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Flora und Fauna : Alle starten in den Frühling

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer jetzt die Natur genießen möchte, sollte sich ein Fernglas in den Rucksack stecken

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 09:12 Uhr

Für viele Naturfreunde beginnt nun die schönste Zeit des Jahres. Ist es im April einige Tage warm, platzt die Natur plötzlich aus allen Nähten. Den Gartenfreund zieht es jeden Tag in seinen Garten und er freut sich, wenn seine frisch gepflanzten Blumen wieder ein Stück gewachsen sind. In diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. Es ist zu kalt und ungemütlich, um richtig loslegen zu können.

Dennoch: Die Frühlingsblüher des Waldes, Leberblümchen und Buschwindröschen, Goldstern und Lungenkraut wetteifern mit ihrer Farbenpracht um den Preis für den schönsten Blütenteppich. Auch auf den Wiesen entfalten sich die Blumen – Veilchen und Gänseblümchen gehören dazu. Kleine Insektenarten werden dann sehr schnell durch den intensiven Duft und die blaue Farbe der Veilchenblüte angelockt, saugen den im Sporn angesammelten Nektar und vollziehen die Bestäubung.

Der goldgelbe Löwenzahn, der jetzt üppig auf manchen Wiesen blüht, ist als Honiglieferant für die Bienen wichtig, die an sonnigen Tagen nun fleißig den Nektar einsammeln. Reiche Bestände der „Pusteblume“ können, zusammen mit der Obstbaumblüte, dem Imker bereits die erste Honigernte bescheren. Die ersten Tagfalter, die an geschützten Stellen überwintert haben, werden von der Wärme zu ihren ersten Ausflügen geweckt. Während die Blumen, je nach Wetter, früher oder später erscheinen, richten sich die Vögel nach der Lichtintensität, den länger werdenden Tagen – der uralten Sonnenuhr. Im Park schmettert zwischen aufbrechenden Knospen der Buchfink. Schon Anfang April können frühbrütende Arten wie Amsel, Grünfink und die Meisenarten auf ihren Gelegen sitzen. Die Stare singen im Nestbereich jetzt besonders schön, wobei diese Vögel gern die Rufe und Gesangsstrophen anderer Vogelarten nachahmen.

Um die Nistkästen im Garten wird nun gern gestritten, oft bleiben die Feldsperlinge Sieger. Die meisten unserer Zugvögel kehren im April aus den Winterquartieren zu uns zurück: Kuckuck, Baumpieper, Mönchsgrasmücke, Gartenrotschwanz, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe.

Im April erscheinen bereits junge Füchse und Dachse vor dem Bau, auch die Kaninchen genießen die warmen Sonnenstrahlen vor ihren Schlupflöchern. Die Wildschweine führen ihre Jungen, die Frischlinge, und die alten Rehböcke fegen Ende des Monats den Bast vom Gehörn. Mit einem Fernglas an Seen oder Teiche zu gehen lohnt sich jetzt: Die Sumpfdotterblumen blühen, die Schlehen breiten ihre weiße Blütenpracht aus und auf dem Wasser und dem Röhrichtgürtel herrscht nun ein buntes Gewimmel einer Vielzahl von Wasservogelarten. Besonders die Enten haben ihr schönstes Gefieder angelegt. Mit etwas Glück ist die interessante Balz der Haubentaucher zu beobachten. Das Haubentaucherpärchen schwimmt Brust an Brust, schüttelt immerzu den Kopf mit der attraktiven Gefiederhaube und plötzlich richten sich die Partner hoch aus dem Wasser auf und stehen sich wie Pinguine gegenüber.

Auch Schwarzhalstaucher und Rothalstaucher sind in die Brutheimat zurückgekehrt, balzen eifrig und bauen manchmal schon an ihren schwimmenden Nestern.

Höckerschwäne und Blessrallen fechten bei der Verteidigung ihrer Reviere so manchen lautstarken Kampf aus.
Die Graugänse und die Kraniche sitzen bereits auf den Gelegen und Nebelkrähen, Rabenkrähen und Elstern warten nur darauf, dass die brütenden Vögel gestört werden und die Eier frei liegen und von ihnen leicht zu erbeuten sind. Sie haben jetzt Nahrung im Überfluss.

Naturschutzgruppen suchen nun Helfer bei der täglichen Kontrolle der „Krötenzäune“, deren Errichtung an manchen stark befahrenen Straßen nötig ist, damit die Wanderungen der Erdkröten zu ihren Laichplätzen nicht allzu viele Opfer fordert.

Die Wetterunbeständigkeit des Aprils gehört zu diesem Monat. Dichter haben sie stets besungen: „Oh Gott wie sehr gleicht dieser Liebeslenz doch des Apriltags unbeständger Pracht: In voller Schönheit scheint die Sonne jetzt, und schnell macht eine Wolke wieder Nacht!“, schrieb William Shakespeare.

Und John Keble dichtete: „April, das heißt: Ringsum beginnt die Luft zu singen, bis tausend Blütenknospen drängen aufzuspringen. Ist keckes Grün aus jedem Zweig hervorgekrochen, dann weiß man: Frühling hat sich wieder Bahn gebrochen.“

Erich Hoyer

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