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Salpeter in MV : Als das Siedegeschäft erblühte

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mecklenburgs Herzöge nutzten das Felsensalz Salpeter als wichtiges Handelsobjekt und Einnahmequelle für ihre Staatskasse

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2017 | 00:00 Uhr

Was für ein begehrter Rohstoff: Salpeter war als Mineraldünger gefragt und brachte die Landwirtschaft zum Erblühen. Er diente zur Herstellung von Schießpulver und zum Einpökeln von Fleisch, war in der Metallurgie bei der Verhüttung von Nickelerzen als starkes Oxidationsmittel und zur Reinigung in der Glasindustrie vonnöten. Da liegt es fast auf der Hand, dass nicht wenige Fehden um das kostbare Felsensalz geführt wurden.

Auch in Mecklenburg wurden Salpetervorkommen entdeckt. Zuvor war das Felsensalz aus fernen Ländern importiert worden, doch dann entstanden im Laufe des 16. Jahrhunderts unter der Federführung der mecklenburgischen Herzöge mehrere Salpetersiedereien. Herzog Ulrich ließ 1572 zunächst in Parchim eine Siederei errichten. Für die Herstellung und Verarbeitung waren jetzt geeignete Fachkräfte gefragt und die waren rar gesät.

Weil Herzog Ulrich stets bemüht war, seine klamme Staatskasse aufzufüllen, bat er anno 1573 in einem Schreiben an Herzog Johann Albrecht um die Überlassung eines Salpetersieders. Der lehnte das vorgetragene Ansinnen ab, da ein Salpetersieder nicht so einfach einzustellen war. Viele Meister hatten Verträge mit Adligen der Region, denen sie eine Gebühr für den Boden entrichteten, aus dem sie die Salpetererde abtrugen. Damals konnten die Sieder den überschüssigen Gewinn für sich behalten und hatten daher kein Interesse, sich in den herzoglichen Dienst zu begeben.

Dennoch gelang es Ulrich, einen erfahrenen Sieder für sich zu gewinnen. Ein Mann namens Hans Koeler sollte für ihn die Salpetergewinnung organisieren. Der Herzog unterrichtete Amtsleute, Küchenmeister und Vögte, dass Koeler in seinem ganzen Lande Salpetererde graben dürfe. Zudem sollten ihm Holz, Asche und alles andere notwendige Material zur Verfügung gestellt werden. Den Bauern wurde sogar von den Kanzeln aus empfohlen, ihm ihre Asche zu billigen Preisen zu überlassen. Das gewonnene Salz wurde dann zur Parchimer Siederei transportiert und verarbeitet.

Hans Koeler wurde großzügig unterstützt, er erhielt unter anderen 20 Gulden zur Entlohnung seiner Knechte, zehn Gulden für den Ascheeinkauf, 15 Gulden für den Kauf von Werkzeug. Trotz der Geldnot des Herzogs wurde ihm eine jährliche Vergütung in Höhe von 40 Gulden ausgezahlt.

1573 wurde mit Berndt Ferber ein zweiter Sieder verpflichtet, und alsbald nahm die Produktion Fahrt auf. So wurden anno 1575 Asche und Holz von zahlreichen Ämtern nach Parchim gebracht. Der Sieder Hans Koeler beschäftigte inzwischen einen Meisterknecht und drei weitere Knechte. Es wurde sogar Salpeter exportiert.

Das Geschäft erblühte, und in den 80er- und 90er-Jahren des 16. Jahrhunderts gelang es den beiden Landesfürsten, viele Salpetersiedereien unter ihren Einfluss zu bringen. 1584 wurde das Sieden zu einem Hoheitsrecht, das die Herzöge allein für sich in Anspruch nahmen. Fortan musste ein Salpeterzehnt an die fürstliche Kasse gezahlt werden und der Sieder hatte seinen zehnten Zentner kostenlos abzuliefern. Nun war es nicht mehr möglich, die überschüssige Ware in Hamburg, Lüneburg oder anderswo verkaufen. Auch die Küchenmeister wurden angewiesen, für den Zentner abgelieferten Salpeters 13 Taler zu zahlen und ihn an sicherem Ort zu verwahren.

In der Folge dieser mannigfaltigen Maßnahmen entwickelte sich Mecklenburg von einem Einfuhr- zu einem Ausfuhrland. So belegen Registereintragungen für den Februar 1586 einen großen Verkauf. Goedert von Borchau aus Hamburg erwarb 148 Zentner Salpeter zum Preis von 2666 Talern. Große Mengen wurden auch nach Lübeck verkauft. Salpeter wurde zum gefragten Handelsgut und zu einer willkommenen Einnahmequelle für die herzogliche Staatskasse.

Erst mehrere hundert Jahre später – im Jahre 1910 – entwickelte der deutschen Chemiker Fritz Haber ein Verfahren, mit dem sich aus Wasserstoff und Stickstoff synthetisches Ammoniak herstellen ließ. In den folgenden Jahren setzte sich das Haber-Bosch-Verfahren durch und reduzierte drastisch den Abbau von Salpeter.

Danach wurde nur noch bis in die 1970er-Jahre in der nordchilenischen Atacamawüste Salpeter nach dem traditionellen Verfahren abgebaut.

 

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