Mühlen banzkow : Als die Flügel einfach davonflogen

Das letzte Mal Korn gemahlen wurde in der Banzkower Mühle 1957. Dann war endgültig Schluss.
Das letzte Mal Korn gemahlen wurde in der Banzkower Mühle 1957. Dann war endgültig Schluss.

Die Banzkower Wassermühle und die Holländermühle erlebten so manche stürmische Zeit

svz.de von
17. Juni 2016, 00:00 Uhr

„Da steht sie nun vor uns, die große Holländer-Mühle zu Banzkow mit dem Wrack ihrer Flügel. Drei sind direkt am Brustholz abgebrochen. Sie liegen 20 bis 50 Meter weg am Abhang des Mühlenberges. Gutes festes Holz zeigt der Bruch. Wie unglaublich der Sturm gewütet hat, sieht man erst oben im Kopf der Mühle. Der Sturm war plötzlich von Norden nach Südwesten umgesprungen, packte Ruten und Jalousieklappen von hinten und brach sie schroff weg.“

Diese Worte stammen aus der Mecklenburgischen Zeitung vom September 1932. In dramatischen Worten wird von den abgerissenen Flügeln der Banzkower Mühle und dem Sturm berichtet. Der Autor des Beitrags stellte sich die Frage, ob sich die Mühle in Banzkow bei Schwerin je von diesem Schlag erholen würde. Gleichzeitig holte er weit aus und und berichtete von ihrer Entstehung bis zur Gegenwart im Jahre 1932.

Die Geschichte der Banzkower Mühle, die sich nicht weit von Schwerin befindet, führt bis ins Mittelalter zurück. Als Wassermühle existierte sie bis ins 19. Jahrhundert. Sie stand mitten im Dorf. Der Mühlenfluss verlief von der großen Schleuse des Störkanals bis zum alten Störlauf. Ein Fußweg führte auf dem Damm entlang. Dieser dämmte den aufgestauten Mühlenteich gegen die tiefer gelegenen Wiesen ab.

Um 1350 nannte sich die Mühle in Banzkow „Die Mühle der Grafen von Schwerin.“ Graf Otto verpfändete Dorf, Hof und Mühle mit der ganzen Lewitz für 1000 Mark an den Ritter Ulrich von Drieberg, seinem Vogt in Neustadt. Später, nachdem die Herzöge von Mecklenburg die Grafschaft erwerben konnten, versuchten sie auch mehrere Mühlen in ihren Eigenbetrieb zurückzubekommen. Sie standen schließlich auf ihrem Land. Die Banzkower Mühle wurde fortan durch angestellte Meister bewirtschaftet. Sie lieferte 1409 an den fürstlichen Hof „in de Koken“, „in dat Backhus“, „in dat Bruhus“ und „in den Keller“ 99 Scheffel Roggen.

Es wird berichtet, dass die zweigängige Mühle immer wieder in den Listen vergangener Zeit auftauchte. Im 16. Jahrhundert war sie verpachtet. Der Pächter zahlte 480 Scheffel Roggen Pacht, dazu sechs Mastschweine. Der 30-jährige Krieg (1618-1648) hinterließ große Schäden an der Mühle. Sie hatte danach nur noch einen Gang und die Pacht betrug nur 32 Drömpt Roggen, das heißt 384 Scheffel. Ein Drömpt entsprach zwölf Scheffeln, ein Rostocker Scheffel 38,85 Litern.

Im Jahre 1717 ließ Herzog Carl Leopold seine Mühlen mit neuen Mühlensteinen versehen. Brandamus Lübke, Müller der Banzkower Mühle, und auch andere Müller in der Umgebung hatten zu dieser Zeit nicht viel Mahlarbeit zu verrichten. Als gegen Mitte des 18. Jahrhunderts das alte Mühlenzwangrecht in Vergessenheit geriet, wonach die Mahlgäste einer Mühle auch bei anderen Mühlen auch außerhalb des Bezirks „ausmahlen“ durften, erging ein herzogliches Reskript, das ein solches Ausmahlen ab sofort streng unter Strafe stellte. Nun konnte der Banzkower Müller, auf dieses Reskript hinweisend, seine Zwangsmahlgäste zum Mahlen in eigener Mühle hinweisen. Der Bannbezirk des Brandamus Lübke bestand damals aus zwölf verhältnismäßig großen Dörfern. Er reichte im Norden bis Raben Steinfeld, im Süden bis Uelitz und Lübesse, von Pecktakel im Osten bis Boldela im Westen. So stiegen die Einkünfte des Müllers ab dieser Zeit so stark, dass er sich im Jahre 1760 neben der Wassermühle auch noch eine Bockwindmühle errichten konnte.

Der 7-jährige Krieg (1756-1763) hinterließ auch in Mecklenburg große Schäden. Danach gab es wieder einen großen Aufschwung und es folgten für die Müller reiche Zeiten. Das änderte sich in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Nun ging es für die Mühlen wieder bergab. Nach dem Tod des Erbmüllers Linow wurde im Jahre 1838 dem neuen Müller Kiencke in seinen Pachtkontrakt die Aufhebung des Mahlzwangs eingesetzt. Als Mecklenburg in den „Norddeutschen Bund“ eintrat, kam es auch in Banzkow zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Ort erhielt eine neue Kirche. Die Wasserverhältnisse der Lewitz waren um 1870 nicht besser geworden und die Wassermühle alt und gebrechlich. So wurde sie 1872 abgerissen und zwei Jahre später die Galerieholländermühle mit Walzenwerk und Sichtern (für die Feinvermahlung) in der Nähe der bereits vorhandenen Bockwindmühle erbaut. Bis 1919 standen beide Mühlen dicht beieinander, dann demontierte der Mühlenbesitzer Rohde die Bockmühle, die zu dieser Zeit schon 159 Jahre alt war.

Die Zeit der modernen Großmühlen war angebrochen. Nach Krieg, Inflation und Rückgang der Wirtschaft drohte das Aus für die Mühlen durch die Elektrifizierung. Ein schwerer Schlag für die Müller. Jetzt war die Zeit für die elektrischen Schrotmühlen gekommen. So fand ein altes blühendes Gewerk sein Ende.

Die Mecklenburgische Zeitung erwähnte 1932 am Ende ihres Artikels: „Wenn man nach einem Sturm mit so schwerer Verwüstung auf einer Mühle steht, scheint es einem fast, als wollten selbst höhere Gewalt den Dingen der alten Zeit ein noch schnelleres Ende bereiten, als die natürliche Entwicklung allen Lebens es herbeiführt.“

1957 wurde der Betrieb der Holländerwindmühle endgültig eingestellt und in den Jahren 1974 bis 1976 wurde sie durch die LPG „Clara Zetkin“ zum Restaurant umgebaut. 1995 entstand hier ein modernes Hotel. Die Banzkower Mühle ist in der Lewitz die letzte noch verbliebende Windmühle und steht unter Denkmalschutz.

Adelheid Martens


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