Graf Heinrich aus Schwerin : Als der Dänenkönig ein Auge verlor

Die Miniatur zeigt eine Episode aus der Schlacht bei Bornhöved.
Die Miniatur zeigt eine Episode aus der Schlacht bei Bornhöved.

Graf Heinrich aus Schwerin zahlte Waldemar eine Demütigung heim und zog später mit den „Heeren Slawiens“ in die Schlacht bei Bornhöved

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08. März 2016, 09:36 Uhr

Das hochmittelalterliche 13. Jahrhundert war gleich in seinem ersten Drittel für die werdende territorial-staatliche Entwicklung Mecklenburgs eine gefahrvolle Zeit. Die römisch-deutschen Reichskönige hatten ihre politischen Interessen vornehmlich im Süden des Kontinents. Sie hinterließen im norddeutschen Raum ein politisches Vakuum, in das die ehrgeizigen Dänenkönige stießen. 1202 unterwarf Dänenkönig Waldemar II. Holstein und Ratzeburg – da befanden sich aber schon Lübeck und Hamburg unter des Dänen Schutzherrschaft und das Dithmarsche Land, Rügen und Pommern in seiner Hand. Hierzulande hatte Waldemar II. die Slawenfürsten tributpflichtig gemacht, und 1214 mussten auch die Schweriner Grafenbrüder Heinrich I., genannt der Schwarze, und Gunzelin II. dem Dänen den Lehnseid schwören.

In den norddeutschen Landen brodelte, wallte und kriselte es. Grafen und Fürsten, Bischöfe und Stadtherren waren sich einig: Der Däne muss weg! Das große Hauen und Stechen fand dann auch statt: im Juli 1227 auf dem Sventinenfeld bei Bornhöved.

Doch dazu gab es ein Vorspiel, das zu verschweigen die Mecklenburg-Schweriner Geschichte uns nie verzeihen würde: 1217 begab sich Graf Heinrich I. von Schwerin auf einen Kreuzzug, von dem er erst 1222 nach Schwerin zurückkehrte, um hier auf völlig veränderte und für ihn absolut ungünstige Zustände zu treffen. Während seiner Abwesenheit hatte der Dänenkönig seinen Sohn Nikolaus mit der Schwester der Schweriner Grafen verheiratet, womit er die halbe Grafschaft als Mitgift nahm. Dann starb auch noch Heinrichs Bruder und Mitregent Gunzelin II. König Waldemar II. als Vormund von Nikolaus und Lehnsherr sah sich nun als unumschränkter Herrscher Schwerins und Spätheimkehrer Heinrich Burg und Grafschaft vom Dänen besetzt, der zu alldem wohl auch noch die Keuschheit von Heinrichs Ehefrau auf die Probe gestellt hatte.

Graf Heinrich der Schwarze, in dutzenden Fehden und Händel gestählt, ein Draufgänger mit kühlem Kopf und hohem Ehrbewusstein, konnte diesen Verlust an gräflicher Würde nicht unbeantwortet lassen. In einem unglaublichen Handstreich enterte er mit einem kleinen Gefolge in dunkler Nacht die bei Fünen liegende kleine dänische Insel Ybö, auf der König Waldemar mit seinem gekrönten Sohn auf einem Jagdlager im Duett schnarchte. Graf Heinrich entführte die beiden Dänenkönige und versteckte sie in wechselnden Verliesen. Für die Freilassung seiner royalen Geiseln stellte Heinrich so hohe Forderungen, dass die Dänen glatt ablehnten und zur militärischen Lösung schritten. Im Januar 1225, in der Schlacht bei Mölln, wurden die Dänen von Graf Heinrichs Mannen so windelweich geprügelt, dass sie im Vertrag von Bardowick alle Forderungen Heinrichs erfüllten. Waldemar musste 45 000 Mark Silber zahlen, außer Rügen auf alle deutschen Lehnsgebiete verzichten, Schwerin und Holstein abtreten und den deutschen Städten volle Handelsfreiheit gewähren.

Doch Waldemar konnte die Schmach nicht überwinden, dass ganz Europa über einen König lachte, der sich von einem völlig unbekannten Grafen hatte in den Allerwertesten treten lassen. Kaum zuhause angekommen, begann er mit der Aufrüstung zur Rückgewinnung seiner Macht.

Wohl wissend, dass der Däne nicht lange still halten würde, kümmerte sich Graf Heinrich um eine Koalition all derer, die vom Dänen niedergehalten worden waren. Letztlich stand da ein Bündnis norddeutscher Grafen und sächsischer Fürsten, der Städte Hamburg und Lübeck, der „Heere Slawiens“, also der Mecklenburger, und endlich auch noch 300 ausgeliehener Reichsritter. Die Schlacht von 1227 bei Bornhöved ist in der überlieferten historischen Quelle nur in einem einzigen Satz erwähnt: „De Koning Waldemar was to Bornhovede myt groter macht... der greven verdriven.“ Alles andere sind schöne Legenden.

Kurzum: In den frühen Morgenstunden des 22. Juli 1227 begann das große Schlachten. Plötzlich standen die norddeutschen Koalitionäre in Front zur aufgehenden Sonne, die sie so blendete, dass sie nicht mehr fähig waren, des Gegners Haupt auszumachen, geschweige denn aufs selbige feste zu schlagen. Da war es dann, dass Holsteins Graf Adolf sich auf den 22. Juli als Namenstag der heiligen Maria Magdalena besann, sich auf die Knie warf, betete und sie anflehte, ihn doch gefälligst siegen zu lassen. Sie tat es – mit einem Wolkenschleier! 4000 mausetote Dänen lagen anschließend auf dem Sventinenfeld und – des Dänenkönigs linkes Auge! Das nämlich soll Holsteins Graf dem Waldemar ausgeschlagen haben.

Jedem Mecklenburger ist klar, dass eine solche Legende nur Holsteiner erdichtet haben können. Wo, bitte schön, bleibt denn uns Hinnerk ut Schwerin? War der nicht Initiator des Getümmels, und hatte der nicht auch das Kommando? Wieso betet der nicht, und warum darf der nicht den Dänen blind machen? Die Illustration, eine Miniatur aus der Sächsischen Weltchronik um 1260, zeigt uns die reine historische Wahrheit: Während Graf Adolf sich mit einem Federbusch am Topfhelm eher heraus gemacht hat wie ein Dressman, der Sachsenherzog gar einen für eine Schlacht ganz unmöglichen Schlapphut trägt, hat unser Schweriner Graf Heinrich einen ordentlichen Blechhelm mit zwei aufgeschraubten Stierhörnern auf – und als einziger der Herren das Schwert gezückt. Des Dänenkönigs Ross zeigt Hinnerk bereits sein Hinterteil, und Waldemar blickt zu Tode erschrocken zurück auf den herangaloppierenden Heinrich und sucht das Weite.

Für den Sieg der Koalition entscheidend waren wahrscheinlich aber die Dithmarschen Bauern, die auf Seiten Waldemars zu kämpfen gezwungen waren und mitten in der Schlacht die Seiten wechselten. Bornhöved befreite den norddeutschen Raum von der Hegemonie der Dänen und ermöglichte den Territorien eine eigenständige Entwicklung.

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