Jedenfalls kümmerte man sich um die Forst immer erst dann, wenn Holzmangel eintrat.

Bestimmungen über den Schutz bestimmter Holzarten, später auch Verbote von zweckloser Waldvernichtung und Schädigung, wurden frühzeitig erlassen. Was fehlte, waren jedoch Vorschriften über Nachzucht, beispielsweise in Baumschulen, wodurch keine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werden konnte. Von einschneidender und segensreicher Bedeutung für die Mecklenburgischen Privatforsten war die Bestimmung des „Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs“ von 1755, die bis 1919 Bestand hatte und nach welcher alle Lehngüter nicht mehr als 12 Eichen und 50 Buchen jährlich ohne Genehmigung der Regierung schlagen durften. Die Verwendung von eichenen Särgen wurde verboten, da das Eichenholz für andere Zwecke notwendiger gebraucht wurde.

Einen großen Umfang nahm mit zunehmender Brennholzknappheit der Holzdiebstahl an, der bald so verbreitet war, dass 1787 eine Verordnung dagegen von allen Kanzeln des Landes Mecklenburgs verkündet werden musste. Brennholz für den gewöhnlichen Wirtschaftsbedarf durfte genommen werden. Jedoch sah die Brennholzverordnung vor, dass dieses Holz nur zur Stubenheizung, zum Kochen, Backen, Waschen, Bleichen und zum Obstdörren verwendet werden durfte. Viel nützten derartige Verordnungen jedoch nicht, zumal die Soldaten, die zum Schutze der Forst mitherangezogen wurden, sich in hervorragender Weise an den Holzdiebstählen beteiligten. Und auch bereits vorbereitetes Brennholz wurde geklaut: Das Tor des Schweriner Schlosses musste mit einem Palisadenzaun geschlossen werden, um das für das Schloss bestimmte Brennholz sicher zu verwahren. Die Maßnahme nutzte aber nichts, da die Schlosswache selbst das Holz stahl und anderweitig veräußerte. Von rund 1100 Raummetern Ellernholz, die aus der Lewitz für die Schlosshaltung des Ludwigsluster Schlosses auf dem Kanal nach Ludwigslust geflößt wurden, kam nur die Hälfte in Ludwigslust an. Aus Hagenow und Jasnitz lag eine Klage von Bürgermeister und Rat vor, in der es hieß: „Tagelöhner und Handwerker ziehen in großer Anzahl in den Wald, unbekümmert ob Forstbediente zugegen sind und nehmen, was ihnen ansteht.“

Erst von der Mitte des 18. Jahrhunderts an kann man in Mecklenburg von einer geregelten Forstwirtschaft sprechen, die sich zunächst aber auf die fürstlichen Forsten und einige größere städtische Forsten beschränkte.

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