Festung Dömitz : Alles auf einer Karte

Ausschnitt des 1762 von Zacharias Johann Plener gezeichneten Grundrisses der Dömitzer Festung   Repro: Museum Festung Dömitz
Ausschnitt des 1762 von Zacharias Johann Plener gezeichneten Grundrisses der Dömitzer Festung Repro: Museum Festung Dömitz

Zeichnung von Zacharias Johann Plener aus dem Jahr 1762 zeigt Dömitzer Festung zur Zeit des Siebenjährigen Krieges

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26. November 2015, 11:08 Uhr

Die gegenwärtige Sonderausstellung „Historische Festungskarten“ des Museums Festung Dömitz stellt 70 verschiedene kartographische Darstellungen zwischen 1565 und 2015 vor. Neben offensichtlichen baulichen Veränderungen der Gebäude und Bastionen erzählen die Blätter auch die Folgen europäischer Großereignisse.

Die im Jahr 1762 von dem Ingenieur-Hauptmann Zacharias Johann Plener angefertigten Grundriss- und Profilzeichnungen illustrieren den baulichen Zustand der Dömitzer Festung während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) und veranschaulichen zugleich ein Stück Globalgeschichte des 18. Jahrhunderts.

Die mecklenburgischen Herzogtümer gehörten nicht zu den eigentlichen Schauplätzen dieses Krieges. Oberflächlich betrachtet erscheint der Konflikt allein zwischen den Großmächten Preußen, Großbritannien, Frankreich, Russland und Schweden ausgetragen worden zu sein. Doch zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass auch Mecklenburg involviert war. Die Grenzen des preußischen Königreichs umklammerten beide mecklenburgischen Herzogtümer. Erzwungene Naturalienabgaben und die immer bedrohlicher werdenden Rekrutierungsmaßnahmen zerrten am Wirtschaftsleben und der Existenz zahlreicher Einwohner. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die mehrmaligen Invasionen der preußischen Armee. Während die östlichen und südlichen Gebiete des Herzogtums in den Kriegsjahren regelmäßig von preußischen und schwedischen Armeeeinheiten besetzt waren, blieb die Region um Dömitz zunächst verschont.

Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin (1717-1785) hatte bereits im Dezember 1757 mit Frankreich einen Allianzvertrag gegen Preußen geschlossen. Die Übermacht der Allianz versprach einen Sieg. Die Dömitzer Festung sollte den französischen Verbündeten zur Verfügung stehen, da die strategische Bedeutung auf Grund der Kontrollmöglichkeiten der Elbeschifffahrt als wichtig angesehen wurde. Doch dazu kam es nicht. Der bauliche und militärische Zustand der Festung schien nur ungenügend gewesen zu sein. Der Festungskommandant Major Hieronymus Hertrich schrieb sowohl der Festung als auch den Stadtwällen eine schlechte Beschaffenheit zu. Eine Belagerung schien kaum länger als 24 Stunden möglich zu sein. An bombensicheren Räumen mangelte es außerdem. Im Frühjahr 1761 kam es zu einer fünfwöchigen Belagerung der Stadt und Festung durch preußische Truppen. Zuvor waren die Besatzung der Festung auf 400 Mann vergrößert und die umliegenden Wassergräben gestaut worden. Beendet wurde die Blockade durch einen herzoglich mecklenburgischen Vermittler aus Schwerin, der die Bezahlung von 4000 Reichstalern der Stadt Dömitz an die preußische Armee aushandelte. Die preußischen Belagerer zogen wieder ab. Mecklenburgs einzige Festung war nicht eingenommen worden. Ein Gefecht blieb der Stadtbevölkerung erspart.

Ein Jahr nach diesem Zwischenfall zeichnete Zacharias Johann Plener unter anderem den Grundriss der Festung Dömitz. Neben zahlreichen „Baraquen“ (Buchstabe O auf der Karte) fällt außerdem die farbig anders gestaltete Bastion „Greif“ (Buchstabe B auf der Karte) auf. Dieser Teil der Festung war erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet worden, jedoch nur westlich vollendet. Im östlichen Bereich scheinen nur die Grundmauern ausgeführt worden zu sein. Der von Zacharias Plener dargestellte Bauzustand deckt sich mit den Befunden der jüngst beendeten archäologischen Grabung des Landesamtes für Denkmalpflege M-V unter der Leitung von Rolf Schulze. Die Details der Karte und die archäologischen Grabungen zeigen, dass die Forschung zur Geschichte der Festung nicht zu Ende ist. Neue historische Erkenntnisse werden dem alten Gemäuer gewiss noch entlockt werden.

Pleners Grundrisszeichnung und zahlreiche andere Karten verschiedener Zeitepochen können noch bis zum 14. Juni in der Hauptwache des Museums Festung Dömitz besichtigt werden.

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