Plau am See : Als das „Veloziped“ Fahrt aufnahm

Auch Frauen stiegen gern aufs Rad. Repro: Hennies
Auch Frauen stiegen gern aufs Rad. Repro: Hennies

Radfahrerfest und erstes mecklenburgisches Autorennen: In Plau am See drehten sich im Herbst 1905 die Räder

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26. November 2015, 09:28 Uhr

Radrennen, Korsofahrt und ein Konzert zum Eintrittspreis von 20 Pfennig: Als vor 110 Jahren in Plau am See der Herbstgautag des deutschen Radfahrerbundes lockte, rührte die Plauer Zeitung ordentlich die Werbetrommel.

Zudem war von einem noch spektakuläreren Ereignis zu lesen: „Dem Motorrennen wird aus den Sportkreisen ganz Mecklenburgs und besonders auch der Prignitz außerordentlich lebhaftes Interesse entgegengebracht, zumal dies das erste mecklenburgische Motorrennen ist. Auch zum Hauptfahren haben sich die hervorragendsten Radrenner des Gaues gemeldet, so daß die Rennen einen besonders interessanten Verlauf versprechen.“

Aus der Meldung ist zu entnehmen, dass das große Interesse der Öffentlichkeit nicht nur dem Fahrradvereinstreffen und den damit verbundenen Radrennen galt: Noch größere Aufmerksamkeit erregten die damals auf den Straßen noch nicht so häufig anzutreffenden Automobile, zumal sie jetzt in Plau um die Wette fahren sollten.

Natürlich berichtete das Lokalblatt später über dieses Großereignis. Erwähnt wurden die Radrennen, die zahlreiche Zuschauer lockten und natürlich das Motorrennen. Vier konkurrierende Herren waren auf der Meyenburger Chaussee auf der etwa 50 Kilometer langen Strecke gestartet, die sie in etwa einer Stunde bewältigten. „Als erster kam Herr Picker-Meyenburg angesaust, und den zweiten Preis erhielt Herr Dannenberg-Pritzwalk“, wusste die Plauer Zeitung zu berichten.

Das Ereignis zeigt aber auch, dass das „Veloziped“ schnell seinen Platz in Sport und Freizeit eroberte. Zur Zeit des deutschen Kaiserreiches war es üblich, dass sich unterschiedliche Interessengruppen nach gesellschaftlicher Schicht, Beruf und Konfession zu Geselligkeit, Bildung und Sport in Vereinen zusammenfanden. Das Fahrradfahren erlebte um 1900 einen großen Zulauf. Grundlage dafür war die technische Entwicklung vom lebensgefährlichen Hochrad zum sicheren Niederrad samt Erfindung des Luftreifens.

Das Radfahren leistete auch einen Beitrag zur Emanzipation der Frauen, die es sich nicht nehmen ließen, ebenfalls wie die Männer aufs Rad zu steigen. Anfangs waren radfahrende Frauen noch gesellschaftlich verpönt und vielleicht auch gefürchtet – schließlich ging damit eine wachsende Unabhängigkeit einher. Auf Werbeplakaten der Hersteller allerdings waren vorzugsweise Frauen abgebildet: So sollte deutlich gemacht werden, wie einfach sich ein Fahrrad handhaben ließ.

Zunächst konnten sich nur Begüterte ein Fahrrad kaufen, doch schnell erfasste diese neue Form der Fortbewegung alle Schichten der Gesellschaft. Nun wandten sich vermögende Kreise zunehmend dem für einen Arbeiter unerschwinglichen Automobil zu, das wegen seines hohen Preises und kostenintensiven Unterhalts nun als neues Luxusgut der Mobilität soziale Exklusivität herstellte.

Daher rührte auch das große Interesse an dem 1. mecklenburgischen Autorennen in Plau, bei dem die „Motorwagen“, wie die Automobile damals auch genannt wurden, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erreichten.

Das ist nach heutigen Maßstäben nicht viel, aber es waren ja keine Rennwagen, sondern normale Tourenautos, die heute ebenso viel bestaunte Oldtimer wären.

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